SchlossspieleNicht, dass Gerüchte aufkommen: Schloss Hohenlimburg wurde nicht an einen Karnevalsverein verkauft J, es wurde Jean Poirets Stück „Ein Käfig voller Narren“ im Rahmen der Schlossspiele aufgeführt. Und das richtig gut, mit tollen Schauspielern, in pfiffigen Kostümen bei traumhaftem Wetter. Eine gelungene Premiere, die bei Facebook von manchem Besucher sogar als „beste Premiere ever“ bezeichnet wurde.

Ein Käfig voller Narren von Jean Poiret

Doch worum geht es in der Geschichte? Der Sohn von Nachtklubbesitzer George rückt damit heraus, dass die Familie seiner Angebeteten und hoffentlich zukünftigen Frau zu Besuch kommt, um die Familie des möglichen Schwiegersohns kennenzulernen. Ein Ereignis, das in „normalen“ Familien meistens entspannt vonstatten geht und keineswegs selten ist. Nun pflegt George als Nachtklubbesitzer einen eher ungewöhnlichen Lebensstil, er wohnt direkt neben dem Nachtklub, sodass allerlei ungewöhnliche Gestalten sein Wohnzimmer bevölkern. Dass er mit einem Mann zusammenlebt, ist für uns nichts Besonderes, könnte bei einem potentiellen Schwiegervater, der als Politiker für die klassische Familie kämpft, schlecht ankommen. Seinem Sohn zuliebe schmiedet George einen wasserdichten Plan, der natürlich nicht so aufgeht, wie er sich das vorgestellt hat. Die Komödie stammt aus dem Jahr 1973, da wurde sie im Théatre du Palais Royal in Paris zum ersten Mal aufgeführt – und gestern nun in Hohenlimburg.

Die Aufführung auf Schloss Hohenlimburg

Die Aufführung fand auch in diesem Jahr wieder im Schlosshof statt, den Hintergrund bildete nicht das Schloss, sondern das Gebäude, in dem bis vor kurzem das Kaltwalzmuseum beheimatet war. Dem Ensemble ist es gelungen, mit wenigen Requisiten eine ruchvolle Atmosphäre zu schaffen, wie man sie sich im Hinterzimmer eines Nachtklubs vorstellt – J ich war dort noch nicht und kann das daher nur vermuten. In dieser Kulisse erleben wir mit, wie sich George und sein Freund Albin darum bemühen, sich das Verhalten echter Männer anzueignen, um auf den Besuch authentisch wirken zu können. Das waren für mich die komischsten Momente, als Dario Weber als George und Lars Lienen als Albin Stefan Schroeder als Fleischer studierten, um Gestus und Sprache eines „echten“ Mannes übernehmen zu können. Ob das gelungen ist? Das schaut euch selbst an. Doch das war nur eine Szene in dem Stück, spiegelt aber besonders die gegensätzlichen Welten wider, die in der Kömödie aufeinanderprallen.

Die Komödie lebt von der Überzeichnung der Rollen und das ist allen Darstellern sehr gut gelungen. Ob das Simon Jakobi als wuseliger, unterwürfiger Diener Jakob ist, Roman Weber so klasse in der Rolle der Mercedes, hätte ich nicht gewusst, dass er die Rolle spielt, hätte ich gedacht, er wäre eine Schauspielerin, die ich noch nicht kenne J Stefan Schroeder als bodenständiger Fleischer und wunderlicher Reporter, Michi Kleiber als Vater der Braut und Betty Stöbe als seine Etepetete-Gattin, Karolin Kersting als laszive Braut, die so gar nicht zu ihren konservativen Eltern passt und Ariane Raspe als verrückte Mutter des Bräutigams. Und als halbwegs normal wirkender Mensch dazwischen Jan Philip Keller, der mit seinen Hochzeitsplänen das Chaos in Gang gesetzt hat. Eine gelungene Inszenierung von Indra Janorschke, da war sich das Premierenpublikum einig. Sicher auch dank der treffenden Kostüme, die Silke Hank von Stoffträume für die Inszenierung kreiiert und realisiert hat. Sehenswert! © Birgit Ebbert

Weitere Aufführungen: 02.09. 20.00 Uhr / 03.09. 18.00 Uhr / 06.09. 10.00 Uhr, 07.09. 10.00 Uhr / 08.09. 20.00 Uhr

Weitere Informationen: www.schlossspiele.de