(05.04.2013) Es gibt Bücher und es gibt andere Bücher. Ein solches, anderes Buch ist der Roman „Drei unbeschwerte Tage“ von Max Kersting. Sicher hätte ich das Buch nie kennengelernt, wenn ich nicht in Leipzig auf meinen Zug gewartet und auf dem Bahnsteig Max Kersting getroffen hätte. Aufhänger für unser Gespräch war die ganz banale Frage: „Fährt der Intercity nach Köln hier ab?“ Dann haben wir uns langsam vorgetastet und schließlich habe ich von diesem Buch erfahren.

Noch im Zug habe ich es bestellt und jetzt auch ge – ja, was habe ich es eigentlich? Gelesen? Angesehen? Gelesehen würde es am ehesten treffen. Max Kersting erzählt nämlich keine Geschichte mit Worten und Sätzen, wie es der Hinweis „Roman“ auf dem Cover vermuten lässt. Er bringt Bilder zum Sprechen, mit wenigen Handstrichen und ein paar Worten setzt er die Fantasie des Betrachter, äh, Lesers, eigentlich Bildlesers, in Gang.
Schon in unserem Gespräch fand ich die Idee, Bilder mit Tippex und Edding zu bearbeiten, interessant. Die Ergebnisse haben mich begeistert und fasziniert. Am liebsten würde ich gleich alle alten Fotos meiner Eltern hervorholen und sie genauso bearbeiten. Doch zunächst lasse ich mich auf die Bildgeschichten ein, die durch die Auswahl der Bilder und die kleinen Hinzufügungen entstehen. Und da das Ganze ein „Roman“ sein soll, stelle ich mir vor, wie der Mann und die Frau, die auf den ersten beiden Seiten gezeigt werden, sich durch das Buch leben. Ob das so gedacht ist? Keine Ahnung, mir macht es Spaß und zwischendurch amüsiere ich mich darüber, dass manche Bilder genauso aussehen, als stammten sie aus dem Fotoalbum meiner Eltern. Einmal bilde ich mir sogar ein, jemanden zu erkennen.
Eine ganz neue Art, Geschichten zu erzählen. Ein anderes Buch eben, das sich zu lesehen lohnt. Aber Vorsicht, es besteht die Gefahr, dass man nachher im Schreibwarenladen nebenan Tippex und Edding kauft oder zumindest beim Betrachten alter Fotos denkt, da würde gut ein weißes Schiffchen passen oder eine Sprechblase oder … Schaut selbst.

Da ich noch auf dem Bahnsteig Max‘ E-Mail-Adresse erobert habe, konnte ich ihm drei Fragen stellen, die er auch beantwortet hat. Vielen Dank. 

1. Wie bist du auf die Idee für das Buch gekommen?

Die Idee entstand aus Zufall. Ich habe auf eine Freundin gewartet und stand vor einem Antiquariat in Berlin-Mitte mit Fotokisten. Also habe ich gewühlt und mir die Zeit vertrieben und Spaß gehabt. Als die Freundin kam, haben wir zusammen weitergewühlt und hatten noch mehr Spaß. Dann haben wir ein paar Bilder gekauft und am nächsten Tag habe ich einfach mal was drauf geschrieben und auf Facebook hochgeladen, in der Hoffnung, dass daraus ein neues Hobby werden könnte …  mit diesem Fotoalbum hat alles angefangen. 

2. Kennst du andere Künstler, die Bilder ähnlich bearbeitet haben? Wenn ja, welche?

Künstler, die etwas mit Bild und Text machen, kenne ich viele. Es gibt ja auch sehr viele berühmte und sehr gute Leute. Namen fallen mir da jetzt natürlich gerade nicht ein. 

3. Kannst du überhaupt noch Fotos ansehen, ohne dass du gleich eine Idee für die Bearbeitung hast?

Das mit dem Nachdenken über Ideen für Beschriftungen oder Übermalungen kann ich zum Glück abstellen. Sonst wäre es schon stressig. Ist ja alles immer voll mit Bildern überall. 

Internetseite und Facebook-Seite von Max Kersting