(07.07.2018) In Schloss Werdringen gehen keine Geister um, sondern Schauspieler und viele Besucherinnen und Besucher, die wissen wollen, was es mit dem kopflosen Adeligen auf sich hat. Der 1. Werdringer Theatersommer feiert seine Premiere und gestern Abend war die Premiere der Krimikomödie, die speziell für das Schloss geschrieben wurde. Um das Fazit vorwegzunehmen: Eine wunderbare Location, eine sehr gute Idee Idee, ein hervorragendes Stück, klasse gespielt.

Die Geschichte vom kopflosen Adeligen

Auf Schloss Werdringen herrscht Gräfin Francesca von Werdringen seit ihr Mann vor sieben Monaten ganz plötzlich verschwunden ist. Mit ihr lebt auf dem Schloss Dienstmädchen Madelaine und der Historiker Professor Dr. Dr. Hagen von Hagen aus Petershagen, der im Schlossarchiv über Hagen forscht. Eines Abends, den die Zuschauer miterleben, überschlagen sich die Ereignisse. Zwei kleine Mädchen werden von Schutzmann Räuber im Schlosshof erwischt und entdecken auf der Flucht eine kopflose Leiche im Schlossgraben. Während Schutzmann Räuber die Kinder nach Hause schickt, bevölkert sich das Schloss. Die Stieftochter der Gräfin erscheint, um sich nach dem Stand der Ermittlungen zum Verschwinden ihres Vaters zu erkundigen. Nicht ganz uneigennützig, denn sobald Graf von Werdringen für tot erklärt wird, wird Arabella Herrin des Anwesens. Und die verschrobene Dichterin Ricarda Uch, nicht zu verwechseln mit Ricarda Huch, bittet um Unterkunft bei dem Unwetter. Was sich auf den ersten Blick als Zufallsgemeinschaft darstellt, entpuppt sich im Laufe der Zeit als Gruppe mit gleichem Interesse und gleichem Bezug zum verschwundenen Grafen. Tja, den Rest müsst ihr euch selbst anschauen. Ist der Kopflose wirklich ein Adeliger und womöglich Graf von Werdringen? Wo ist dann sein Kopf?

Die Inszenierung

Bei dieser Inszenierung muss ich einfach mit der Kulisse und dem Bühnenbild beginnen, weil die Bühne einfach genial in den Schlosshof integriert wurde. Wer das Schloss nicht kennt, könnte beim Zuschauen den Eindruck bekommen, die Schlosswand sei extra für das Stück aus Pappmaché aufgebaut worden. Toll. Aber auch die Schauspieler waren super. Indra Janorschke und Dario Weberg, die das Stück speziell für dieses Ereignis geschrieben haben, ist es wieder gelungen, die Rollen auf den Punkt genau zu besetzen oder den Schauspielerinnen und Schauspielern die Rollen auf den Leib zu schreiben. Natalie Havel schafft es, die gelassene Überheblichkeit der Arabella von Werdringen in Szene zu setzen, Indra Janorschke wird zu einer herrischen, aber doch unsicheren Herrin und Carola Schmidt zum vorlauten Hausmädchen. Ein wenig in den Schatten gespielt, was vom Stück her auch so gedacht ist, werden sie von Betty Stöve als Ricarda Uch, die mit schwülstigen Rezitationen ihrer Gedichte immer wieder in den Mittelpunkt rückt und das Publikum zum Lachen bringt. Auch Stefan Schroeder, der als Schutzmann Räuber sein Licht in Columbo-Manier unter den Scheffel stellt, ist sehr präsent, schafft er es doch am Ende tatsächlich alle Fäden zu entwirren. Und dann ist da natürlich Dario Weberg als Professor Dr. Dr. Hagen von Hagen. Mit Einstein-Frisur kitzelt er bei seinen Vorträgen über die Geschichte Hagens mehr als einmal die Lachmuskeln. Und was er für Geschichten – aus seinen Gehirnwindungen – ausgegraben hat, Walter von der Vogelweide, der in Herdecke seinen Sherry trank, die Platonische Akademie und Cäsar war natürlich auch in Hagen. Eine verrückte Mischung aus Wahrheit und Fiktion, die amüsiert und neugierig macht auf die Wahrheit, wir erwarten das Geschichtsbuch zum Stück, Dario. Eine facettenreiche, gelungene Inszenierung.

Weitere Vorstellungen: 7. und 8. Juli 19.30 Uhr, Karten sind noch an der Abendkasse erhältlich.

Außerdem gibt es heute und morgen um 15.00 Uhr „Weberg’s Schlossperlen“, ein Potpourri aus den Programmen von Dario Weberg.

Schloss Werdringen als Kulturort

Schloss Werdringen zeigt bei diesem Theaterevent, dass es das Zeug zu einem Kulturort hat und viel mehr Beachtung finden sollte. Schön, dass die Stadt Hagen das nun auch erkannt hat, was Oberbürgermeister Erik O. Schulz damit bekräftigt hat, dass er die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen hat. Auch dass Kulturdezernentin Margarita Kaufmann zum Premierenpublikum gehörte, unterstreicht den Bewusstseinswandel. Es gab schon immer Kultur und Veranstaltungen im Schloss, besonders gerne erinnere ich mich an den Muschelsalat im August 2014, und das Museum ist unbedingt sehenswert, aber ich finde es wichtig, dieses kulturelle Kleinod stärker bekannt zu machen, deshalb hoffe ich, dass der „Werdringer Theatersommer“ keine Eintagsfliege bleibt. Aber da bin ich zuversichtlich, das Ambiente ist so inspirierend und keineswegs gediegen, da schlummern sicher noch einige Ideen. © Birgit Ebbert

Früherer Beitrag zum 1. Werdringer Theatersommer

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