(04.02.2014) Da ist sie also, die „Schattenbande“ von Gina Mayer und Frank M. Reifenberg. Im Vorfeld habe ich gelegentlich von Gina gehört und bei Facebook gelesen, wie das Buchprojekt voranschreitet. Entsprechend neugierig war ich auf das Buch und natürlich habe ich alle anderen Bücher beiseite gelegt, als das Leseexemplar bei mir eintraf.

Schon beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses war ich entzückt. Ich liebe diese Kapitelüberschriften, die wie Teaser wirken, wie Erich Kästner sie in seinen Kinderbüchern verwendet. Ich habe mich auch deshalb so darüber gefreut, weil mir vor einigen Jahren ein Verlag verkündete, solche Kapitelüberschriften seien nicht mehr modern. Juhu! Der Bloomoon-Verlag und die Autoren der „Schattenbande“ finden sie noch modern. Na gut, man könnte jetzt auch sagen, sie möchten die Leser damit in die Zeit der Protagonisten entführen, die eben nicht heute ihre Probleme wälzen und lösen, sondern – ja, wann eigentlich? In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts? Das vermute ich und das ist meine erste Frage an Gina und Frank. Und mein einziger Kritikpunkt, den ich dann auch gleich anmerke: Ich als – zugeben erwachsene – Leserin hätte es gerne gehabt, wenn die Zeitungsartikel von Billy Barakuda mit einem Jahr versehen wären. Dann hätte ich mich sofort zurechtgefunden und vermutlich mehr Spaß an dem Buch gehabt. Aber das ist letztlich eine Kleinigkeit, über die Kinder, die ja die eigentliche Zielgruppe sind, vermutlich hinweglesen.

Aber Billy Barakuda, ein Journalist, spielt nur eine Nebenrolle in dem Buch wie auch Kommissar Trettoff und Witwe Botts, Madame Fatale und Yvette. Die Hauptfiguren sind

  • Klara Schlapp, die Anführerin und Queen der Taschendiebe, die sich am liebsten als Junge tarnt,
  • Otto Krawuttke, der weltbeste Pläneschmieder und Fassadenkletterer,
  • Erfinder und Panzerknacker Paule Kowalski und
  • seine Schwester Lina, die den Freunden mit ihrem sechsten Sinn oft aus der Patsche hilft.

In der ersten Geschichte gerät Otto Krawuttke auf merkwürdige Weise in einen Mordfall. Seine Fingerabdrücke sind auf der Tatwaffe, er wird neben der Leiche gefunden und auch sonst deuten so manche Indizien auf ihn als Täter. Zum Glück kann sich kein Mitglied der Schattenbande vorstellen, dass er die Tat wirklich begangen hat und so beginnt der Wettlauf mit dem Kommissar, der Otto für schuldig hält. Als wäre das nicht genug, mischen noch zwielichtige Russen mit, die glauben, dass Otto im Besitz der wertvollen „Tränen der Zarin“ ist. Da sind alle Kräfte der Schattenbande gefragt und die der geheimnisvollen Helfer, die wie aus dem Nichts immer im richtigen Moment auftauchen.

Kurzum: Eine spannende Geschichte aus dem Berlin der 20er Jahre, mit Pferdedroschken und Kohlenkisten, Trambahn und Sportpalast mit amüsanten Dialogen, skurilen Figuren und einer verrückten Story, die einem sowieso keiner glaubt. Für den, der es mag, eine Reise in die Vergangenheit. Fast wirkt das Buch wie eine Hommage an „Emil und die Detektive“ oder „Emil und die Zwillinge“ – aus heutiger Sicht, mit unserem heutigen Blick auf Kinder und die Welt damals. © Birgit Ebbert

Und das sind die drei Fragen, die ich Gina Mayer stellvertretend für die beiden Autoren gestellt habe, und ihre Antworten:

1. Wann spielt die Geschichte und wieso steht in den Artikeln von Billy Barakuda nicht die Jahreszahl, damit die Leser das gleich wissen?
Die Geschichte spielt Mitte der zwanziger Jahre. 1926, um genau zu sein. Wir haben die Jahreszahl weggelassen, weil wir in einem Kinderbuch nicht auf tagespolitische Entwicklungen eingehen können und wollen. Außerdem sind Jahreszahlen den meisten Kindern völlig schnuppe.

2. Wie habt ihr das Buch zusammengeschrieben? Jeder ein Wort? Jeder einen Satz? Jeder ein Kapitel?
Beim ersten Band haben wir abwechselnd geschrieben – jeder ein Kapitel. Ab Band zwei schreibt einer von uns und der andere überarbeitet hinterher.

3. Wo habt ihr das Buch geschrieben? An euren Schreibtischen zu Hause oder in Berlin?
Jeder bei sich zu Hause. Gut, dass wir beide ein Telefon haben …