(04.11.2019) Gestern Abend habe ich einen vergüglich-nachdenklichen Abend im Theater an der Volme verbracht. Leider kann ich nur einen Teil davon wiedergeben, weil sich sonst der eine oder die andere in der Geschichte wiederfinden würde 🙂

Auf der Bühne der Geheimrat

Für eineinhalb Stunden ist Dario Weberg in die Gestalt des berühmtesten deutschen Dichters geschlüpft. Er ließ das Publikum teilhaben an einigen Aufs und Abs im Leben von Johann Wolfgang von Gothe, seinen Schreibblockaden und seinen Lieben. Anhand von Auszügen aus Goethes Werken und Briefwechseln mit Charlotte von Stein und Christiane Vulpius zeichnete Dario Weberg das Bild eines Dichters, der jenseits der Werke, die wir heute kennen, eben auch Mensch war, mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt. Keine leichte Theaterkost, aber dafür mit Nachhall – vor einem fast ausverkauften Haus!

… und ich im Zuschauerraum 🙂

So ein Theaterabend ist immer mehr als das Stück auf der Bühne, auch wenn das natürlich im Mittelpunkt steht. Man trifft Freunde und knüpft neue Bekanntschaften, man amüsiert sich über kleine Pannen oder sucht seine Jacke vergebens. Der gestrige Abend war für mich besonders amüsant. Es fing damit an, dass eine Dame sich schon neben dem mir zugewiesenen Platz positioniert hatte, weil sie das Geühl hatte, an ihrem Platz hinter einem Riesen zu sitzen. Also haben wir die Plätze getauscht, da war zwar kein Riese vor mir, aber das ist ja subjektiv. Dafür saß neben mir ein am Theater interessierter Herr, der sich dafür interessierte, mit wem ich mich unterhielt und sich zwischendurch erkundigte, ob den eigentlich der Sohn von Herrn Weberg noch die Technik im Theater machen würde. Vor allem sorgte er sich , ob ich auch wirklich die richtigen Fotos machte. „Haben Sie schon geknipst?“, erkundigte er sich zwischendurch und kommentierte später die Voransicht auf dem Display mit Zustimmung.

Als er sich schließlich Herrn Goethe widmete, bimmelte hinter mir ein Handy und ich konnte fast hören, wie die Besitzerin rot anlief. Irgendwie schaffte sie es – während Herr Goethe geduldig wie eingefroren auf der Bühne abwartete – das Klingeln abzustellen. Der Geheimrat fuhr in seinen Betrachtungen fort, da klingelte es erneut, was ihn veranlasste zu erwähnen, dass es so etwas zu seiner Zeit ja nicht gegeben hätte. Damals wurde über Briefe kommuniziert, zu denen er allerdings später kommen würde. Als er sich wieder an seinen Tisch gesetzt hatte und aus den Briefen vortragen wollte, … – genau, das Telefon klingelte erneut, was Herr Goethe mit „Dann gehen Sie doch schon dran“ kommentierte. Inzwischen tat mir die Besitzerin des Handys leid und ich habe nur noch mitgefiebert, ob das Ding bis zur Pause ruhig bleiben würde. Blieb es und auch in der zweiten Hälfte, nachdem ich mich in der Pause über das Gerät hergemacht und es auf lautlos gestellt habe.

Das war nur ein kleiner Teil des wirklich abwechslungsreichen Gesamtabends und die Erklärung dafür, warum mein Bericht über den Bühnenteil so kurz ausgefallen ist 🙂 Am 1. Dezember wird sich dann Herr Schiller blicken lassen, ich bin gespannt, was mich da erwarten wird 🙂

In der „Klassik“-Reihe wird es noch eine vierte Veranstaltung geben. Am 29. Dezember wird Dario Weberg zu Kurt Tucholsky. Eine Preview konnte ich schon im Café Wohlbehagen im Rahmen des 30. Geburtstags des Freundeskreises Schloss Hohenlimburg e. V. erleben. Den Termin solltet ihr euch auf jeden Fall vormerken.