(11.02.2014) Wenn ich mit meiner Mutter telefoniere oder einer Freundin, die nicht Autorin oder selbstständig ist, weiß ich oft nicht, wie ich ihnen erklären soll, was ich den ganzen Tag mache. Und manchmal frage ich mich das selbst. Heute zum Beispiel. Deshalb ist hier für meine Mutter und alle, die glauben, eine Autorin hätte doch immer Urlaub, ein kleiner Streifzug durch den Tag.

Beim ersten Kaffee habe ich darüber nachgedacht, welchen Blogbeitrag ich heute einstelle. Nicht schon wieder ein Buch, nichts über die NS-Zeit und Nachdenkereien gab es in den letzten Tagen auch genug. Also ein Artikel über einen Rechercheausflug nach Waldenbuch. (Schokoladen-Experten wissen jetzt, wo ich war.) Aber in dem Beitrag fehlte mir das Info-Tüpfelchen, also doch kein neuer Beitrag und die ersten 15 Minuten des Tages waren schon um.

Als ich endlich am Schreibtisch saß, waren die ersten E-Mails eingetrudelt, eine Terminanfrage für die Didacta, eine Rückmeldung zu einem Projekt, zu dem ich mich gestern Abend geäußert hatte und eine E-Mail vom Verlag wegen des neuen Romans. Fix beantwortet und los ging es mit der Romanarbeit. Die Rohfassung soll Karneval fertig sein, das bedeutet, dass ich jeden Vormittag schreiben muss.

Drei Stunden am Stück Schreiben kann ich nicht. Also ging ich ins Lerncenter, um dort nach dem Rechten zu sehen, klärte einen Termin für ein Projekt ab – und schrieb weiter.

An den anderen Tagen wartet um 14.00 Uhr schon der erste Schüler oder die erste Schülerin im Lerncenter. Heute gab es eine Ausnahme. Pressegespräch im LUTZ Hagen zur Premiere von „Lucy und der Wasserschaden“ am Sonntag. Das dauerte länger, als ich dachte, sodass ich mit großen Schritten ins Lerncenter eilte, wo mich meine erste Schülerin mit ihrem Zeugnis erwartete.

Die 15 Minuten bis zum nächsten Schüler nutzte ich, um die Mails zu checken. Als hätten sich alle Auftraggeber abgesprochen, wollte der eine Themen für Lernhilfen, der andere eine Spielalternative, der dritte wissen, ob ich einen Text schon endgültig freigegeben hätte, der vierte hatte Fragen zur PR-Arbeit für ein Buch und der fünfte – das habe ich vergessen. Während der Schüler, der zu früh erschienen war, seine Unterlagen auspackte, druckte ich fix die E-Mails aus, um nichts zu vergessen.

Der zweite Schüler war weg, heute war für mich ein kurzer Schülertag. Zeit, einige Telefonate zu führen und einen Termin in Stuttgart zu vereinbaren. Damit war eine der Mails schon halb beantwortet. Zwischendurch eine Anfrage, ob ich einen Prüftermin übernehmen kann, beantworten, Unterrichtstermine für eine lange verschollene Schülerin planen, auf Band sprechen, eine SMS schreiben. Upps. Der Lerncentertag war um und der Schreibabend wartete.

Doch vorher: eine halbe Stunde gemütlich durch den Texttreff, die Schreibwelt und Facebook streifen. Mich ein bisschen wundern, wofür andere tagsüber Zeit haben und schauen, was in der Welt passiert ist.

Gegen 20.00 Uhr fragte mein Schreibtisch laut: „Wo bleibst du?“ Schon war ich zur Stelle, fand eine Mail von einem Stamm-Schüler, der kurzfristig Rat brauchte, dachte mir Titel für Lernhilfen aus, lektorierte ein Buch für Leseanfänger zu Ende, prüfte die Angst-Geschichte – die Spielalternative für die Picknick-Geschichte hatte sich inzwischen erledigt. Uff. Dafür wollte die morgige Recherchetour vorbereitet werden, das nächste Buchprojekt winkt schon und ich kann nur mittwochs umherfahren und prüfen, ob Häuser, in denen meine Protagonisten agieren, noch stehen und Straßen sich nicht verändert haben.

Da warteten die Notizen vom Pressegespräch, die für einen Blogbeitrag verschrieben werden wollten, und das neue Buch zu meinem Krimi-Thema möchte auch gelesen werden. Einen Blick riskierte ich, um wenig später festzustellen, dass die Zeiger der Uhr am Rathausturm auf Mitternacht zugingen. Habe ich nicht irgendwo noch eine Karte mit dem Gedicht Mitternachtsmaus abgespeichert? Das könnte ich jetzt gut posten und einmal aufschreiben, wie ein Tag im Leben einer Autorin und Lernbegleiterin aussieht, denn wenn ich mit meiner Mutter telefoniere oder einer Freundin … © Birgit Ebbert