(21.11.2013) Eigentlich bin ich gestern nur ins Bergcafé gegangen, um dort zu lesen. Nachdem man mich etwas fassungslos fragte, ob ich wirklich noch nach Tailfingen fahren wolle, bei dem Wetter und vor allem wieder herauffahren wolle, bin ich spontan in Schneestreik getreten. Es war ohnehin der Abend, an dem ich mich zwischen Gunter Haug mit Graf Zeppelin und Marion Poschmann hätte entscheiden müssen. So hat der Schnee mir die Entscheidung abgenommen. Das tut mir einerseits leid weil ich beide Autoren gerne erlebt hätte, andererseits hätte ich sonst weder das Ehepaar Diebold kennen gelernt, das mir so viel über Albstadt erzählt hat, dass ich locker ein Buch schreiben könnte. Und die politische Prominenz hätte ich auch nicht getroffen, die kam nämlich nach der Ortschaftsratssitzung noch auf ein Bier vorbei.

Ja, was habe ich alles erfahren? Dass es hier in Burgfelden, wo gut 300 Menschen leben, einen eigenen Faschingsumzug gibt. Einen Rekord-Faschingsumzug, denn entweder ist es der kleinste oder der höchst gelegene, in jedem Fall, meinen Jutta und Heribert Diebold, der schönste Umzug.

Dabei kommen die beiden gar nicht aus Burgfelden, sie leben in Pfeffingen, wo Heribert Diebold auch geboren und aufgewachsen ist. Jutta Diebold stammt aus Truchtelfingen, aber sie lebt schon lange in Pfeffingen. Beide sind überzeugte Albstädter und ein wandelndes Lexikon. Ich weiß nun, dass es in der Region vor 35 Jahren ein Erdbeben gab, das viele Todesopfer gefordert hat und Ursache war, dass einige Häuser abgerissen werden mussten. Das ist natürlich sein Leib- und Magenthema, als selbstständiger Baustatiker. Ihr Schwerpunkt dagegen sind die Pflanzen, sie hat in Pfeffingen einen Blumenladen, die „Dorfblüte“, die ich mir heute noch anschauen werde. Von ihr habe ich mir gleich Tipps geben lassen, mit welchen Kräutern und Pflanzen man jemanden umbringen kann. Als Krimi-Autorin habe ich die Gelegenheit genutzt und auch gleich das „Meßstetter Süpple“ kennengelernt. Ein geflügeltes Wort, das aus der Sage entstand, dass eine Bäuerin in Meßstetten ihren Mann mit einer Suppe umgebracht hat.

Eine Location, um die Leiche verschwinden zu lassen, hat man mir auch gleich verraten. Die „Bleiweißmühle/Wattfabrik“. Ich weiß jetzt, was Bleiweiß ist, bis gestern hatte ich noch nie davon gehört. Eigentlich auch ein schöner Krimititel. Es handelt sich bei dem Gebäude um das erste Industriegebäude im Eyachtal. Mithilfe der Wasserkraft der Eyach und des Buchbachs wurde in der Bleiweißmühle Blei zu feinem Staub gemahlen, aus dem witterungsbeständige Farbe für Außenfassaden hergestellt wurde. Daraus lässt sich krimitechnisch doch etwas machen. Die „Wattfabrik“ hat übrigens nicht, wie ich dachte, Strom, also Watt, produziert, sondern Watte aus Baumwolle.

Oh, und ich weiß jetzt auch, was es mit dem Talgang auf sich hat. Es ist die Strecke von Onstmettingen über Tailfingen, Truchtelfingen nach Ebingen. Richtig? Meine Schrift wurde nach dem ersten Viertele etwas undeutlich. Dabei ging das den ganzen Abend so weiter. Eine spannende Information reihte sich an die andere, vom Pfarrwegle und vielem anderen erfuhr ich von den „Kearländern“ wie die Pfeffinger genannt werden, bis die „Stoilekratzer“ kamen, so werden die Einwohner von Burgfelden auch genannt. Die Herren, Damen gibt’s keine Ortschaftsrat, haben mir einiges über Burgfelden erzählt und mich in die wahren Inhalte der Albstädter Krimis eingeweiht. Ich grüble noch, ob die Bürgermeister in Hagen oder Borken auch so begeistert wären, wenn sie zu einer Figur im Ortskrimi würden. Sobald ich wieder in der Nähe einer Buchhandlung bin, werde ich mir „Die Leiche im Albtrauf“ von Peter Thaddäus Lang in jedem Fall kaufen. Lesen werde ich es eher in Hagen, wenn ich mir das Programm der nächsten Tage anschaue, aber da habe ich dann ja wieder Leuchtreklame, Internet und Telefon und brauch nicht „Ins Liacht ganga“, um mit der Welt zu kommunizieren.