(21.07.2019) Heute war ich nun endlich im Ekhof-Theater, dem vermutlich ältesten Barocktheater der Welt, das bis heute mit der ursprünglichen Bühnentechnik arbeitet. Der Besuch hat sich doppelt und dreifach gelohnt, zum einen die wunderschönen Kulissen und die Bühnentechnik zu erleben, dann das Molière-Stück, das ich nicht kannte, aber unfassbar modern finde und die überzeugende Inszenierung.

Über das Ekhof-Theater

Das kleine Theater mit Plätzen im Parkett, im Rang und in der Fürstenloge befindet sich im Westturm von Schloss Friedenstein. Bei meiner ersten Führung durch das Schloss habe ich es durch einen Seiteneingang betreten und erst heute gesehen, dass es auch einen schönen alten Kassenbereich gibt. Er wird nicht aus den 1680er-Jahren stammen, als das Theater entstand 🙂 Zumal der Besuch des Theaters zunächst nur Angehörigen des Hofes gestattet war. Erst 100 Jahre nach der Entstehung wurde es auch für Gothaer Bürger geöffnet. Zu der Zeit gab es bereits ein festes Schauspielensemble, vermutlich das erste überhaupt. Unter ihnen war Conrad Ekhof, dem das Theater heute seinen Namen verdankt. Er leitete das Theater nur drei Jahre, spielte in dieser Zeit allerdings 175 Stücke, vor allem von Goldoni, Molière, Voltaire, Shakespeare und Lessing. Dabei konnte Ekhof auf neueste Technik zurückgreifen. Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg, der das Theater bauen ließ, hatte dafür gesorgt, dass es eine hölzerne Kulissenbühne mit Schnellverwandlungsmechanismus bekam, mit dem man blitzschnell das gesamte Bühnenbild wechseln konnte und kann. Die Kulissen, der Rückprospekt und der „Himmel“, ja, ich weiß, korrekt heißt das Sofitten :-), werden ausgetauscht. In der heutigen Inszenierung wurden die Requisiten im Dunkeln ausgetauscht, dann wurde die Bühne beleuchtet, es klingelte und die Kulissen wurden getauscht.

Die Schule der Ehemänner

Die Auswahl des Stücks, das im Rahmen des Ekhof-Festivals einen Sommer lang gespielt wird, orientiert sich meist an aktuellen Schwerpunkten der Stiftung Schloss Friedenstein. In diesem Jahr wurde die Entscheidung für Moliéres „Schule der Ehemänner“ inspiriert durch den Doppelgeburtstag von Queen Viktoria und ihrem Mann, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Wie Isabella im Stück ging Königin Viktoria ihren Weg, sie wählte selbst ihren Ehemann aus und zeigte auch ihm, wer das Sagen in der Ehe hatte. Wer weiß, vielleicht wird wegen dieser Analogie zwischen Leben und Theater das Stück im englischen Sprachraum öfter aufgeführt als in Frankreich und Deutschland. Ich gebe zu, ich kannte das Stück nicht. Das Lustspiel ist komplett gereimt, da muss man sich er hineinhören, aber dann macht die Inszenierung zusätzlich Spaß. Teilweise sind die Reime in der Übersetzung von Ludwig Fulda so kurios, dass man schmunzeln muss, aber dann zeigt sich da auch die Schauspielkunst der Darsteller. Sie schaffen es, mit Mimik, Gestik und ganzem Körpereinsatz die Brücken zwischen den Reimen zu überbrücken. Herrlich! Erzählt wird die Geschichte von zwei ungleichen Brüdern, der eine lebensfroh, der andere bedächtig und ernst. In beiden Häusern lebt eine junge Frau, die beiden sind Schwestern, die von den Brüdern nach dem Tod ihres Vaters aufgenommen wurden. Durchaus mit Blick darauf, dass die Brüder die Mädchen später einmal heiraten. Die unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben spiegeln sich auch in der Erziehung der Mädchen und in deren Leben wieder. Leonore hat es bei dem älteren Bruder Arist gut getroffen, doch Isabella fristet bei Sganarell, dem jüngeren Bruder, ein kärgliches Dasein. Ihre Zukunft sieht nicht rosig aus, bis sie die Gelegenheit gibt, Sganarells Zwang zu entkommen. Wie es ausgeht, seht selbst. Ihr werdet es nicht bereuen, zumal alle Darsteller ihre Sache richtig gut gemacht haben.

Alexander Valerius hat den engen, strengen Sganarell überzeugt dargestellt, Gregor Eckert nahm ich den toleranten Lebemann Arist jederzeit ab, Marie Dinger war genau passend für die Rolle des vermeintlich grauen Mäuschens, das im Verborgenen Ränke schmiedet. Soraya Mezhère wirkte fröhlich und souverän, Arist in weiblich :-). Ute Büttner war eine tolle Lisette, Ives Pancera ein wunderbar verrückt-verliebter Valer. Thilo Richter und Christoph Stein, die in mehrere Rollen schlüpfen mussten, verkörperten diese in ihren Besonderheiten, sicher keine leichte Aufgabe, die sie super gelöst haben. Und natürlich haben auch die beiden Kinder in der Anfangsszene ihre Sache gut gemacht. Eine begeisternde Inszenierung eines interessanten Stückes, das hörte ich auch von anderen BesucherInnen, die sich über diesen gelungenen Nachmittag freuten. Ich jedenfalls stehe am Dienstag im Schloss auf der Matte, um mich zu erkundigen, ob und wenn ja für welche Termine es noch Karten gibt. Das Erlebnis kann man gut auch mehrfach genießen 🙂 © Birgit Ebbert

Weitere Aufführungen: Fr, 02.08.2019, 19 Uhr, Sa, 03.08.2019, 19 Uhr, Fr, 09.08.2019, 19 Uhr, Sa, 10.08.2019, 19 Uhr, Fr, 16.08.2019, 19 Uhr, Sa, 17.08.2019, 19 Uhr, So, 18.08.2019, 15 Uhr

Weitere Informationen: www.ekhof-festival.de

„Die Schule der Ehemänner“ zum Nachlesen

(10.08.2019) Noch ein Nachmittag im Ekhof-Theater 🙂

Die Windmaschine 🙂

Als Ergänzung zu meinem Theaterbesuch habe ich heute noch die Einführung ins Theater unter dem Titel „Donner, Wind und Wellbaum“ besucht und weitere interessante Details über die Theatergeschichte erfahren, zum Beispiel, dass das Theater 1683 mit dem Stück „Die geraubte Prosepia“ eröffnet wurde, kennt ihr das? Es hat wohl über die Gothaer Grenzen keine Bekanntheit erlangt, vielleicht weil es extra für die Bühne geschrieben wurde. Wie auch sonst das ein oder andere Stück speziell für dieses Theater verfasst wurde. Gerne gespielt waren auch Molière und Voltaire, der im Übrigen zu Zeiten des Herrn Ekhof mehrere Monate in Gotha weilte. Apropos Ekhof, er war mit einem meiner Lieblingsdramatiker befreundet, Gotthold Ephraim Lessing und hat mit ihm gemeinsam die Hamburgische Dramaturgie des Theaters geschrieben. Doch zurück zum Theater, das noch heute in dem Zustand von 1683 ist, unter anderem weil Herzog Friedrich I, der es erbauen ließ, Wert darauf legte, dass stets eine Brandwache vor Ort war. Anders als manch andere Theater gab es keine Brandschäden, auch nicht aus dem Krieg. Es wurde nachweislich bis 1943 bespielt, der Herzog lebte bis 1945 noch abwechselnd in Coburg und Gotha. 1951 wurde bereits der Spielbetrieb wieder aufgenommen, dank der alten Technik samt Kulissen. Von denen gibt es 12 verschiedene, die in unterschiedlichen Stücken eingesetzt werden, den Festsaal, der oben auf meinem Bild zu sehen ist, einen Fluss, einen Feldweg, ein Studierzimmer, einen Marktplatz und andere gängige Locations. Ich durfte hinter die Kulissen gucken und bin beeindruckt von der 300 Jahre alten Mechanik, wir haben wirklich keinen Grund überheblich gegenüber früheren Generationen zu sein. Sehr interessant ist übrigens auch die kleine Ausstellung über die Gothaer Theatergeschichte in der oberen Etage, die man fast schon Theatermuseum nennen könnte. Ach ja, die Besucher der Theateraufführungen kommen nicht nur aus Gotha, sondern reisen teilweise von weither an, allerdings sollte man die Karten, die ab dem 1.11. jeden Jahres verkauft werden, früh besorgen, das Theater ist fast immer voll. © Birgit Ebbert