(18.10.2012) Als ich vor fünf Jahren nach Hagen zog, hat mich gleich als erstes fasziniert, dass ich nur wenige Schritte von einem Museum entfernt wohne. Damals wusste ich noch nicht, dass es sich um ein ganz besonderes Museum handelt, das Museum nämlich, in dem die Wurzeln für das heutige Folkwang-Museum in Essen gelegt wurden.

Ja, Hagen war bereits Anfang des 20sten Jahrhunderts eine Stadt, in der Kunst und Künstler zu Hause waren. Unter dem Begriff „Hagener Impuls“ finden sich über die Stadt verteilt noch Spuren des damaligen Wirkens, das Karl Ernst Osthaus, einem kunstinteressierten Sohn der Stadt, zu verdanken war. Er hat die Initiative „Folkwang“ ins Leben gerufen, unter anderem mit dem Museum Folkwang wollte er die Kunst in die Region bringen und die Menschen für Ästhetik begeistern.

Inzwischen sind 110 Jahre vergangen, 110 Jahre, in denen sich viel getan hat. Vor allem wurden 1922 nahezu alle Werke aus dem damaligen Museum Folkwang an die Stadt Essen verkauft. Die Stadt Hagen hat durchaus versucht, diesen einmaligen Kunstbesitz in der Stadt zu halten, doch konnte sie in dem Preiskampf irgendwann nicht mehr mithalten. Auch der Versuch, sich die Werke des Museums gerichtlich sichern, scheiterte in zweiter Instanz. Für die Stadt hieß das, sie besaß ein Museum ohne Inhalt. Fast zehn Jahre sollte es dauern, bis 1930 Christian Rohlfs, den Karl Ernst Osthaus für Hagen begeistert hatte, für eine Wiederbelebung der Hagener Kunstszene sorgte. Eines der Bilder, die in seiner Ausstellung gezeigt wurden, findet sich auch in der heutigen Ausstellung, die die Bandbreite der Idee „Folkwang“ von Karl Ernst Osthaus wiedergeben möchte. So sind neben Gemälden und Skulpturen namhafter Künstler wie Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer, Emil Nolde und August Macke künstlerisch gestaltete Gebrauchsgegenstände, Plakate und zahlreiche Archivalien zu sehen.

Mich hat zum einen die Vielfalt der Werke beeindruckt, aber auch die Rekonstruktion der drei Testamente von Karl Ernst Osthaus, aber da bin ich dann eben eine Spürnase und schon auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, was eigentlich aus den Menschen wurde, die dort erwähnt werden und warum ein Legat wohl im zweiten Testament gestrichen wurde.

Aber das ist eine Kleinigkeit am Rande, ich werde in jedem Fall noch einmal in die Ausstellung gehen, weil es so viele unterschiedliche Dinge zu entdecken gilt.

Die Eröffnung findet statt am 20. Oktober 16.00 Uhr, wenn ich es richtig verstanden habe, sind alle Hagener Bürger und sicher auch Gäste von außerhalb, herzlich eingeladen.

Vom 21. Oktober bis zum 13. Januar ist Zeit, sich mithilfe der gut 300 Ausstellungsstücke auf 2.300 qm vom „Folkwang Impuls“ anstecken zu lassen.

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