(12.04.2011) „Das Portal“ – schon der Titel lässt erahnen, dass wir Leser ein großes Tor durchschreiten, dass es jedoch das Tor zwischen Wahrscheinlichem und Unwahrscheinlichem, zwischen Gestern und Heute, zwischen Himmel und Erde sein wird, das war nicht zu erwarten. Obwohl – bereits beim Lesen des Prologs kommt eine Ahnung auf, dass dieser Roman einen an Grenzen führen wird. Merkwürdige kursiv gesetzte Bemerkungen führen uns auf die Spur, dass hier eine andere Dimension als die der Erdenmenschen mitspielen wird. Da ist es fast eine Erleichterung, wenn im ersten Kapitel eine Kommissarin von einem Mörder in die Enge getrieben wird. Der Leser lehnt sich erleichtert zurück, beruhigt, dass nun ein spannender Krimi folgen wird. Aber irgendwie hat sich der Prolog im Kopf festgesetzt. Was mag er mit der Kommissarin und ihrem Fall zu tun haben?

Der Autorin ist es gelungen, durch geschickte Anspielungen und Parallelen, den Leser so in den Bann zu ziehen, dass er das Buch nicht aus der Hand legen wird, ehe er nicht weiß, was Anna, die Tochter des Dombaumeisters aus dem 14. Jahrhundert, mit der Kommissarin Nia aus dem Jahr 2010 zu tun hat. Ist es dieser merkwürdige Mann, der ihnen begegnet und sie in seinen Bann zieht? Ist es der Kölner Dom, der in beiden Geschichten eine Rolle spielt? Ist es das tote Kind, um das sie trauern, obwohl es gar nicht ihr eigenes ist? Fragen über Fragen, Rätsel über Rätsel, die sich auflösen – allerdings erst am Schluss, wenn auch die letzte Seite gelesen ist.

Ganz nebenbei gibt das Buch einen Einblick in das Leben im Schatten des Doms Mitte des 14. Jahrhunderts, in den Alltag der Menschen, die Sitten und Bräuche der Dombaumeister und die Sagen, die sich um den Dom seit jeher ranken.

Ein gelungenes Buch, das auch Nicht-Kölner in seinen Bann ziehen wird und dem viele Leser zu wünschen sind, ist es doch gelungen, die Handlungsstränge so zu verflechten, dass das wahre Muster erst am Ende zu erkennen ist.

Nachdem mich das Buch so gefesselt hat, hatte ich ein paar Fragen an Elke Pistor, die sie mir zum Glück auch beantwortet hat. Hier sind die Fragen und Antworten:

1. Wie bist du auf die Idee zu dem Buch gekommen?

Ich stand vor dem Kölner Dom und wartete auf eine Freundin. In solchen Situationen liebe ich es, einfach nur die Leute zu beobachten und mir vorzustellen, was sie sind, woher sie kommen und was sie so machen im Leben. Da ich nun direkt vorm Petersportal stand, habe ich nicht nur die Menschen, sondern auch die Steinfiguren betrachtet. Dabei ist mir besonders die Figur des „Glocken schwingenden Engels“ aufgefallen und ich habe mich gefragt, was er sein könnte, wenn er nicht nur eine Steinfigur wäre. Der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Ich habe mich schlau gemacht und festgestellt, dass die Familie der Parler die Figuren des Portals schon im 14.Jhd. angefertigt hat. Als ich dann noch herausgefunden habe, dass der berühmte Steinmetz Peter Parler den Beinamen „von Gemünd“ trug, wusste ich, das ist ‚meine‘ Geschichte – immerhin bin ich auch „von Gemünd“, also eine Gemünderin, und mein erster Krimi heißt „Gemünder Blut“.

2. Das Buch wirkt wie eine Kompositionen aus vielen kleinen Einheiten. Wie hast du das Buch geschrieben?

So wie ich alle meine Bücher schreibe: Durchgängig von der ersten bis zur letzten Seite, so wie es nachher zu lesen sein soll. Ich brauche diese Entwicklung der Geschichte und bin ganz schlecht im „Springen“ zwischen einzelnen Szenen. Allerdings habe ich die komplette Geschichte vorher wie eine Art Film in meinem Kopf und ’schreibe sie dann ab‘. Kleine Verschiebungen passieren dann noch in der Zusammenarbeit mit meiner Lektorin, aber das hält sich in Grenzen.

3. Wie viel Wahrheit und Wahrscheinlichkeit und wie viel Fiktion stecken in dem Buch?

Also den Dom gibt es wirklich …

Nein, im Ernst – ich mag es, mich in meinen Geschichten immer hart am Rand des Wirklichen zu bewegen und die Grenze zur Fiktion fließend zu halten.

Die Hintergründe zur Baugeschichte des Kölner Doms sind alle wahr. ich habe mich durch Meter von Fachliteratur gelesen, Führungen auf, im und unterm Dom mitgemacht, und bin den Mitarbeitern in der Dombauhütte sicher irgendwann mit meinen Fragen auf die Nerven gegangen. Auch die Familie der Parler hat es gegeben, besonders Heinrich, der Vater, und Peter, der Sohn sind gut dokumentiert.

Auch habe ich versucht, Ereignisse und Alltag der damaligen Zeit möglichst an den Fakten zu orientieren.

Ganz klar Fiktion, also erfunden sind die Prophezeiung und die Existenz der Domherren. Und der Engel …

Der aktuelle Handlungsstrang ist, wie alle meine Krimis komplette Fiktion.

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