(19.11.2014) Als ich zur Schule ging, fiel Geschichte häufig aus wegen Lehrermangels – ja, so steht es im Zeugnis! Deshalb arbeite ich nun auf, was ich damals versäumt habe. Die Ausstellung „Weltenbrand Hagen 1914“ und der Katalog dazu waren ein guter Einstieg. Nun arbeite ich mich mit dem Buch „Das Zeitalter der Weltkriege 1914 – 1945“ aus der Edition Lingen-Stiftung weiter durch die Zeit.

Interessant finde ich den Ansatz, den Krieg aus der Sicht der „Kriegführung“ zu betrachten, auch wenn schon die Titel „Gaskrieg“ und „Bombenkrieg“ bei mir Unbehagen hervorrufen. Darüber, wie sich das Militär – vom Preußischen Heer über die Reichswehr zur Wehrmacht – entwickelt hat, habe ich bis zur Lektüre des Buches auch nie nachgedacht. Es lohnt sich eben immer in Bücher zu schauen und sie nicht nur ins Regal zu stellen!

Das Buch beschränkt sich allerdings nicht auf die Mechanismen des Kampfes zwischen Nationen. Es beschreibt vor allem die Auswirkungen an der „Heimatfront“, beleuchtet die „Zwangsarbeit“ ebenso wie die „Kriegsgefangenschaft“, Themen die mir bis dahin weit weg erschienen, weil meine Eltern im zweiten Weltkrieg noch Kinder waren.

Mit der Zeit zwischen den Kriegen habe ich mich bereits für meinen Roman „Brand bücher“ beschäftigt. Allerdings habe ich in diesem Buch neue Aspekte entdeckt, die ich bisher dank selektiver Wahrnehmung ausgeklammert hatte – ebenso wie die Frage, wie es nach den Kriegen weiterging – für die Menschen und die Völker. Immerhin war Deutschland Schuld an dem Elend auf unserem Kontinent, das bedeutete zum einen Schadensersatzforderungen, zum anderen aber auch Hass, der sich stelltvertretend gegenüber einzelnen Menschen zeigte. Bei der Lektüre dieses Beitrags habe ich mich gefragt, wie wohl das Zusammenleben in Grenzgebieten wie in Borken gewesen sein mag. Das Thema ist direkt auf meiner Todo-Liste gelandet.

Das zeigt, das Buch informiert und regt zum Nachdenken an und wer gerade keine Lust zum Lesen hat, findet eine Fülle von historischen Fotos mit kurzen Erläuterungen, die schon einiges über „Das Zeitalter der Weltkriege“ aussagen. Einziger Wermutstropfen, der allerdings nicht nur für dieses Buch gilt: Auch über Geschichte wird (fast) nur von Männern geschrieben.© Birgit Ebbert

Ernst Piper (Hrsg.): Das Zeitalter der Weltkriege 1914 – 1945. Edition LingenStiftung 2014 mit Beiträgen von Stig Förster, Alexander Hoerkens, Manfred Jehle, Rolf-Dieter Müller, Sönke Neitzel, Helmut R. Hammerich, Sven Felix Kellerhoff, Christopfer Kopper, Uta Hinz, Thomas Weber, Michael Schwartz, Gerd Hankel.