(21.03.2019) Ab dem 24. März halten Spuren vom Bauhaus auch Einzug im Emil Schumacher-Museum. Bis zum 23. Juni werden dort Werke des Hagener Künstlers Heinrich Brocksieper zu sehen sein, der von 1919 bis 1922 am Bauhaus studierte, eher er seinen eigenen künstlerischen Weg fand

Wie Heinrich Brocksieper ans Bauhaus kam

Für Kunst hat Heinrich Brocksieper, der 1898 in Hagen geboren wurde, schon immer interessiert. Bereits ehe er ans Bauhaus ging, hat er in Hagen die Malerschule besucht, in der Hoffnung, sich dort zum Maler ausbilden zu können. Schnell merkte er, dass die dortige Ausbildung anders ausgerichtet war. Die Malerschule wollte Anstreichern die Grundlagen des Malens und Gestaltens vermitteln und war folglich eher auf dekoratische Malerei ausgerichtet. Als Heinrich Brocksieper die Bilder von Lyonel Feininger im Folkwang-Museum sah, war klar, dass er sich in Hagen nicht weiterentwickeln konnte. Kurz darauf wurde Feininger als Formmeister ans Bauhaus berufen und Heinrich Brocksieper folgte ihm als einer der ersten Studierenden. Diesen Kontakt zum Bauhaus pflegte Heinrich Brocksieper sein Leben lang, auch nachdem er 1922 das Bauhaus verließ, um seinen eigenen Weg in der Malerei zu finden.

Brocksiepers künstlerische Entwicklung nach dem Bauhaus

Zurück in Hagen suchte Brocksieper weiter seinen Weg in der Malerei und gründete 1924 mit anderen Künstlern den Hagenring. 1927 jedoch löste er sich von der Malerei und widmete sich ausschließlich der Fotografie und dem Film. Mit seinen neuen künstlerischen Gestaltungsmitteln war er Vorreiter, in Hagen vermutlich ohnehin, aber auch in der Kunstwelt insgesamt. Zwar hatte sich Lázló Moholy-Nagy auch am Bauhaus schon mit Fotografie beschäftigt, sie galt dennoch nicht als Kunst. Das hatte Brocksieper so verinnerlicht, dass er aus dem von ihm gegründeten Hagenring austrat, weil er sich nicht als Künstler sah. Von seinen Werken in jener Zeit sind nicht mehr viele überliefert, weil das meiste bei einem Bombenangriff 1944 vernichtet wurde. Einige der Arbeiten sind jedoch in der Ausstellung zu sehen und die wenigen Filme, die unzerstört blieben, sind sogar im Internet zu sehen. Da wird schnell deutlich, dass Brocksiepers Werke keine übliche Alltagsfotografie und kleine Filmchen waren, sondern künstlerische Arbeiten, die den Vergleich mit heutigen Kurz- und Experimentalfilmen nicht scheuen müssen. Nach dem Krieg und der Zerstörung seines Hauses samt Atelier hat Brocksieper sich – vielleicht mangels Filmmaterial, denn die Kamera konnte aus dem Bombenschutt gerettet werden – wieder der Malerei gewidmet. Allerdings hat er hier seinen eigenen Stil gefunden, indem er eine Art „Detailaufnahmen“ malte.

Die Ausstellung über Heinrich Brocksieper

Die Ausstellung im Emil Schumacher Museum bildet all diese Stationen Brocksiepers ab. Es finden sich zwei erste Werke aus der Zeit vor seinem Studium am Bauhaus, Zeichnungen, die er während seiner Zeit in Weimar erstellt hat und von denen zumindest eine den Einfluss Feiningers erkennen lässt. Dazu sind Fotografien aus den 30er Jahren zu sehen, die – wie wir beim Pressetermin feststellten – selbst Hagener Geschichtsexperten noch zum Staunen und Rätseln bringen. Ich war ja beruhigt, dass auch Utz Brocksieper, der Sohn von Heinrich Brocksieper und Ur-Hagener, noch nichts von den „10 Geboten“ in Hagen gehört hatte, einer Arbeitersiedlung der Firma Funcke & Hueck, die auf dem Foto vom Ischeland im Hintergrund zu sehen sein könnte. Besonders spannend finde ich, da kommt mein Herz für alles Filmische wieder durch :-), die Kurzfilme, die gezeigt werden, inkl. der privaten Aufnahmen, die Utz Brocksieper 1966 im Atelier von seinem Vater gemacht hat. Interessant sind auch die Gemälde aus der letzten Schaffensperiode, ob Brotscheibe oder Schraube, Streichholzschachtel oder Glühbirne, Alltagsgegenstände werden hier besonders in den Vordergrund gerückt. Kurzum: Es gibt wirklich für jeden etwas, Malerei und Fotografie, Bauhaus und Hagen 🙂 – selbst Filminteressierte kommen auf ihre Kosten.

Die Ausstellung wird am Sonntag, den 24. März um 11.30 Uhr eröffnet, dann wird auch der Katalog erhältlich sein, in dem 80 Werke Brocksiepers abgebildet sind und der weitere Informationen über Künstler und Kunst enthält.

Zu der Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm:

28.03.2019, 18 Uhr, Vortrag „Das Bauhaus in Weimar – die erste Hochschule des Erfindens“ von Dr. Michael Siebenbrodt

16.05.20019, 19 UHR, Kino „Film am Bauhaus – von Abstraktion, Reformarchitektur“

17.06.19, 19 UHR, Kino „Leben in der Stadt von Morgen“

Weitere Informationen: www.esmh.de & www.brocksieper-art.de