(07.10.2019) Ob die Puppensammlung „Mon Plaisier“ im Arnstädter Schlossmuseum die einzige „Puppenstadt“ in Thüringen ist, weiß ich nicht hundertprozentig, aber ich vermute es und als Titel klingt „Die Puppenstadt in Thüringen“ allemal besser als „Die Puppenstadt in Arnstadt“ 🙂 Etwas Besonderes ist diese Dauerausstellung im Schlossmuseum auf jeden Fall.

Über die Puppenstadt „Mon Plaisier“

Würde man alle Szenen und Figuren in der Ausstellung nebeneinander stellen, so ergäbe sich leicht eine Miniaturstadt, auch wenn ein Großteil der Puppenhäuser Innenräume zeigt. Ein Markt mit Kerzenzieher und Scherenschleifer findet sich hier ebenso wie der Tanzbär und fahrende Händler mit seinem Bauchladen, ein Brunnen aus einer holländischen Vorstadt ist ebenso zu sehen wie der Albertinische Garten. Ok, teilweise würden die Fassaden fehlen, aber Fassaden kennt man ja. Spannend ist doch, was sich hinter den Fassaden ereignet hat. Da erlauben die teilweise Puppenhäuser aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen guten Einblick in das Leben in den Fürstengemächern, in den Arbeitsräumen, in Werkstätten, Kloster und Kirche. Ob Arbeit von Personal und Handwerk oder Freizeit der Damen und Herren der Gesellschaft, wer immer schon wissen wollte, wie das vor 250 bis300 Jahren so war, kann sich das hier anschauen. Denn: Die Puppenhäuser sind nicht heute gefertigt worden, sie stammen aus der Zeit ihrer Initiatorin, Fürstin Auguste Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt, die von 1666 bis 1751 lebte! In ihrer Zeit war es kein seltenes Hobby, Puppenhäuser zu gestalten oder gestalten zu lassen. So exzessiv wie die Fürstin waren nicht viele Herrscherinnen, vergleichbare Exponate gitbt es in Nürnberg, Frankfurt, Amsterdam, Utrecht und London. Ob die Sammlungen ebenso groß sind, weiß ich nicht, ich war von dieser Sammlung schon beeindruckt. Schon bei den 82 Szenen mit 400 Figuren und fast 2.700 Gegenständen könnte ich mich locker einen Tag aufhalten, bei manchen Bildern springen einen Geschichten geradezu an. Diese Ausstellung kommt für mich auf jeden Fall auf die Liste der Dinge, die man sich anschauen sollte.

Ein Bummel durch Arnstadt

Aber auch sonst bietet Arnstadt einiges. Johann Sebastian Bach hat als junger Organist hier ebenso seine Spuren hinterlassen wie Ludwig Bechstein, dessen Lehrapotheke direkt in der Nähe des Rathauses steht. In der gleichen Häuserzeile befindet sich auch das Café Marlitt, das an die Schriftstellerin Eugenie John-Marlitt erinnert, die in Arnstadt lebte und starb, 1825 bzw. 1887. Abgesehen davon, dass ich auf den gleichen Wegen wandelte wie solch historische Persönlichkeiten, haben mich die Häuser und Fassaden, Schilder und die Fenster der Liebfrauenkirche beeindruckt.

Am meisten beschäftigt war ich allerdings im Stadtmodell, da muss ich noch einmal hin, weil ich meine Begleitung, eine Kollegin aus dem Netzwerk Texttreff, nicht soooo lange warten lassen wollte. Die Modelle einiger bedeutsamer Gebäude aus Arnstadt befinden sich auf dem Gelände der Ruine Neideck – und die Modelle eignen sich hervorragend für ein Fotoshooting mit meinen Papierinis 🙂 Das werde ich nachholen und dann zumindest auch das Reklamemuseum besuchen, das wir zugunsten eines Cafébesuchs und Bummels durch die alten Straßen erst einmal zurückgestellt haben. Sicher habe ich noch einige andere Dinge übersehen, verpasst oder  hier nicht erwähnt, entdeckt die Stadt halt selbst, wenn ihr in der Nähe seid 🙂 © Birgit Ebbert