(18.02.2020) Am letzten Samstag öffnete der historische Jahrmarkt in der Jahrhunderhalle zum 13. Mal seine Pforten. Kurz nachgerechnet, stelle ich fest, dass ich den Markt dann doch nicht verpasst habe, als ich noch in Bochum wohnte 🙂 Und immerhin war ich vor fünf Jahren beim ersten Steampunk-Markt dabei, der fand in diesem Jahr schon zum sechsten Mal statt. Und die Steampunks haben auch Ministerin Gödecke angesteckt, die mit Steampunk-Zylinder den Jahrmarkt eröffnete.

Die Aussteller des Jahrmarkts

Für mich ist der Besuch des Jahrmarkts wie eine Reise in die Kindheit und ein Nachhausekommen. Es sind immer die gleichen alten Fahrgeschäfte, die mich in der wunderbaren alten Industriehalle erwarten. Obwohl ich sie schon oft gesehen habe, üben sie einen Zauber aus. Vor meinem Fenster steht gerade ein super moderner Autoscooter, sodass ich den direkten Vergleich zu Selbstfahrer auf dem Jahrmarkt habe. Ich kann nicht sagen, was es ist, vielleicht Nostalgie, weshalb mich die alten Fahrzeuge mehr berühren als die mordernen Blinkchaisen. Nun ist der Autoscooter ein Fahrgeschäft, dass sich Jahrzehnte gehalten hat, durch technische und optische Anpassung an die Zeit, das muss natürlich sein, das weiß ich. Auf dem Jahrmarkt finden sich aber auch Fahrgeschäfte, die es so heute nicht mehr gibt. Die „Fahrt ins Paradies“, sogar zeitweilig mit Live-Musik vom Chef Toni Schleifer persönlich. Das Pferdekarussell und das Kinderkarussell mit Tieren wie aus dem Bilderbuch. Die Raupenbahn, die bei mir natürlich aufregende Erinnerungen weckt und das Kettenkarussell aus Hagen. Eine Geisterbahn wie früher gibt es ebenso wie den einzigartigen Flohzirkus, Schiffsschaukeln kann man genauso wie ein Looping im Käfig versuchen. Und in diesem Jahr erstmals dabei ist das Kindersportkarussell von Sandra Voss aus Kerken, das 1965 erstmals in Betrieb genommen wurde. Nicht, dass ich ein ausgemachter Autofan wäre, aber die hübschen alten Autos, Fahrräder und Motorräder haben auch mich fasziniert, vermutlich, weil sie die Realität der 60er-Jahre widerspiegeln.

Der Steampunk-Rummel

Mit der Realität der 60er-Jahre haben die Special Guests am Samstag wenig am Hut. Sie beschäftigen sich mit der Realität des ausgehenden 19. Jahrhunderts, als es weder Smartphone noch Internet gab, als der Strom noch mit Dampfmaschinen betrieben wurde und in England Queen Victoria – übrigens gelegentlich von Gotha aus 🙂 – ihr strenges Regiment führte. Inspiriert unter anderem von Jules Vernes Romanen treten die Steampunks in außergewöhnlichen Outfits auf – das ich vor Jahren in einem Buch der Bloggerbande eingesetzt habe 🙂 Die Steampunks machen sich Gedanken darüber, wie die Welt und unser Alltag aussehen würden, wenn die Dampfmaschinen weiter unser einziger Energieträger wäre und entwickeln kreative Ideen. Einige Ergebnisse waren auf dem Verkaufsmarkt ebenso zu sehen wie Accessoires, aber auch Geschichten und Musik mit Steampunk-Flair. Und in der Halle waren etwa 80 Prozent der BesucherInnen im Steampunk-Outfit unterwegs, weshalb der Besuch am Samstag eine zusätzliche inspirierende Note hatte und für Fotografen besonders interessant war.

Die Schausteller-Ausstellung

Zwischen Steampunk und Fahrgeschäft finden sich in der gesamten Halle Exponate über die Geschichte des Schaustellergewerbes. Schilder, alte Chaisen, ein Filmprojektor aus der Zeit der Wanderkinos und viele andere Dinge zeigen, wie sich die Arbeit und das Leben der Schausteller verändert hat. 🙂 Ich habe das Glück, dass ich durch die Hagener Karnevalskirmes vor meinem Fenster direkt den Vergleich zum heutigen Jahrmarkt ziehen kann. Ich guck dann mal 🙂 – und wünsche viel Freude und schöne Erinnerungen beim Besuch des Historischen Jahrmarkts, der noch am 22./23. Februar sowie 29. Februar und 1. März geöffnet ist. Und den HagenerInnen viel Spaß bei der Karnevalskirmes vom Volkspark bis zum Friedrich-Ebert-Platz. © 2020 Birgit Ebbert

Weitere Informationen den Historischen Jahrmarkt: www.jahrhunderthalle-bochum.de und die Hagener Karnevalskirmes: www.hagener-schaustellerverein.de

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