CD der Toten Hosen "Entartete Musik"(17.11.2015) Als ich in einem Fernsehinterview mit Campino, den Sänger der Toten Hosen, von dem Projekt „Entartete Musik“ hörte, wusste ich gleich, das wird meine erste CD von den Toten Hosen. Ein Projekt, das sich dafür engagiert, dass Musik, die von den Nationalsozialisten geschmäht, verboten und verunglimpft wurde, wieder bekannt wird, muss man unterstützen, finde ich. Deshalb hat es mich auch sehr gefreut, dass ich die CD in den Fächern der Top 50 fand und das sogar ziemlich weit vorne. Die CD ist eine Aufnahme der Gedenkkonzerte der Toten Hosen mit dem Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule am 19., 20. und 21. Oktober 2013 in der Tonhalle in Düsseldorf. Die Entstehungsgeschichte und Eindrücke der Beteiligten finden sich auf der den beiden CDs beiliegenden DVD. Ich habe alles an einem Tag angehört und angesehen, weil mich die Darbietung so beeindruckt hat.

Auslöser für das Projekt war der 75. Jahrestag der Propagandaschau „Entartete Musik“, die von den Nationalsozialisten am 24. Mai 1938 im Ehrenhof eröffnet wurde. Viele Werke jüdischer Musiker, aber auch Jazz und Swing standen dort am Pranger, vor allem aber die avantgardistische Zwölftontechnik, die noch heute für jeden Musikkenner eng mit dem Namen Arnold Schönberg verbunden ist. Eines seiner Werke stand denn auch im Mittelpunkt des Konzerts: „A Survivor From Warsaw Op. 46“. Wenn die Töne und die Stimme aus den Lautsprechern hallen, fühlt man sich plötzlich in die Lager der Nazis versetzt, ich sah sie augenblicklich – weil ich zuletzt dort war – in Bergen-Belsen mit dem Überleben kämpfen.

Da habe ich nun das schwerste Stück herausgesucht, aber es hinterlässt die tiefsten Erinnerungsspuren. Daneben gibt es Songs aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht, in der Campino in einer Inszenierung von Klaus Maria Brandauer vor einigen Jahren mitgespielt hat, es finden sich Filmmusik wie „The Sea Hawk“ und Lieder mit Galgenhumor wie „Einen großen Nazi hat sie“, Erich Kästners „Stimme aus dem Massengrab“ kommt vor und einige Lieder der Toten Hosen, die zum Thema passen. Eine gelungene Zusammenstellung, die für jeden Musikgeschmack etwas bereithält.

Für mich besonders schön war, dass auch zwei Songs aus der Kinderoper Brundibár aufgenommen wurde, die Hans Krasa in Theresienstadt schrieb und mit Kindern aufführte und die ich vor zweieinhalb Jahren in Hagen von einer Kindertheatergruppe erlebt habe: „Ihr müsst auf Freundschaft bau’n“ und „Seht ihr den Flieger dort“. Aber auch „Die Moorsoldaten“ aus dem KZ Börgermoor, eines der ersten Lieder, das ich mit der Gitarre begleiten konnte, ist enthalten – am besten, ihr entdeckt die CDs selbst. Das Set enthält zwei CDs und die sehenswerte DVD, auf der die Beteiligten berichten, wie sie die Arbeit an dem Projekt empfunden haben und auf der Auszüge aus den Proben zu sehen sind. Wenn es nicht gerade in diesem Zusammenhang so unpassend wäre, würde ich sagen: Die muss man hören. So lege ich sie euch sehr ans Herz, ich habe bereits einige als Weihnachtsgeschenk gekauft, zumal der gesamte Gewinn aus dem Projekt Stipendiaten und Konzertprojekten der Robert Schumann Hochschule zugute kommen. Vielleicht entstehen weitere solch überzeugende Konzerte. © Birgit Ebbert

Das Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule & Die Toten Hosen spielen „Entartete Musik. Willkommen in Deutschland. Ein Gedenkkonzert.“ JKP 2015

Weitere Informationen auf www.dietotenhosen.de

Zum Beitrag über die Kinderoper Brundibár in Hagen