(27.01.2015) In ihrem Roman „Die Violine von Auschwitz“, der 1994 in Barcelona und 2009 im Deutschland erschienen ist, erzählt Maria Àngels Anglada davon, wie nah Freud und Leid, Unterhaltung und Qual in den Lagern der Nazis beieinander lagen.

Die Geschichte beginnt in Krakau, wo der Pariser Musiker Climent die Geigerin Regina und ihre außergewöhnliche Geige kennenlernt. Man ahnt, dass es mit der Geige eine besondere Bewandtnis hat und findet sich unversehens mitten im Konzentrationslager Auschwitz wieder, das im Roman stets das „Dreiflüsselager“ genannt wird.

In dem Lager treffen wir Daniel, der einer Eingebung zufolge bei seiner Ankunft als Beruf angegeben hat: „Tischler“, wo er doch in Wirklichkeit Geigenbauer aus einer Geigenbauerdynstatie ist. Das verschweigt er in der Hoffnung, dass ihn seine Tischlerfähigkeiten vor dem drohenden Tod retten. Er wird in der Tat zu Schreinertätigkeiten eingesetzt, ausgerechnet im Haus des „Schweins“, des Lagerkommandanten Sackel.

Obwohl ihm das manche Erleichterungen verschafft, fällt es seiner sensiblen Seele schwer, die Demütigungen und Unmenschlichkeiten, denen er und seine Kollegen Tag für Tag ausgesetzt sind, zu ertragen. Erst die Freundschaft zu dem Geiger Bronislaw macht den Alltag für ihn erträglich, ihm fühlt er sich seelenverwandt. So ist es kein Wunder, dass er sich unaufgefordert in eine Situation einmischt, als der Lagerkommandant Bronislaw vorwirft, falsch zu spielen. Daniel weist ihn darauf hin, dass die Geige einen Riss hat und outet sich als Geigenbauer.

Ein Geständnis, das ihn in eine gefährliche Lage bringt. Der Lagerkommandant Sackel wettet mit dem Lagerarzt Rascher darum, ob Daniel es schafft, in einem – ihm unbekannten – Zeitraum, eine Geige herzustellen. Von dem Tag an fürchtet Daniel zwar stets, dass er zu früh gerufen wird, um sein Werk zu zeigen, aber er erlebt auch Momente des Glücks, wenn er sich mit der Herstellung der Geige beschäftigen darf. Inmitten des Ungeistes gelingt es ihm, sich aus der Zeit zu tragen und nur auf das Instrument zu konzentrieren.

Eine mitreißende Geschichte, die das Leben in den Konzentrationslagern realitätsnah wiedergibt und zugleich aufgreift, was heute bekannt ist, dass es manche Menschen geschafft haben, sich mit Musik, Zeichnungen, Schreiben und anderen kreativen Tätigkeiten innerlich von der Unmenschlichkeit um sich herum zu distanzieren und Kraft zu schöpfen.

Natürlich hat der Roman ein Ende. Die Autorin löst alle Handlungsfäden auf, darauf hier einzugehen, würde die Spannung, die trotz der beklemmend wirkenden Beschreibungen aufkommt, nehmen. In jedem Fall ein Buch, das man lesen sollte. © Birgit Ebbert