(06.08.2019) Bei meinen Erkundungsgängen in der Innenstadt und im Park sind mir verschiedene Denkmäler aufgefallen, die sich teils selbst erschließen und zum Teil keine Information über die Bedeutung enthalten. Nun habe ich beim Aufräumen – muss ja auch im Zweit-Zuhause mal sein 🙂 – ein Buch über „Gothaer Denkmäler und Gedenksteine“ gefunden. Und was soll ich sagen, fast alle Innenstadt- und Park-Denkmäler und mehr habe ich bereits entdeckt. Eines konnte ich nicht entdecken, aber das ist eine witzige Geschichte, die ich gelegentlich nachreiche. Hier sind erst einmal die Denkmäler und Gedenksteine, damit ich nicht vergesse, was es damit auf sich hat 🙂

Denkmäler in der Stadt

Das erste Denkmal, das mir in der Stadt ins Auge gefallen ist, war tatsächlich das einer Frau, auch das einzige Denkmal für eine Frau. Die von Bernd Göbel geschaffene Bronze steht am Schlossberg neben der Wasserkunst und ist Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg (1710-1767) gewidmet. Sie war mit Friedrich III verheiratet und war für ihre Zeit schon sehr emanzipier und engagiert, sie mischte sich in die Politik ihres Mannes ein und leistete einen Beitrag zur kulturellen Entwicklung Thüringens. Gotha verdankt ihr u. a. die Orangerie und ehrt sie jedes Jahr beim Barockfest.

Wenn man vor Luise Dorothea steht hat man – vom Rathaus kommend – auch gleich eine weitere bedeutende Persönlichkeit im Blick. Herzog Ernst I von Sachsen-Gotha-Altenburg, auch Ernst der Fromme, 1601-1673) überragt die kleine Herzogin. Als Erbauer von Schloss Friedenstein wurde ihm ein zentraler Platz zwischen Schloss und Hauptmarkt zugewiesen. Die Bronze aus der Werkstatt des Berliner Bildhauers Caspar Finkenberger wurde 1904 eingeweiht.

Direkt hinter dem Rathaus steht eine weitere bedeutende Figur für Gotha, ihr Schutzpatron St. Gothardus. Der Ärmste wurde mehrmals erneuert und hat eine leidvolle Geschichte. Wie lange ein Vorgänger an dem Platz stand, ist mir aus den Unterlagen nicht klar geworden, 1887 ist die Figur jedenfalls erstmals erneuert bzw. durch einen bronzierten Zinkguss ersetzt worden. 1940 fand diese Figur im großen Schmelztiegel der Nationalsozialisten ein Ende, sie wurde nämlich zur „Metallspende des Deutschen Volkes“. Die heutige Figur ziert seit 1999 den Brunnen auf dem Hauptmarkt.

Ganz zufällig bin ich bei meinen Streifzügen durch die Stadt auf das Jacobs-Denkmal gestoßen an der Ecke Bergallee/Burgfreiheit. Mitten zwischen Hochhäusern auf einmal ein Denkmal! Zu sehen ist darauf ein Medaillon des Porträt- und Historienmalers Emil Jacobs (1802-1866). Um das zu realisieren, wurde kurz nach seinem Tod extra ein Komitee gebildet. Arbeitskreise sind keine neue Erfindung 🙂

Und dann stand ich eines Tages unversehens vor einer Pyramide. Ja, wirklich, neben einer kleinen Straße steht diese Pyramide, die Oberhofmarschall Hans Adam von Studnitz sich bereits zu seinen Lebzeiten als Begräbnisstätte in seinem Garten hat bauen lassen. Das war 1770 und wenn man die Liste der neuzeitlichen Pyramiden durchsieht, ist sie damit die älteste in Europa erbaute Pyramide oder zumindest eine der ältesten. Erbaut wurde sie vom Gothaer Hofbildhauser Friedrich Wilhelm Döll.

Bei der Suche nach einem Foto ist mir noch ein Kunstwerk begegnet, der „Doppelkopf“ als Hommage an Conrad Ekhof, den Begründer des Ekhof-Theaters. Sie befindet sich am Ende der Schlossgasse am Treppenabgang und auch diese habe ich zufällig entdeckt. Gut, dass ich mit meinem Smartphone fotografieren kann 🙂

Denkmäler für Ernst Wilhelm Arnoldi

Auf einer Wiese neben der Post habe ich schon beim ersten Besuch in Gotha ein Denkmal entdeckt. Da wusste ich noch nicht, dass es an Ernst Wilhelm Arnoldi, den Gründer der Gothaer Versicherung und Mäzen, erinnerte. Das Denkmal hat eine besondere Geschichte, die Ursprungsfassung wurde schon am 27. Mai 1843, am zweiten Todestag Arnoldis, einweiht. Es stand bis 1975 am damaligen Erfurter Platz. Bei der Straßenverbreiterung wurde es nicht wie versprochen, umgesetzt, sondern die Reste wurden auf das Gelände von Schloss Mönchhof gekippt. Dort fand der heutige Vorsitzende des Vereins für Stadtgeschichte und Altstadterhaltung die Reste. Der Verein sammelte Spenden, damit diese wieder zu einem Denkmal zusammengefügt werden konnten. Am 24. Mai 2003 war es fertig und wurde eingeweiht. Da gab es seit 1991 eine Arnoldi-Bronze am Ende der Erfurter Straße, das geschaffen wurde, weil man davon ausging, dass das Ursprungsdenkmal verschollen war.

Denkmäler im Schlosspark

Das erste Denkmal, das mir im Schlosspark auffiel, war die Sphinx auf der Insel im Parkteich. Sie schaute mich aber auch immer so geheimnisvoll an. Ich habe noch nicht sämtliche Gothaer befragt, aber einige, was es mit der Sphinx auf sich hat, konnte mir keiner sagen. Nun habe ich es nachgelesen. Es handelt sich um ein Denkmal für August Geutebrück (1758-1817). In dem Büchlein ist angegeben, dass die Sphinx am Weg steht, aber es ist eindeutig die Inselsphinx. Anscheinend hat Herzog Friedrich der IV seinem „Herzoglich Sächsichen Rat“ und Archivsekretär August Geutebrück das Denkmal von Hofbildhauer Friedrich Wilehlm Doell (1850-1816) aus Seeberger Sandstein erstellen lassen. Die Inschrift, die ich nicht gesehen habe, da ich Dummerle im Winter, als kein Wasser im Teich war, nicht auf die Insel gegangen ist, erinnert an Geutebrück und enthält den Satz: „Jenseits wird sich das dunkle Rätsel des Lebens lösen“.

Sehr motivierend als Stadtschreiberin finde ich ja den Goethe-Spruch am Parkrand Ecke Parkallee/Lindenauallee: „Welch ein himmlischer Garten entspringt aus Oed‘ und Wüste. Wird und lebet und glänzt herrlich im Lichte vor mir.“ Das ist der Anfang des Gedichtes „Der Park“, zu dem – angeblich – Goethe 1782 in Gotha inspiriert wurde. Der Stein wurde zum 200. Geburtstag Goethes aufgestellt.

Bereits seit dem 16. Mai 1878 erinnert ein Felsbrocken mit einer Eisentafel an den Naturforscher und Anthropologen Johann Friedrich Blumenbach, dessen Geburtshaus gar nicht weit weg ist von meinem Domizil. Blumenbach gilt als einer der „Väter“ der Zoologie und Anthropologie als Wissenschaft.

Einen Tag, bevor ich das Büchlein gefunden habe, war ich an einem Denkmal ohne Beschriftung vorbeigekommen. Aussehen und Standort wirkten aber nicht so, als sei es versehentlich oder durch Entsorgung dorthin geraten. Nun weiß ich, dass es an Freiherr von Frankenberg erinnert, der ab 1788 unter drei Herzögen von Gotha-Altenburg Minister war. Unter anderem wurde das Frankenbergsche Krankenhaus in Gotha, das bis 1879 in Betrieb war, seiner finanziellen Unterstützung gebaut. Von der Inschrift auf dem klassizistischen Denkmal aus Sandstein „Dem unvergesslichen Sylvius gewidmet“, ist nichts mehr zu lesen.

Dank des Büchleins weiß ich nun auch, was es mit dem Denkmal von August Petermann in der Nähe des Teeschlösschens auf sich hat. August Petermann (1822-1878) war Geograf und Kartograf. Auf Initiative der Geographischen Anstalt Justus Perthes erfolgte ein Spendenaufruf, um ihm ein Denkmal zu widmen. Deshalb steht auf dem Stein, den Bildhauer Max Hoene aus München gestaltet hat, auch „Die deutschen geographischen Gesellschaften“. Petermann hat in Gotha gearbeitet und sich hier auch das Leben genommen, warum, das habe ich nirgends gefunden, das hätte mich jetzt noch interessiert? Wurde er verfolgt? War er depressiv? … Wäre doch interessant.

Noch ein Mann wird durch ein Denkmal im Park gewürdigt, Heinrich Christian Wehmeyer (1729-1813). Wehmeyer war – da passt der Gedenkplatz ja – Herzoglicher Obergärtner, er hat sich als Nachfolger des englischen Kollegen John Haverfield darum gekümmert, dass der Charakter des englischen Landschaftsgartens erhalten bleibt. Anscheinend zur Zufriedenheit seines Vorgesetzten, denn das Denkmal wurde von Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg in Wehmeyers Todesjahr gestiftet.