(17.07.2015) Seit heute wissen wir nun, wie die junge Frau, deren Schädel vor fast elf Jahren in der Hagener Blätterhöhle gefunden wurde, etwa ausgesehen hat. Rund 5.600 Jahre hat sie in der Höhle gelegen, ehe sie von Höhlenforschern entdeckt wurde. Dass es sich bei dem Fund um eine Seltenheit handeln würde, ahnten die Mitglieder des Arbeitskreises Kluterthöhle nicht, die 2004 unter anderem den Schädel im Felsmassiv des Weißensteins am Rand des Lennetals bei Hagen-Holthausen fanden.

Als sie auf Skelette stießen, informierten sie die Polizei, die schnell einen Rechtsmediziner hinzuzog, der feststellte, dass es sich nicht um sterbliche Überreste von kürzlich verstorbenen Menschen handelte. Also wurde der Stadthistoriker Dr. Ralf Blank hinzugezogen, der schon bald vermutete, dass die Knochen und der Schädel einige tausend Jahre als sein könnte. Aber auch der Verdacht, dass es sich um von den Nazis verscharrte NS-Opfer handelte, stand im Raum. Eine C14-Radiokarbon-Datierung bestätigte schließlich, dass Skelette und Schädel zwischen 5.000 und 11.300 Jahre alt sein mussten. Inzwischen ist ziemlich sicher, dass die junge Frau, deren Schädel gefunden wurde, bei ihrem Tod zwischen 17 und 22 Jahre alt war und dieser vor ca. 5.600 Jahren erfolgt sein muss.

Die Ausstellung „Revolution Jungsteinzeit“ im LVR-Museum Bonn war Anlass, unserer jungen Hagenerin ein Gesicht zu geben. Damit beauftragt wurde die Frankfurter Rechtsmedizinerin Dr. Constanze Niess, die heute das Gesicht im Foyer des Kunstquartiers präsentiert und aus ihrem Arbeitsnähkästchen geplaudert hat. Anhand der Kopfform und der Lage von Augenhöhlen, Tränenkanälen, Nasenknochen, Mundpartie hat sie in mühsamer Kleinarbeit den Kopf modelliert. Ja, die Rekonstruktion eines Gesichts anhand des Schädels ist auch noch viel Handarbeit. Grundlage ist ein Kunststoff-Duplikat des Schädelfundes, der bis zum Beginn der Arbeit an dem Projekt im Wasserschloss Werdringen zu sehen war.

Wenn ich Frau Niess richtig verstanden habe, beginnt sie ihre Modellage des Kopfes mit den Augen. Die Augenfarbe kann sie am Schädel natürlich nicht ablesen, sondern nur vermuten, ebensowenig die Haar- und Hautfarbe. Da muss sie sich auf das verlassen, was Wissenschaftler über Haut und Haar vor 5.600 Jahren ermittelt haben. Aber die Lage der Augen und die Form der Nase, die das Gesicht eines Menschen einzigartig machen, lassen sich sehr genau ausmessen und nachmodellieren.

Leider wurde mein Interview vom WDR-Reporter unterbrochen, deshalb weiß ich jetzt nicht, welches Material genau verwendet wurde. Aber so wichtig ist das nun auch nicht. Viel spannender finde ich ja, wem Fräulein Hagen ähnlich sieht. Schade, dass meine Vorfahren nicht aus Hagen kommen, sonst würde ich gleich mal Augen- und Nasenpartie vergleichen 🙂 Lasst euch nicht abhalten. Oberbürgermeister Erik O. Schulz ist, glaube ich, nicht verwandt, wenn ich ihn und Fräulein Hagen so im Profil betrachte 🙂 © Birgit Ebbert

Spuren der Menschheit in und vor der Blätterhöhle