Ein Helm - der Start(15.09.2016) Am letzten Samstag habe ich ziemlich spontan an einer besonderen Bufahrt durch Hagen teilgenommen. Das Stück Ein Helm von Finn-Ole Heinrich wird nämlich nicht auf der Bühne des LUTZ-Theaters aufgeführt, sondern im Bus. Eine tolle Idee, Theater einmal anders zu erleben, das habe ich ja schon im letzten Jahr erfahren, als ich beim Open Space im Bus lesen durfte. Da nur wenige Leute Platz im Bus finden, wird der Theaterbesuch zu etwas Intimem und Exklusivem. Die Besucher werden zu Beteiligten an dem Stück, schließlich sind sie ja die Gruppe, die von Marc Baron alias Thilo Stolze-Stadermann, Mitglied de Gullylogie e. v., während der Stadtrundfahrt in die Geheimnise der Gullydeckel eingeführt werden. Oh, sorry, das heißt natürlich nicht Gullydeckel, sondern entweder Schachtabdeckung oder Ablaufgitter, da wollen wir doch genau sein, um zu zeigen, dass die „Bildungsfahrt“, wie das Programmheft sagt, Früchte getragen hat.

Was ein Helm im Bus-Theater zu suchen hat

Foto: Theater Hagen/Klaus Lefevre
Foto: Theater Hagen/Klaus Lefevre

Die Geschichte der Schachtabdeckungen und Einlaufgitter ist aber nur die eine Seite des Stückes, die andere Seite bildet die Geschichte von Thilo Stolze-Stadermann. Er ist anders als andere, denn er trägt einen Helm. Nicht nur das, diesen Helm hat er auch noch angekettet und den Schlüssel weggeworfen. Und das nicht erst als junger Mann, sondern schon als Kind aus einer momentanen Laune heraus, wie wir sie an uns selbst oder an Kindern schon erlebt haben. Während alle anderen Kinder sich irgendwann der Forderung der Erwachsenen, den Helm abzunehmen, beugen, hat der kleine Thilo ihn aufbehalten. Ganz gleich, ob ihm dadurch Freundschaften, gute Noten, die Konfirmation oder der Traumjob verwehrt blieben. Thilo hat den Helm auf und versteht nicht, warum das ein Problem sein soll. Schließlich lassen sich andere eine Glatze schneiden oder tätowieren, sie legen sich eine verrückte Brille zu oder tragen auffällige Kleidung. Da sagt keiner etwas, nur seinen Helm halten sie für bedrohlich. Warum eigentlich? Was kann er damit schon anrichten, außer vielleicht eine Walnuss knacken ohne Nussknacker 🙂

Die Fahrt im Theaterbus

Schon vom ersten Moment, als ich Thilo Stolze-Stadermann sah und die Andeutungen über seine Geschichte hörte, habe ich mich gefragt: Was mag dahinter stecken. Ich hätte es im Programmheft nachlesen können, aber dadurch, dass ich das nicht getan habe, war meine Spannungskurve viel ausgeprägter. Ich habe mir ständig überlegt, was der Grund für den Helm sein könnte – ein Unfall, ein Defekt in der Schädeldecke … mit jedem Teil des Monologs konnte ich eine Hypothese ausschließen. Trüge er den Helm krankheitsbedingt, hätte seine Mutter wohl nicht versucht, ihm den Helm vom Kopf zu nehmen. Aber ich euch den Spaß an dem Erlebnis nicht nehmen. Mehr verrate ich nicht. Nur so viel: Die Geschichte um Thilo und den Helm kreuzt sich mit der Geschichte der Schachtabdeckungen, das geht mir schon flüssig aus der Tastatur, was? 🙂

Kleine Gullylogie für Hagen

Ein Helm - Gullydeckel
Die Schachtabdeckung habe ich schon vor drei Jahren fotografiert, ich wäre also ein potenzielles Mitglied des Gullylogie e. V.

Der als Monolog konzipierte Text Ein Helm wird verknüpft mit Daten und Fakten über das Kanalsystem in Hagen. Ganz ehrlich: Hättet ihr mal eben so gewusst, das Hagen ein 680 km langes Kanalnetz hat mit 15 Stauraumkanälen, allerlei Regenüberlauf, -rückhalte- und klärbecken und vor allem 19.000 Schächten, zu denen – genau! – 19.000 Schachtabdeckungen gehören. Jene unterscheiden sich übrigens je nach Baujahr, seit ich da weiß, gehe ich noch aufmerksamer durch die Stadt J Und seit ich an der Busfahrt teilgenommen habe, schaue ich mir eine Litfassäule in Hagen besonders genau an. In die bin ich nämlich – wie auch alle anderen Besucher – hineingeklettert. Sehr interessant, fand ich zumindest, aber wie ich den Bemerkungen der anderen Besucher entnommen habe, war ich nicht allein mit meiner Meinung. Hier zwei O-Töne – ihr könnt ja raten, welcher von einem Erwachsenen und welcher von einem Jugendlichen stammt: „Das war wirklich interessant und hätte ich nicht erwartet.“ und „War schon cool!“:-)

„Ein Helm“ im Bus – ein besonderes Erlebnis

Das ist auch mein Fazit: Cool, außergewöhnlich, pfiffig, amüsant und nachdenklich stimmend. Die Idee, das Stück mit einer Hagenrundfahrt zu kombinieren, finde ich genial. Der Leiter des LUTZ, Werner Hahn, der Regie geführt hat, hat mir verraten, dass durchaus einige Alternativen im Gespräch waren. Von allen fand ich diese am pfiffigsten, weil sie Theater in ein anderes Umfeld, aus dem – ohne Zweifel auch gemütlichen – Plüschsessel in den Alltag bringt. Für begeisterte Theaterbesucher ist die Inszenierung allemal ein Erlebnis. Aber sicher vermittelt das Bus-Theater auch Menschen, die nicht so theateraffin sind, das Theaterkunst lebendig ist und weit mehr als das Ohnsorg-Theater aus dem Fernsehen, mit dem ich neben dem Verkehrskasper meine ersten Theatererfahrungen verbinde, oder dem schulischen Pflichtbesuch bei Schiller, Goethe oder Lessing, bei dem sich die meisten meiner Mitschüler gelangweilt haben. Wenn ich es recht überlege, ist der Besuch des Stückes ein MUSS, nicht nur, aber besonders für Hagener. Die Fahrt ist übrigens auch eine tolle Idee für ein Unternehmen oder einen Verein, man kann das Stück nämlich „chartern“ für Gruppen bis 27 Personen und das Ziel sogar noch frei wählen. © Birgit Ebbert

Die nächsten Termine: 23.09., 24.09., 28.10. jeweils 18.00 Uhr

Weitere Informationen auf der Seite vom Theater Hagen