(01.03.2020) Am Freitagabend verwandelte sich die Bühne im Theater an der Volme in ein Wartezimmer und da ging es turbulent zu. Ok, es wurden ausführlich die Vorurteile über tratschende Frauen bedient, aber auch schon wieder so überzeichnet, dass frau mitlachen konnte.

Die Geschichte vom Arzt, dem die Frauen misstrauen

Im Wartezimmer des Landarztes Doktor Wehtal versammeln sich die Frauen des Ortes, um den Rat des Mediziners zu ihren Wehwehchen in Empfang zu nehmen. Hauptthema der Gespräche sind allerdings nicht ihre Krankheiten, sondern der neue gut aussehende Arzt aus dem Nachbarort und das Liebesleben, besser gesagt, das mangelnde Liebesleben von Doktor Wehtal. Die Damen sind sich einig: Der Doktor braucht eine Frau und diskutieren, welche der nicht verheirateten Frauen aus dem Dort in Frage kämen. Derweilen geht der Doktor seine eigenen Wege, denn Amor schickt ihm Annalena-Marie Dornbusch, Schauspielerin und Fotomodell ins Haus, die sich auf den ersten Blick in ihn verliebt. Die junge Liebe soll zwar noch geheim gehalten werden, aber lange kann der Doktor das Geheimnis nicht wahren. Seine Schwester, die ihm den Haushalt führt, entlockt ihm den Namen seiner Freundin – und kann nicht glauben, was er da behauptet. Ausgerechnet diese tolle Frau und ihr Bruder, das kann nur eine Einbildung sein. Sie berät sich mit Sprechstundenhilfe Susi Sauerbier und den anderen Frauen – während Doktor Wehtal weiterhin auf Liebespfaden wandelt. Wie das ausgeht, erfährt nur, wer sich die Vorstellung anschaut 🙂

Die Inszenierung

Zunächst ist die Grundidee des Stückes bereits so angelegt, dass Missverständnisse vorprogrammiert sind und die sorgen immer für Heiterkeit. Das Publikum verfolgt einerseits die heiße Liebesromanze zwischen Doktor Wehtal (Dario Weberg) und Annalena-Marie Dornbusch (Alina Schweer). Auf der anderen Seite erleben die Zuschauer, wie die Frauengruppe um Millicent Wehtal, die Schwester des Doktors (Betty Stöbe) und Sprechstundenhilfe Susie Sauerbier (Indra Janorschke) Pläne schmiedet, um den Doktor zu verkuppeln und über seine vermeintliche Psychose diskutiert. Wie immer, wenn eine Gruppe andere Hintergrundinformationen besitzt als die andere, kommt es zu skurrilen Wortgefechten und witzigen Situationen. Aber was wäre das geschickte Stückkonstrukt ohne die Darsteller, die ihre Dialoge auf den Punkt bringen und ihre Rollen so überzeugend verkörpern, dass man sich bei der Premierenfeier wundert, dass sie in Wirklichkeit ganz anders sind. Dario Weberg ist immer Garant für gute Unterhaltung,

Indra Janorschke hat ihr Können zusätzlich dadurch unter Beweis gestellt, dass sie kurzfristig für die verhinderte Ariane Raspe eingesprungen ist. Bei Betty Stöve als Fräulein Wehtal sah ich direkt das eine oder andere Sprechstunden-Fräulein aus meiner Kindheit vor mir und Karolin Kersting ließ in der Rolle des subtilen Lästermauls Frieda Gold erkennen, welch vielseitige Schauspielerin sie ist. Und dann gab es gleich drei neue Gesichter auf der Bühne. Annette Hollnack und Angela Theves erweiterten die Frauenclique als Beatrix Pflaume und Trudi Efeu und sorgten durch ihre Kostüme und ihr Auftreten dafür, dass man ihnen die Tratschtanten jederzeit abnahm. Während sie sich bei ihrem ersten Einsatz noch in die Gruppe der Wartezimmer-Frauen einreihen konnte, war Alina Schweer als Annalena-Marie Dornbusch gleich im Zentrum des Geschehens. Diese Aufgabe hat sie gut gemeistert – und bei der zweiten Aufführung wird ihre Stimme sich sicher der starken Körpersprache anpassen.

Ein unterhaltsames Theaterstück, das wie der Titel schon andeutete, an die alten Arzt-Serien in TV und Romanheft erinnerte, weshalb man versteckte Botschaften oder intellektuelle Inhalte nicht erwarten darf. Ich fühlte mich für zwei Stunden in meine Kindheit versetzt, sah wieder Fräulein XY vor mir und habe mich an die Diskussion mit einem Autohändler über die Anrede „Fräulein“ für unverheiratete Frauen erinnert. Aber das wäre ein eigener Beitrag :-). © Birgit Ebbert

Die nächsten Aufführungstermine: 07.03., 08.03., 22.03., 17.04., 25.04., 26.04., 15.05., 07.06., 24.07., 26.09., 16.10., 27.11., 11.12.

Weitere Informationen: www.theaterandervolme.de