(10.08.2015) Nein, ich habe meinen Urlaub nicht in einem Kornfeld verbracht, obwohl ich es als Kind geliebt habe, im Kornfeld zu spielen. Ich hatte auch keine sonstigen Erlebnisse im Kornfeld :-), sondern habe mich von Dario Weberg und Indra Janorschke musikalisch in die 70er Jahre versetzen lassen. Wer zwischendurch eine kleine Entspannung braucht, dem kann ich auch dieses Stück empfehlen.

Im Dunkel des Zuschauerraums kann man sogar heimlich Lieder mitsummen, von denen manche niemals öffentlich zugeben würden, dass sie sie kennen oder gar mitsingen können. Im Theater an der Volme darf man wieder Kind sein und sich gedanklich ins heimische Wohnzimmer vor „Musik ist Trumpf“ oder „Dalli Dalli“ zurückversetzen. Und man wird wieder Teenager und erinnert sich daran, wie man mit dem ersten Kassettenrecorder Lieblingssongs aus „Hitparade“ oder „Disco“ aufgenommen hat. Mit kleinen Einlagen von Vater oder Mutter, die natürlich ausgerechnet in dem Augenblick wissen wollten, ob der Rasen schon gemäht oder das Auto schon gewaschen war.

Während in Flowerpower Popopcola eher die importierten Hits im Mittelpunkt standen, sind es in diesem Programm vor allem die deutschsprachigen Hits der 70er Jahre, die Dario Weberg und Indra Janorschke darbieten. „Josie“ ist ebenso dabei wie ein „Ehrenwertes Haus“, „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ genauso wie na eben „Ein Bett im Kornfeld“.

Aber keine Angst, die beiden sorgen schon dafür, dass es nicht zu schnulzig wird, in dem sie die Songs mit großem Augenzwinkern singen und viele kleine Informationen aus den 70ern einstreuen, die zum Weiterspinnen ermuntern. Echt, ich hatte völlig vergessen, dass wir aus den alten dreiteiligen Matratzen Sitze gebaut hatten und ein Klappfahrrad habe ich nie besessen, aber an „Platon ist tot, Schiller ist tot und mir ist auch schon ganz schlecht“ kann ich mich gut erinnern, und die autofreien Sonntage fand ich als Kind klasse, das wäre direkt eine Idee für eine Kurzgeschichte, wie so ein autofreier Tag heute aussähe.

Ihr merkt schon, der Abend hat bei mir nachhaltig gewirkt, vor allem grüble ich noch immer, mit welchem Spruch ein Schüler mit zurück in die 70er katapultiert hatte. Manche Dinge kommen nämlich wieder, daher ist „Ein Bett im Kornfeld“ auch so etwas wie Bildungsprogramm, die jungen Leute neben mir haben sich zumindest ebenso amüsiert wie die älteren Herrschaften hinter mir. Und jetzt arbeite ich  mich durch das Buch „Szene ’77“, das ich passend zum Stück im Keller meines Elternhauses wiedergefunden habe. © Birgit Ebbert

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