Nicht von mir gestrickt …

(25.01.2014) Ich sag’s ja: Es ist mein Jahr der neuen Begriffe. Schon in den Postings zu meinem Artikel über „Upcycling“ tauchte die Abkürzung DIY auf. Ich habe sie unkommentiert stehen lassen, weil ich gerade keine Zeit hatte, die Bedeutung zu recherchieren. Inzwischen weiß ich, es ist die Abkürzung für „Do it yourself“ und es ist total angesagt. Im Bücherregal in meinem Elternhaus steht noch ein Buch mit dem Titel „Do it yourself“ – eine Buchclub-Ausgabe, schätzungsweise aus den 70er Jahren. Ich kann das gerade nicht überprüfen. Nach fast 40 Jahren nun, haben auch diejenigen, die hip sein wollen, entdeckt, was für mich als Kind und Jugendliche selbstverständlich war. Mein Vater war Handwerker und da wurde selbst gemacht, was selbst gemacht werden konnte. Nur hieß das damals nicht „DIY“!

… aber theoretisch könnte ich Socken stricken.

Heute nun entdeckte ich in einem Blogbeitrag den Begriff „Crafting“. Herauszufinden, was es damit auf sich hat, war deutlich aufwendiger als DIY, die Abkürzung „DIY“ tauch wenigstens in einem Wikipedia-Beitrag auf. Da sind die „Upcycler“ deutlich weiter. „Crafting“ kommt von „to craft“, der englischen Bezeichnung für fertigen. Dann heißt „Crafting“ vielleicht „Fertigung“. Vielleicht, gemeint ist damit das Selbermachen und zwar bezogen auf textile Materialien. Wenn ich die Artikel zu dem Thema richtig verstanden haben. Man könnte auch sagen: Stricken, Nähen, Häkeln, Weben – ob Makramee, Sticken, Batik, Zupfen und all die anderen Handarbeitstechniken, die mich vom achten bis ca. 30sten Lebensjahr begleitet haben, dazu gehören, konnte ich nicht ermitteln.

Meine Schwester ist da deutlich begabter:
Mondo (nach einem Geschichtenanfang von Sabine Jörg 1998), namenloser Bär und Corvo in zwei Größen (2013)

Dazu habe ich auch keine Zeit mehr, um diesen Zeitgeist nicht zu verpassen, muss ich meine Wohnung aufräumen, denn irgendwo müssen noch Strick- und Häkelnadel, Wolle und einige Handarbeitsbücher liegen. Schließlich gehöre ich zu der Generation, die in Schule und Bundestag strickte. Hätte ich nur die sehr anspruchsvollen Pullover aufbewahrt, die ich damals gestrickt habe.

Auch ein Geschenk meiner Schwester – ich habe meine Nähmaschine als Dauerleihgabe abgegeben

Sie waren so anspruchsvoll, dass ich mich nach Abschluss meines Studiums aus Sorge vor der Arbeitslosigkeit sogar bei Burda als „Teststrickerin“ beworben habe. Ja, lacht ihr nur! Ich war sogar zu einem Gespräch in Offenburg mit einer spendierten Zugfahrkarte und wenn ich nicht kurz darauf die Stelle bei der ajs in Stuttgart bekommen hätte, wäre ich heute vielleicht Profistrickerin und ihr würdet meine Vorlagen nachstricken! Aus heutiger Sicht finde ich Schreiben deutlich leichter und von meinen Büchern haben auch die Nicht-Stricker und Nicht-Strickerinnen etwas. Eines haben Stricken und Schreiben allerdings gemeinsam – man muss Pausen machen zu Vorbeugung von Sehnenscheidenentzündungen. Deshalb gehe ich jetzt erst einmal eine Runde Spazieren und Fotografieren, solange es noch Spazieren und Fotografieren heißt und nicht „Strolling“ und „PicShooting“!

Zwei der Beiträge, die mich zu dem Text inspiriert haben:
www.gemachtmitliebe.de  von Daniela Warndorf
Selbermachen. Beitrag von Tobias Kniebe im SZ-Magazin

Eine Kindheitserinnerung als Nachtrag: Im Urlaub 1973 waren wir viel mit dem Auto unterwegs. Es gab kein Kassettendeck, geschweige denn ein Gameboy oder ein Smartphone. Um uns im Auto zu beschäftigen, kauften meine Eltern uns je eine Häkelnadel und ein Knäuel Wolle. Unsere kleinen Plüschteddybären hatten wir ohnehin dabei und so häkelten wir munter Hosen, Jacken, Mützen und Schals für unsere kleinen Bären.