Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte(02.03.2016) Keine Angst, dies wird kein Bericht über den 50sten Geburtstag, der mich am letzten Februarwochenende nach Oldenburg geführt hat. Es wird eher eine kleine Ode an die Stadt, die sich von seiner besten Seite gezeigt hat – ich habe keine Wolke am Himmel gesehen, als ich dort war und auch sonst sind mir freundliche Menschen, wunderbare Fotomotive und tolle Inspirationen begegnet. Es begann bereits am Samstag, als ich durch die Einkaufsstraßen von Oldenburg bummelte und mich in die Buchhandlung treiben ließ. Da sich zu Hause Romane, Krimis und Sachbücher stapeln, weil ich gerade nicht lesen mag, bin ich gleich in die Abteilung mit Bastelbüchern – und landete in einem Paradies. Ich hatte in den letzten Monaten wirklich viel recherchiert über Origami und andere Formen mit Papier zu basteln und hätte behauptet, dass ich einen guten Überblick über die Bücher habe. Vor allem liegen bei mir auch schon zig Bücher, trotzdem habe ich einige neue Schätze entdeckt und nur deshalb nicht alles gekauft, weil ich meinen Einkauf weit tragen musste. Demnächst wird es eine Buchliste geben für alle, die gerne mit Papier basteln 🙂

Besuch im Landesmuseum in Oldenburg

Streetart in Oldenburg
Na gut, nicht 70er-Jahre, aber ich durfte in der Ausstellung nicht fotografieren und fand diese Streetart so klasse 🙂

Von dem Geburtstag gäbe es auch einige zu berichten, aber das lasse ich mal, obwohl ich bis dahin noch keinen Sammler von Popup-Büchern getroffen hatte und auch keine ehemalige Schülerin einer Reformschule. Sehr interessant. Ebenso interessant waren aber die Ausstellungen im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, die ich besucht habe. Ich hatte Glück, dass neben der hervorragenden Dauerausstellung gerade die „Wordpress Photo 15“ eröffnet worden war und im Erdgeschoss mit „Demo, Derrick, Discofieber“ die 70er Jahre in der BRD beleuchtet wurden. Die Gelegenheit für eine Zeitreise habe ich mir nicht entgehen lassen, trotz des traumhaften Wetters war ich nicht alleine in den fünf oder sechs Räumen.

Zeitreise in die 70er-Jahre

Mein erster Blick fiel auf die Rollerblades – wie habe ich meine Freundin damals beneidet, dass sie solche schicken Rollschuhe hatte, die heute wirken, als kämen sie aus dem vorletzten Jahrhundert. Haha! Meine Unterschnallrollschuhe wurden gar nicht erst ausgestellt, vermutlich hätte ich die in der 60er Jahre-Ausstellung gefunden 🙂 Auch ein Bonanza-Fahrrad, das ausgestellt war, habe ich nie besessen und eine Polaroid-Kamera gab es bei uns zu Hause auch nicht. Dafür hätte ich den Musik-Raum mit meinen Schallplatten ergänzt um die meiner Eltern ohne Probleme bestücken können. Eine ganze Wand voller Plattencover hätte ich auch zusammenbekommen und Cat Stevens, Donovan, Heino (sorry, ich sagte ja: auch die Platten meiner Eltern), Abba, Stefan Sulke, Knut Kiesewetter, Santana, Supertramp – genau, die hatte ich ganz vergessen! – Boney M., Ricky King, Georges Moustaki und James Last wären bei ebenfalls dabei gewesen.

Spiegel-Architektur
Ich konnte nicht genug bekommen von solchen Spiegelungen, da gibt es dann demnächst einen FotoBlog-Beitrag 🙂

Was gab es nicht alles in den 70er Jahren, das ich so nicht mehr präsent hatte – klar, an die Olympischen Spiele und die Brokdorf-Demos kann ich mich auch erinnern und „Heimatmuseum“ von Siegfried Lenz haben wir im Deutschunterricht gelesen. Aber dieses Trimm-dich-fit-Männchen wäre mir nicht eingefallen, auch nicht, dass es in jener Zeit eine Trimm-dich-fit-Welle gab mit Broschüren, in denen Übungen erklärt wurden, und Trimm-dich-Pfaden im Wald. Die fand ich als Kind klasse und war immer die erste an der Turnstange, trotzdem habe ich das Angebot der Ausstellung ausgeschlagen, es wieder einmal zu versuchen. 🙂 Was ist aus den Geräten im Wald eigentlich geworden?

Vergessene Alltagsgegenstände im Museum

Überrascht hat mich, dass es bereits Playmobilfiguren gab in den 70ern bzw. Play-Big. In der Ausstellung dachte ich noch, das wäre dasselbe – inzwischen habe ich nachgeschlagen und den Unterschied realisiert. Nicht nur, dass es sich um verschiedene Unternehmen handelt, die diese Figuren produzieren, Play-Big-Figuren waren weniger reduziert als Playmobil-Figuren und wirkten lebensnäher. Genau solche Details sind es, weswegen ich gerne in Ausstellungen gehe – irgendeine Frage stellt sich immer und irgendein Aha-Erlebnis bleibt immer zurück. Und natürlich speichere ich in solchen Präsentationen wieder Alltagsgeschichte ab, die ich dann in meinen Alltagsgeschichten verarbeiten kann. So wie das Jugendzimmer und das Melitta-Steingut-Geschirr, den Kassettenrecorder und die Schlümpfe. Ich jedenfalls war begeistert von der Ausstellung und die anderen Besucher wohl auch, wann immer ich durch das Café ging, hörte ich, wie man in Erinnerungen schwelgte und ausgehend von den zahlreichen Exponaten über ihre Erlebnisse berichteten.

Spiegelungen im Landesmuseum OldenburgDas war in der Dauerausstellung natürlich anders – wer kann schon von sich sagen, dass er mit einer Kutsche gefahren ist oder seinen Blumenstrauß in eine Vase gestellt hat, die Peter Behrens designed hat. Besonders interessant fand ich die Wand ohne Bilder – dort befanden sich lediglich Notizzettel, auf denen Werke vorgestellt wurden, die a, 22. August 1937 als entartet beschlagnahm wurden und von denen es größtenteils weder Fotos noch Skizzen oder Grafiken gibt, neben Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein gehörten dazu auch einige Bilder von Christian Rohlfs, u. a. die Hexe mit Rabe, die vor einiger Zeit in der Rohlfs-Ausstellung im Osthausmuseum zu sehen war. Ach ja, ein neues Ziel habe ich mir auch gesteckt 🙂 – ich würde gerne mal in diesem wunderbaren Saal lesen, ich stelle es mir magisch vor, auf der Bühne zu stehen und sich gegenüber in einem uralten Spiegel zu betrachten.

Reporterrabe Corvo macht eine Pause in OldenburgOb Lesung oder nicht – ich war sicher nicht zum letzten Mal in dem Museum in Oldenburg, schon weil ich gar nicht alles auf einmal aufnehmen konnte. Ich habe selten eine Ausstellung gesehen, die es so gut schafft einen Bogen über Epochen und Zeitgeschichte ins Heute zu schaffen. Darum beneide ich die Oldenburger, die anscheinend auch wissen, was sie an ihrem Museum im Schloss haben – vor dem Schloss standen zig Fahrräder und im Schloss wimmelte es überall von Besuchern. © Birgit Ebbert

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Play-Big vs. Playmobil-Männchen – eine Kindheitserinnerung aus den 70ern von Robert Bernnart (Spiegel Online 10.3.2009)