(14.06.2014) Seit dem 18. Mai ist in Hagen im Osthausmuseum die Ausstellung „Weltenbrand Hagen 1914“ zu sehen. Grund genug, sich etwas genauer damit zu beschäftigen, was Hagen eigentlich mit dem scheinbar fernen ersten Weltkrieg zu tun hatte.

Nun, Hagen war vor Ausbruch des ersten Weltkriegs eine aufstrebende Stadt mit Industrieunternehmen, die dafür sorgten, dass die Stadt über die regionalen Grenzen hinaus bekannt war. Man denke nur daran, dass das heute weltweit beachtete Folkwang-Museum seine Wurzeln in Hagen hat und 1902 an der Hochstraße als erstes Museum für zeitgenössische Kunst auf der ganzen Welt eröffnet wurde. Der Altbau des Museums nach einem Entwurf von Carl Gérard ist damit das größte Exponat der 700 Werke umfassenden Ausstellung. Auch das Rathaus von 1903, der Hauptbahnhof von 1910, in dem noch heute das damals eingebaute Thorn-Prikker-Fenster zu sehen ist, und das Stadttheater aus dem Jahr 1911 mit den Figuren von Milly Steger sind Beweis dafür, wie gut es Hagen vor dem ersten Weltkrieg ging. Damals lebten rund 96.500 Einwohner in der Stadt und man rechnete damit, in Kürze zur Großstadt zu werden.

Dann kam der Weltkrieg. Zwar profitierte die Industrie der Stadt durchaus von dem Krieg, vor allem die Rüstungsbetriebe wie die 1887 gegründete Accumulatoren-Fabrik, die Hauptlieferant für U-Boot-Batterien war. Eine dieser Batterien, die des Handels-U-Bootes „Deutschland“ ist in der Ausstellung zu sehen. Doch auch solche Rüstungsaufträge konnten der Stadt nicht helfen und schon gar nicht die zahlreichen Toten verhindern. Rund 5.500 Soldaten aus Hagen starben im Krieg, viele kehrten verletzt und traumatisiert zurück und sahen sich nicht in der Lage, den Aufschwung von vor dem Krieg erneut in Gang zu bringen.

Karl Ernst Osthaus, der Anfang des 20. Jahrhunderts viele Impulse gesetzt hatte, war weder mental noch finanziell in der Lage, sein Engagement fortzuführen. Der erste Weltkrieg muss als entscheidende Zäsur in der Entwicklung der Stadt gesehen werden. Umso bedeutsamer ist es, dass die Kuratoren der Ausstellung sich nicht darauf beschränkt, die Geschichte und das Bild des ersten Weltkriegs zu zeichnen, sondern die Besucher mitnehmen in eine Entwicklung, die auch heute noch ihre Wirkung zeigt. Beeindruckend finde ich, dass rund 90 % der Exponate aus Hagener Beständen stammen und die Ausstellung sonst verborgene Schätze zeigt – ob das Kunstwerke namhafter Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel sind oder Pickelhaube, Fanfare oder eine Abbildung eines Nagelmannes, des eisernen Schmieds, mit dessen Erstellung Geld für den Krieg beschafft wurde und von dem es deutschlandweit kaum noch erhaltene Exemplare gibt.

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Jetzt schon vormerken: Termin für die Finissage am 9. August