(09.09.2014) Da habe ich mir wieder etwas eingebrockt! Nachdem dem Rundgang durch das Bunkermuseum zur Vorbereitung auf meine Lesung am 14. September hielt ich es für eine schöne Idee, eine Geschichte über das Leben im Bunker zu schreiben. Diese Idee habe ich leichtsinniger Weise auch noch ausgeplaudert und nun sitze ich hier und – hier endet der unterhaltsame Teil des Blogbeitrags.

Ich sitze nämlich hier und lese, wie die Menschen im Bunker gelebt und überlebt haben. Die Eigentümerin des Bunkermuseums, Michaela Beiderbeck, hat mir einen Artikel über einen Abend im Bunker in der Körnerstraße geschickt, der so schrecklich ist, dass ich den gleich beiseite gelegt habe. Denn, das ist für mich klar, ich möchte eine Geschichte schreiben, wie die Menschen im Bunker gelebt haben, nicht, wie sie dort gestorben sind. Das mag man gerne woanders nachlesen.

Mich interessiert besonders, was die Menschen damals dachten und fühlten und wie sie ihr Leben in dieser besonderen Situation gestalteten. Zu meinem großen Erstaunen finden sich darüber nur wenige Erfahrungsberichte im Internet, das doch sonst zu jedem Thema mit unzähligen Beiträgen aufwartet. Aber ich habe auch die eine oder andere Schilderung gefunden, ein Artikel hat mich zu dem Arbeitstitel meiner Geschichte angeregt: „Klappstuhlgeschwader“.

Die Erinnerungen, die ich gefunden habe, habe ich in meiner Geschichte natürlich ausgeschmückt und verdichtet, schließlich will ich nach meiner Lesung noch zu einer Ausstellungseröffnung ins Stadtmuseum. Aber es gibt wirklich Schilderungen von Kindern, die einem Gegenstand nachweinen und es wurde tatsächlich gespielt, erzählt, ja sogar Handarbeiten angefertigt. Ein Augenzeuge beschreibt, dass der Alltag eben im Bunker weiterging – die Schüler machten ihre Hausaufgaben, die Frauen tauschten sich über Kochrezepte aus und die Männer fachsimpelten über Politik, sorgsam bedacht, dass ihre Meinungen nicht wirklich klar zu Tage traten. Sogar eine Mitarbeiterbesprechung soll es einem Bericht zufolge in einem Bunker gegeben haben, weil der Bombenalarm mitten in den Arbeitsalltag platzte.

All das darf man sich nun nicht in einem üppigen Großraumbüro oder Tanzkeller vorstellen, sondern in beengten Räumen, von denen der Keller im Hochbunker in der Bergstraße einen Eindruck vermittelt. Drei oder vier Pritschen in einem Raum bedeuteten nämlich nicht, dass sich hier nur drei oder vier Menschen aufhielten, sondern dass es nur diesen Platz zum Sitzen gab, zumal ja die Koffer in der Regel im Gepäckraum abgegeben werden mussten. Wer anfangs froh über einen Platz auf der oberen Liege war, weil er seine Beine bewegen konnte, beklagte sich nicht selten später über die schlechte Luft dort über den Köpfen der anderen.

Das war sicher keine angenehme Situation, umso größer ist die Herausforderung, dazu eine Geschichte zu schreiben, die man sich auch an einem Sonntagvormittag anhören mag. Und deshalb war ich wirklich froh über das Klappstuhlgeschwader, das … – aber das verrate ich hier ganz sicher nicht. Eventuell bei der Lesung am 14. September um 12.30 Uhr im Bunkermuseum, Bergstraße 98 (etwa auf der Höhe der Konkordiastraße) in Hagen. Vielleicht sehen wir uns ja. © Birgit Ebbert