(18.07.2019) Immer wenn ich die Eingangshalle vor meinem Teilzeitzuhause in Gotha betrete, bin ich vor den riesigen Wandbildern stehengeblieben und habe mich gefragt, was es damit auf sich hat. Ein Bilderbuch, das ich bei der Abschlusslesung meiner Vorgängerin von Oberbürgermeister Knut Kreuch bekommen habe, enthält die Antwort. Die Wandgemälde zeigen die „Grumbachschen Händel und jetzt verstehe ich auch das Plakat, das am Eingangstor hängt. Lesen hilft eben doch 🙂 Na gut, ich hätte auch fragen können, aber so bin ich bestens im Bilde und ihr gleich auch.

Herr Grumbach und andere Personen

Die Geschichte spielt im 16. Jahrhundert, 1567, um ganz genau zu sein. Da ich im Alltag nicht ständig mit Herzogen, Fürsten, Rittern & Co. umgehe, brauchte ich ein wenig, um zu verstehen, wer in dem Durcheinander wer ist und für wen kämpft. Deshalb hier ein Who ist who vorab J Zu der Zeit, in der sich der Gothaer Krieg vollzogen hat, herrschte Kaiser Maximilian II im Deutschen Reich. Gotha wiederum wird regiert von Herzog Johann Friedrich II der Mittlere von Sachsen, zwischen Kaiser und Herzog hat Kurfürst August von Sachsen das Sagen. Außer diesen Herren mischt noch der Bruder des Herzogs Herzog  Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar mit. Auslöser des Krieges ist Ritter Wilhelm von Grumbach. Und schließlich mischen noch die Gothaer Bürger mit.

Was vorher geschah

Bis Ende des 15. Jahrhunderts galt im Deutschen Reich, das korrekt „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ hieß, das Recht des Stärkeren. Wer gerade Lust hatte, sammelte Soldaten um sich und überfiel ein anderes Herzog- oder Fürstentum, gewann er, war er der neue Herrscher. Auf dem Reichstag in Worms wurde am 7. August 1495 von Kaiser Maximilian I der „Ewige Landfriede“ verkündet. Danach durfte nicht mehr jeder losziehen und Landbeute machen. Wer einen Anspruch erheben wollte, musste diesen vor einer staatlichen Gerichtsbarkeit, dem Reichskammergericht, anmelden und erstreiten. Wer gegen diesen Ewigen Landfrieden verstieß, auf den warteten die Todesstrafe und der Verlust seines Eigentums. Ritter Wilhelm von Grumbach hat diesen Landfrieden gebrochen, nicht in Gotha, sondern in Würzburg. Doch er hat Glück, statt der Todesstrafe wird gegen den Übeltäter nur die Reichsacht verhängt. Schnell macht sich der Ritter auf die Suche nach einem neuen Herren und findet diesen in Herzog Johann Friedrich II, der mit dem Würzburger Herrscher ohnehin noch eine Rechnung offen hat.

Der Grumbachsche Händel

So landet Wilhelm von Grumbach schließlich auf der Feste Grimmenstein in Gotha, wo er unter dem Schutz des Herzogs steht. Da der Ritter inzwischen auch noch einen Mord auf sich geladen hat, macht sich der Kurfürst auf Befehl des Kaisers daran, den Täter zu fassen. Zusammen mit dem Bruder des Grumbach-Freunds Herzog Johann Friedrich II belagert der Kurfürst die Stadt. Die Versorgung der Bürger bricht ab, die Menschen müssen hungern und schieben die Schuld natürlich dem Kurfürst zu. Mit Handzetteln informiert dieser darüber, dass der wahre Täter im Schloss sitzt. Schließlich wird es den Gothaer Bürgern zu viel, sie stürmen das Schloss und nehmen Wilhelm von Grumbach und seine Gehilfen gefangen. Die beiden Bürgermeister übergeben an den Kurfürsten und der Krieg ist beigelegt.

Das Bilderbuch zum „Händel in Gotha“

Was ich hier zusammengefasst habe, war natürlich sehr viel dramatischer und zeitintensiver. Die Grumbachschen Händel dauerten 45 Tage und hatten Folgen wie der Wechsel des Landesherrn und die Schleifung der Feste Grimmenstein. Knut Kreuch, Oberbürgermeister von Gotha, hat diese 45 Tage detailliert beschrieben und im Gegensatz zu mir nicht den Überblick verloren über die unzähligen Beteiligten. Die Geschichte wurde illustriert von der Gothaer Illustratorin Natali Schmidt, von der auch die riesigen Bilder in der Eingangshalle des Gebäudes mit meiner Stadtschreiberwohnung hängen. Mal sehen, vielleicht gelingt es mir, sie zu treffen und herauszufinden, ob sie denn bei all den Herren den Überblick behalten hat 🙂

Knut Kreuch/Natali Schmidt: Händel in Gotha. Krieg in Gothas Namen. Stadtverwaltung Gotha 2016