(30.12.2019) Seit ich am 5. Dezember mein Stipendiatszuhause in Gotha zurückgegeben habe und wieder in Hagen eingetrudelt bin, versuche ich einen Rückblick zu schreiben. Aber das Jahr war einfach zu voll. Ich habe das Gefühl, zwei Jahre gelebt zu haben, 2019 G und H sozusagen.

2019 G wie Gotha

Natürlich hat Gotha meine Gedanken vor allem dominiert, weil es anders und woanders war. Jeden Tag erwartete mich eine neue Entdeckung, eine Begegnung oder ein Aha-Erlebnis, sodass ich sie kaum sortieren konnte. Einige Ereignisse und Besonderheiten finden sich in meinen Blogs und in den Kolumnen wieder, der Schlosspark natürlich und Schloss Friedenstein, da habe ich noch einen Ordner voller Fotos für eine Geschichte, die mir im Kopf herumspukt 🙂 Ich hatte wunderbare Begegnungen in der Heinrich-Heine-Bibliothek, bei meinen Lesungen, Workshops und Recherchebesuchen. Ein Hightlight war das Brief-Projekt von dritten Klassen in Gotha und Hagen, von dem ich hoffe, das es weitergehen wird, und der Testlauf meines Wunschbuch-Projekts, das für 2020 ganz oben auf meiner Fortsetzungsliste steht. Mit einem Grinsen erinnere ich mich an die Weinprobe mit Peter Kaul in der Bücherei, bei der ich zum Glück gleich zu Beginn des Abends lesen durfte 🙂

Der Besuch im Ekhof-Theater war besonders und das Gotha glüht-Wochenende hat mich so begeistert, dass ich auch dazu unbedingt wiederkommen will. Fast hätte ich Oskar Schlemmer vergessen, mein Top-Event im Bauhaus-Jahr 2019. Schön waren die Faltvormittage und -abende in der Bücherei, zu Ostern, Weihnachten und Bauhaus. Spannend und inspirierend auch der Rundgang durch den Schlosspark mit Matthias Hey, der – wie ich hörte – nicht mit Wilhelm Hey verwandt ist, dem Dichter von „Weißt du wie viel Sternlein stehen“, in dessen Geburtshaus ich zum Kaffee eingeladen war. Aber nicht nur in Gotha auch außerhalb hatte ich Erlebnisse und Begegnungen, endlich war ich auf der Wartburg, in Weimar und in der Gedenkstätte Buchenwald. In Plauen durfte ich im Archiv von Erich Ohser nach Spuren von Herti Kirchner suchen und entdeckte – ihren kleinen Hund Tami! Während ich das schreibe, frage ich mich, wie ich es geschafft habe, ein Kinderbuch, 15 Kolumnen, über 30 Blogbeiträge rund um Gotha und etwa 250 Seiten am Roman über Herti Kirchner zu schreiben! Sprich: Das halbe Jahr in Gotha war zwar nicht wie ein halbes Leben, aber wie ein ganzes Jahr.

2019 H wie Hagen

Im ersten Halbjahr war ich wie immer viel in Hagen und Umgebung unterwegs, um Familienzentren zu besuchen. Anders als in den Jahren zuvor habe ich diese Fahrten oft genutzt, um einen Spaziergang um den Seilersee zu machen oder das Gradierwerk im Kurpark von Bad Hamm zu genießen, denn das ist etwas, das ich in Gotha wieder entdeckt habe: Die Lust auf Natur. Seit ich nicht mehr in unmittelbarer Wald- und Feldnähe wohne, ist sie in Vergessenheit geraten. Da habe ich 2020 eine Aufgabe vor mir 🙂 Im ersten Halbjahr fand aber auch wieder „mein“ Schreibtreff mit Kindern und Jugendlichen in der Stadtbücherei statt, in den Sommerferien der tolle Bauhaus-Workshop und ein paar Bücher habe ich auch noch geschrieben 🙂 „Basteln für Weihnachten für Kinder“ (Lingen Verlag) zum Beispiel und „Reißen und Schneiden in der Kita“ (Don Bosco), „Lachgeschichten“ und ein „Deutschland-Quiz für Senioren“ (beides Verlag an der Ruhr). Sehr spannend war ein Auftrag von Flexomed, für die ich ein Manuskript für ein Minibüchlein über Genuss und Alter schreiben durfte. Zum einen war es reizvoll, Gedanken auf so wenige Worte herunterzubrechen, zum anderen hat mich der Auftrag daran erinnert, was ich immer besonders gerne gemacht habe: PR-Broschüren schreiben. Das nehme ich als Auftrag an mich selbst für 2020 mit, in diesem Bereich würde ich gerne wieder mehr arbeiten. Doch da bin ich schon beim Ausblick auf 2020, der ist noch gar nicht dran 🙂 Aber es war ein Jahr, das durch den ständigen Wechsel, die langen Spaziergänge im Schlosspark und die Stunden auf der Autobahn auch viel Zeit zum Nachdenken bot.

In Hagen habe ich auch 2019 nicht nur gearbeitet, ich habe mich mit Freunden getroffen, den Abschluss vom Muschelsalat miterlebt, fast alle Premieren im und vom Theater an der Volme geschafft :-), nicht alle Ausstellungen, aber einige davon im Kunstquartier gesehen und die meisten Tage der offenen Tür in meinem Atelier im Kunst- und Atelierhaus verbracht. Zusammen mit Stippvisiten bei meiner Mutter in Borken und zwei Märkten im Münsterland, bei denen ich meine Papierarbeiten präsentiert habe, hätte auch das für ein Jahr gereicht 🙂 Oh, fast hätte ich die 1.000 Kraniche im Museum im Bügeleisenhaus in Hattingen vergessen und die Ausstellung meiner Bilder im Westfalenbad und im Reisebüro von Eva Grund und …

Gut, dass ich diesen Beitrag geschrieben habe, ich habe mich die ganzen Feiertage gewundert, warum ich eigentlich so erschöpft bin, wo ich in Gotha doch immer nur das Gefühl hatte, im Urlaub zu sein. Jetzt weiß ich es und schalte Rechner und Kopf für den Rest des Jahres aus 🙂 Kommt gut ins neue Jahr und viel Glück für alles, was ihr plant und euch erwartet in 2020! © Birgit Ebbert