Kurzfilmfestival(01.11.2016) Nun war ich doch wieder einmal beim Hagener Kurzfilmfestival „Eat my shorts“, nachdem ich zwei Jahre Pause gemacht habe. Ich gebe zu, ich mag Kurzfilme wie ich auch Kurzgeschichten und Kurztheater und Kurzmusik mag, weil sie meinem Denktempo entgegenkommen. Aber ich bin keine Freundin des Drumherums, das so ein Festival mit sich bringt. Daher bin ich kurz vor Beginn des offiziellen Teils schnell ins Cinestar geschlichen. Am liebsten hätte ich mich gleich in meinen kuscheligen Kinosessel verkrochen, aber ein bisschen Smalltalk gehört wohl zu einem solchen Festival. Aber die Aftershowparty habe ich mir geschenkt und stattdessen im Internet gestöbert, ob ich mehr über die sechs nominierten Kurzfilme finde.

Über die Nominierungsliste von Eatmyshorts

Für alle, die mit dem Procedere des Hagener Kurzfilmfestivals nicht vertraut sind, ein kleiner Crashkurs. Jeder kann seinen Kurzfilm einsenden, daraus werden – in diesem Jahr – sechs Filme ausgewählt, die beim Festival gezeigt werden. Die Auswahl übernimmt Dustin Steinkühler mit seinem Überrot-Team. Über die Preise für die nominierten Filme entscheidet eine Fachjury – in diesem Jahr besetzt mit Gedeon Burkhard, Uwe Fellensiek, Sunnyi Melles, Claude-Oliver Rudolph, Uwe Rohde, Hansjörg Thurn und unserem Oberbürgermeister Erik O. Schulz. Darüber hinaus können die Zuschauer ihren Favoriten ein Votum geben. Am Ende gibt es vier Preisträger, Platz 1 bis 3 der Jury und der Publikumspreis. Und das sind die Filme, die wir gesehen haben.

Das Drama „Samira“ von Charlotte Rolfes

Der Kurzfilm erzählt die Geschichte von der Begegnung eines Dolmetschers mit einer Flüchtlingsfrau, die sich auf einem Schiff im Maschinenraum eingeschlossen hat. Er überredet sie, die Tür zu öffnen und findet, nachdem sie von der Polizei abgeführt wurde, ihr Kleinkind. Etwas unwillig nimmt er es mit nach Hause, wo sein Lebensgefährte sich begeistert, um das Kind kümmert. Doch der Dolmetscher will es loswerden und fährt zum Flughafen, wo die Mutter abgeschoben werden soll. Ein anrührendes Drama zu einem aktuellen Thema mit überraschendem Ende.
(Link zum Trailer     Mehr über Charlotte Rolfes auf der Seite der HamburgMediaSchool)

Die Komödie „Badewanne“ von Tim Ellrich

Das Besondere an dieser Komödie ist einerseits die Geschichte, die man sich gut in der eigenen Familie vorstellen kann, und zum anderen die feste Einstellung der Kamera. Es gibt weder Schnitte noch Zooms oder Blenden, daher sehen wir mal die halben Hintern der Darsteller, die sich vorgenommen haben, ein Bild aus ihrer Kindheit nachzustellen. Ausgerechnet ein Bild, in dem die drei Brüder gemeinsam in der Badewanne posieren. Das kann heiter werden und das wird heiter. Ein witziger Film, der das wahre Geschwisterleben in wenige Minuten bringt.
(Link zum Film      Mehr über Tim Ellrich auf Filmportal.de)

Die Komödie „Butter Brioche“ von Christopher Kaufmann

In diesem Film wird kein Wort gesprochen, aber es wird unter anderem gefaltet, was mich natürlich schon für den Film eingenommen hat 🙂 Es wird eine Blume gefaltet, um genau zu sein, die auch eine Hauptrolle in dem Film einnimmt. Ein junger Verkäufer in einer Bäckerei packt seiner Angebeteten eben diese Blume zu dem Brioche, das sie wohl jeden Morgen kauft. Was er nicht weiß, das Brioche ist nicht für die junge Dame, sondern sie bringt es lediglich ihrem Kollegen mit, der entzückt ist von dem kleinen Geschenk der Kollegin. Ein rührender Film, den ich nicht als Komödie bezeichnet hätte, weil doch auch viel Sehnsucht darin ist.
(Mehr über den Film)

Die Dokumentation „Erfrisch einzigartig“ von Johannes Kleist & Florian Pawliczek

Beim Anschauen dieser Dokumentation habe selbst ich, als eingewanderte Hagenerin, so manches wiedererkannt. Na gut, Kaugummiautomaten kenne ich auch aus anderen Orten, aber dass es in Hagen noch so viele alte Automaten gibt – sogar einen von Wrigleys mit dem Slogan „Erfrischt einzigartig“ – hätte ich nicht gedacht. Ein interessanter Blick zurück mit Bildern und Statements von heute über eine längst vergangene Zeit, die bis heute nachwirkt.
(Mehr über den Film (PDF-Link)      Mehr über Florian Pawliczek)

Das Drama „Mikelis“ von Marc Bethke

In diesem Kurzfilm wird eine Fiktion erzählt, über die ich – in anderer Form – auch schon nachgedacht habe, vermutlich war ich deshalb so angetan von der Geschichte, der Idee und der Umsetzung. Mikelis ist ein alter Mann, der ins Hotel eincheckt. Bald erkennt man, dass er zum Sterben gekommen ist. Nein, er will sich nicht das Leben nehmen, er wird zum Teil des Projektes „Bevölkerungsgleichgewicht“, an dem er selbst die letzten Jahre seines Lebens mitgewirkt hat.
(Link zum Trailer     Mehr über Marc Bethke)

Das Drama „Berlin Metanoia“ von Erik Schmitt

In Berlin ist immer der Bär los, aber in diesem Film auch im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Braunbär ist aus dem Zoo ausgebrochen und spaziert nun durch die Hauptstadt. Scharfschützen werden in Stellung gebracht, und die Menschen geraten in Panik. Währenddessen kämpft eine junge Frau gegen ganz andere Ängste. Ein Film, der mir persönlich zu hektisch war, was vermutlich am Alter liegt :-), aber trotzdem waren Story und Film interessant.
(Link zum Film     Mehr über Erik Schmitt)

Die Preisträger

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, die Filme in den Mittelpunkt meines Beitrags zu stellen, weil sie für mein Dafürhalten an dem Abend zu wenig Raum hatten. Ich hätte gerne mehr über die Filmemacher und nicht über die Jury erfahren, ihre Motive, Film zu studieren bzw. Kurzfilme zu drehen und genau dieses oder jenes Thema aufzugreifen. Deshalb habe ich nachher noch ein wenig recherchiert. Aber natürlich verrate ich, wer die Preise bekommen hat.

  1. Platz der Jury: „Samira“
  2. Jury-Platz. „Erfrischt einzigartig“
  3. Jury-Platz „Butter Brioche“
  • Publikumspreis: „Samira“

Viel Spaß beim Nachstöbern im Internet, einige der Filme wurden übrigens auch bereits bei Arte ausgestrahlt, was uns ermuntern sollte, doch gelegentlich dort in die Kurzfilmecke zu schauen. © Birgit Ebbert

Sämtliche Informationen zum 4. Eat My Shorts Hagener Kurzfilmfestival

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