„Wasser und Licht“ von Heinz Mack in Hagen

(07.05.2014) Würde ich mich weit aus dem Fenster vor meinem Schreibtisch lehnen, könnte ich am Mataré-Brunnen vorbei einen Blick auf die „Blaue Säule“ werfen, wie sie von Hagenern genannt wird. Direkt vor dem Sparkassen-Karee ragt die meterhohe Stele auf. Betrachtet man sie genauer, stellt man fest, dass es weder eine reine Stele noch Beleuchtung ist, sondern vielmehr eine Installation, durch die – manchmal – ruhig und kontinuierlich Wasser fließt. Seine ganze entspannende Wirkung entfaltet die Skulptur – für mich jedenfalls – in den frühen Abendstunden, wenn das Blau der LED-Leuchten im Inneren mir dem Blau des Abendhimmels harmoniert. Dann wünschte ich mir eine Bank in der Nähe, um das Kunstwerk in Ruhe zu betrachten.

Ja, das ist ein Kunstwerk, auch wenn mancher das nicht wahrhaben möchte. Es stammt von Heinz Mack, einem international bekannten Installationskünstler, der mit seinen Werken mehrmals auf der Documenta vertreten war und 1970 die Kunst Deutschlands auf der Biennale in Venedig repräsentierte.

Die Skultpur wurde 2006 in Hagen vor dem Sparkassenkarree installiert, sie besteht aus Acryl-Glas, das um Brunnen- und Beleuchtungstechnik erweitert wurde.

Ich gebe zu, dass ich Hans Mack und sein Werk erst durch die Installation in Hagen entdeckt habe. Dabei habe ich eine seiner Säulen schon viel früher gesehen. Zufällig stieß ich kürzlich in einem Kunstführer über das Münsterland darauf, dass auch in Bocholt, wo ich selbst von Stuttgart aus oft Einkaufen ging, ein Werk von Heinz Mack steht. Am Ende der Ravardistraße erwartet Fußgänger, Autofahrer und Radler eine 17 Meter hohe Lichtstele. Man kann nicht daran vorbei, ohne dass sie einem auffällt, weil der Beton der Säule mit Edelstrahlplatten und Aluminium verkleidet sind und man sich zwangsläufig selbst trifft. Völlig anders faszinierend als die Skulptur in Hagen, aber ebenso pfiffig, finde ich.

Lichtstele von Heinz Mack in Bocholt

Die Skulptur stammt aus dem Jahr 1984 und ich frage mich, wie ich sie bisher übersehen konnte. Vielleicht habe ich doch beim Shoppen nicht jede Ecke Bocholts abgegrast. Vermutlich wäre es günstiger gewesen, wenn ich von der Stele gewusst hätte, weil ich kaum noch zum Einkaufen gekommen wäre. Interessant ist nämlich, dass sie ihr Aussehen und ihre Wirkung je nach Lichteinfall und Bewegungen in ihrem Umfeld ständig ändert und man locker eine halbe Stunde zusehen kann, was sich tut.

Im Gegensatz zu Hagen gibt es direkt gegenüber der Stele eine Eisdiele und eine Imbissstube, in die ich mich gemütlich setzen könnte, wenn ich denn öfter in Bocholt wäre. So strecke ich meine Nase in Hagen aus dem Fenster oder springe kurz nach unten, wenn die Sonne untergeht, um eine Brise von der Hagener Skulptur zu nehmen und schreibe weiter. Auch nicht schlecht. Und wenn mir dazu die Zeit fehlt, habe ich ja immer noch die fünf Kunstwerke am Rathausturm, die mich inspirieren und motivieren. © Birgit Ebbert

Informationen zur Hagener Skulptur für Wasser und Licht  und zur Bocholter Lichtstele

Gerade frisch entdeckt, dass es in der Bundesbank an der Grabenstraße in Hagen auch noch drei Stelen von Heinz Mack gibt