(24.06.2014) Selten hat mich eine Biografie so gefesselt wie die von Armin Mueller-Stahl, die ich über Pfingsten geradezu verschlungen habe. Allerdings mit dem Stift in der Hand, weil das Buch „Dreimal Deutschland und zurück“ (Hoffmann & Campe) eben nicht nur eine persönliche Lebensgeschichte ist, sondern eng mit der Geschichte Deutschlands verknüpft ist. Armin Mueller-Stahl reflektiert mithilfe von Andreas Hallaschka sehr genau seine Kindheit und Jugend in der NS-Zeit, seine Hoffnungen nach dem Krieg, seine Erlebnisse in der DDR, seinen Neuanfang in der BRD und die Wende. Man spürt, dass er sich immer viele Gedanken gemacht hat, dass er mehr wahrnimmt und wahrgenommen hat, als mancher andere und auch mehr in Erinnerung bewahrt hat. Besonders beeindruckt hat mich, dass das Leben und die Geschichte Armin Mueller-Stahls zeigen, dass es nicht Geld und Reichtum sind, die einem im Leben helfen, sondern Visionen, Persönlichkeit, Fähigkeiten, das, was man gelernt hat, Freundschaften, Menschen und Mut. Manchmal denke ist, es gibt heute zu wenig Menschen, die sich darüber im Klaren sind und es gibt zu viele Menschen, die neidvoll sind und nörgeln.

In seinen ersten Lebensjahren war keineswegs abzusehen, dass Armin Mueller-Stahl mit 83 Jahren auf ein so erfolgreiches Leben zurückblicken kann, das zeigt schon sein Geburtsort Tilsit in Ostpreußen, der heute Sowetsk heißt. Mir hat es gefallen, wie er beschreibt, dass er die Bedeutung des Krieges als Kind zunächst nicht verstanden hat. Ihn haben die Uniformen und die Struktur des Jungvolks beeindruckt, dass und welche Ideologie dahinter steckte, war ihm nicht klar. Selbst als in den letzten Tagen auf dem Bahnhof direkt neben ihm einem Gleichaltrigen der Arm von einer Panzerfaust abgerissen wurde, realisierte er nicht gleich, dass das Krieg war. Durch einen Zufall konnte er an dem Tag nicht mit seinen Klassenkameraden im Panzervernichtungstrupp nach Pasewalk reisen. Ein Zufall, der ihm das Leben gerettet hat, denn am nächsten Tag fuhr kein Zug mehr und von seinen Mitschülern kam kaum einer von diesem Einsatz zurück.

Solche Erlebnisse – aus persönlicher Sicht erzählt – sind es, die das Buch aus meiner Sicht besonders machen. Hier wird Geschichte lebendig und hier wird deutlich, wie Überzeugungen entstehen und sich ändern können. Armin Mueller-Stahl hat aus dem Erlebnis eine Lehre gezogen, die soweit ging, dass er zig Jahre später einen lukrativen Werbefilm-Auftrag zurückgab, als er mitbekam, dass das Unternehmen Panzer nach Nahost lieferte.

In meinem Exemplar des Buches finden sich viele Markierungen, erst duch das Buch habe ich zum Beispiel erfahren, dass manche Familien erst 30 Jahre nach dem Krieg Gewissheit bekamen, was aus ihren Vätern, die in den Krieg gezogen waren, wurde. Armin Mueller-Stahl erfuhr erst 1973, dass und wo sein Vater gestorben war.

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken, die 30er und 40er Jahre nehmen nur einen kleinen Raum in der Biografie ein. Ebensoviele Aha-Erlebnisse hatte ich bei den Einblicken in das Leben in der DDR und natürlich habe ich mich gefreut, Hintergründe zu dem einen oder anderen Film zu erfahren und ein wenig vom Leben in den USA mitzubekommen.

Kurzum: Es lohnt sich das Buch zu lesen, Andreas Hallaschka ordnet zwischendurch die historischen Fakten und Lebensereignisse zu, was dem Buch eine besondere Note verleiht. Einfach lesenswert! © Birgit Ebbert