(15.12.2013) Wer ist nicht schon einmal Mr. Murphy begegnet? Manchmal habe ich das Gefühl, er sitzt in meiner Handtasche oder auch gerne auf dem Beifahrersitz, wenn ich es eilig habe. Auch der moppelige Martin, eine der Hauptfiguren in dem Buch „Der Tag, an dem ich cool wurde“ von Juma Kliebenstein hat seine Last mit Mr. Murphy. Wann immer er sich etwas vornimmt und hundertprozentig sicher plant – geht es schief. Hat man da überhaupt noch Lust, etwas in Angriff zu nehmen? Diese Entscheidung wird Martin abgenommen. Doch das ist schon der zweite Teil der witzigen Story, an dessen Ende Martin Mr. Murphy endgültig aus seinen Gedanken verbannt hat. Vorher erwarten ihn noch so einige peinliche und unangenehme Situationen. Man denke nur, er plant einen so tollen Coup gegen die üble Gang „FabFive“ aus seiner Klasse und dann steckt er in einer Rutsche fest. Peinlich ist gar kein Ausdruck für sein Gefühl. Und dann wagt es Mr. Murphy auch noch, sich in das Wohnmobil zu quetschen, das über die Ferien sein Zuhause sein soll. Unglaublich, zusammen mit Vater, Großvater, bestem Freund in einem kleinen Wohnmobil – ohne Playstation und Smartphone, MP3-Player und all den anderen Dingen, die einem den Urlaub versüßen. Stattdessen erwarten sie morgendliche Brötchen-Hol-Märsche, Gartenarbeit und – ja, wirklich – Wanderlieder samt Gitarre. Dabei wollten Martin und sein Freund Karli mit den abstehenden Ohren die Ferien nutzen, um endlich cool zu werden. Mit Wanderliedern! Zeit, dass Mr. Murphy eine Abreibung bekommt, hat er doch zu allem Übel auch noch ihren Erzfeind Lucas auf den gleichen Campingplatz geschickt.

Ein großes Chaos bahnt sich an und tritt auch ein, doch anders als Martin und Karli es erwartet haben. Fast könnte man Martin den Tipp geben, von den Murphy-Gesetzen, die er zitiert, auf alte Sprichwörter umzusatteln: Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Es kommt wirklich anders. Ok, cool sind Martin und Karli am Ende der Ferien, aber anders cool als sie es vor den Ferien definiert haben.

Ein witziges Buch, das mir als Erwachsenem gelegentlich ein wenig langatmig vorkam, was meinem Lesespaß in der Summe aber keinen Abbruch tat. Herrlich, die Beschreibung der skurilen Personen in dem Buch und der unglaublichen Vorkommnisse, in die Martin und Karli hineinschlittern. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die gelungene Geschlechtermischung – durch die taffen Mädchen in dem Jungenbuch werden auch Mädchen ihre Freude an der Geschichte haben. Zumal die Story an sich völlig unabhängig davon ist, ob Jungen oder Mädchen im Mittelpunkt stehen. Dass man wegen seiner uncoolen Art von einer Klassenbande gemobbt wird, kann jedem passieren. Wichtig ist, dass man sich Verbündete sucht, sich nicht unterkriegen lässt und mit sich selbst im Reinen ist. Eine Botschaft mit Tiefgang in einer köstlichen Geschichte umgesetzt.

Juma Kliebenstein hat mir per E-Mail drei Fragen zum Buch beantwortet – ein Glück, ihre Lesung in Albstadt fiel nämlich wegen einer Erkrankung leider aus. Schade, ich hatte noch so viele Fragen unabhängig vom Buch.

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Sechstklässler und Herrn Murphy zusammenzubringen?
Hmmm … Genaugenommen war das nicht meine Idee, es war die meines Protagonisten Martin. Wenn ich eine neue Geschichte beginne, kalkuliere ich keine Themen oder Figurenkonstellationen, sondern plötzlich ist da eine Figur, die ihre eigene Geschichte schon mitbringt. Es ist so, als würde diese Figur mir ihre Geschichte erzählen und ich bräuchte sie nur noch aufzuschreiben. Und Martin hat mir erzählt, dass sein Leben sich auffällig oft mit Murphys Gesetzten deckt. Er hat erstmals im Physikunterricht von Murphy gehört und sofort festgestellt: Irgendwie besucht Murphy mich ziemlich häufig.

Warum müssen Ihre Protagonisten denn ausgerechnet optisch so anders sein?
Das ergibt sich aus der Antwort zur ersten Frage. Martin sieht einfach aus, wie er aussieht, und so verhält es sich auch mit Karli. Ich als Autorin entscheide nicht über das Aussehen meiner Figuren, ich beschreibe nur, was ich sehe

Haben Sie schon einen Urlaub auf dem Camping-Platz verbracht? Wenn ja, wie viel Ihrer Erfahrung steckt in „Der Tag, an dem ich cool wurde“. Wenn nein, wer hat sie dann beraten, was die Besonderheiten beim Campen angeht?
Ja, ich habe schon mal Urlaube auf dem Campingplatz verbracht: Mit einer Jugendgruppe als 16jährige, dann während der Studienzeit ein paar Campingwochenenden und einmal vor ein paar Jahren vier Wochen Italien auf drei verschiedenen Plätzen. Und was mir an technischer Erfahrung fehlt, hat mein Mann beigesteuert, der als Kind jedes Wochenende auf einem Campingplatz verbrachte. Seine Eltern hatten dort ein Grundstück.