Hier sammeln sich meine SUI(06.12.2016) Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass die halbe Welt mit SUB den Stapel ungelesener Bücher bezeichnet. Den gibt es bei mir natürlich auch und jedes Mal, wenn ich ausrechne, wie viel Zeit ich benötige, um ihn abzubauen, werde ich blass.

Dabei ist mein SUB nichts gegen meinen SUI, den Stapel unrealisierter Ideen. Wenn ich nicht bei Extrabreit fotografiere oder im Theater an der Volme über meine Literaturart philosophiere sehe ich gerade meine Ideenordner durch, sortiere aus, übertrage Notizen von Zettelfetzen in meine Ideenkladde und stöbere im Konzeptordner gestöbert, was da noch der Realisierung harrt. Um das alles zu verwirklichen, brauche ich zwei Leben oder auch drei. Erschrocken war ich aber darüber, wie viele bereits ausgefeilte Ideen im Computer schlummern, die ich auf Anregung von Agenten oder Verlagen entwickelt habe und zu denen ich niemals eine Rückmeldung erhalten habe.

Eine Auswahl meiner SUI

Da ist die wunderbare Geschichte über die 15-jährige Luise, die ihre Lese-Rechtschreib-Schwäche in den Griff bekommt – auf ganz besondere Weise und ziemlich kreativ. Na schön, stattdessen wurde „Susa, Timo und die Buchstabenverschwörung“ realisiert, aber ein Stück meines Herzens hat Luise erobert.

Und da ist im SUI ein Kinderroman zur Integration, in dem ich die unterschiedlichen Erfahrungen meiner Schüler, die erst in der vierten oder fünften Klasse nach Deutschland kamen, aufgreifen wollte. Das Thema war dann plötzlich nicht mehr interessant, als es über eine Agentin mit einem halben Jahr Verspätung beim Verlag eintraf.

Nicht zu vergessen das Konzept für eine Biografie über Erich Kästner, das ich ebenfalls auf Wunsch einer Agentin und eines Verlags entwickelt habe, was durch einen Personalwechsel obsolet wurde.

Dazu zählt auch die Skizze für den Kinderroman rund um die Erstkommunion, für die ich aufwendig recherchiert habe, die ewig bei dem Verlag schlummerte, der das Konzept angefordert hatte, bis die Mitarbeiterin die Stelle gewechselt hatte und keiner mehr wusste, was es mit dem Projekt auf sich hatte.

Auch ein Vorschlag für eine Adaption meiner Selbstcoaching-Karten für Erzieherinnen liegt noch bei einem Verlag. Vermutlich in einem SUM (Stapel ungeprüfter Manuskripte), obwohl auch das Papier auf Anforderung der Lektorin, die mich bei einem anderen Projekt betreute, erstellt wurde.

Dann waren da noch Konzept und Probeseiten für Der kleine Schulberater, für den ich eine Absage erhielt, weil – angeblich zufällig – eine Stammautorin ein ähnliches Exposé vorgelegt hat. Ok, damit kann ich leben, auch wenn es schade um die Mühe ist, die ich mir auf Aufforderung des Verlages mit einer unterhaltsamen Gliederung des Lernthemas gegeben habe.

Plötzlich tauchte im SUI auch die Idee samt Probeseiten für einen Adventskalender zu einer Fernsehfigur aus den Tiefen des Computers wieder auf, mit der ich an einem Pitch teilgenommen und leider nicht gewonnen habe. Aber da habe ich mir die Arbeit trotz des Risikos gemacht, schade nur, dass die Idee nun nie realisiert wird und ich auch nie wieder etwas von dem Verlag gehört habe.

Oh, und dann ist da noch das Erzieherinnenbuch zur Schulvorbereitung mit praktischen Anleitungen und Übungen, für das ich schon eine Zusage hatte, ehe der Verlag verkauft wurde und sich in Schweigen hüllte. Kürzlich sah ich zufällig, dass das Buch dann später mit einer anderen Autorin realisiert wurde. Ich habe nicht hineingeschaut – natürlich liegen manche Themen in der Luft, aber ein Verleger hat mir vor Jahren sogar in einer Absage geschrieben, dass man meine Gliederung an die Hausautorin weitergeben würde!!!

Schließlich ruht noch still wie der See ein Exposé für einen Kinderroman zur Kinderbeteiligung, das ich nach mehreren Gesprächen mit einer Verlagslektorin entwickelt und sogar ihren Wünschen angepasst habe. Auf die letzte Version habe ich bis heute keine Antwort bekommen.

Und das sind nur die im Auftrag ausgearbeiteten Ideen, die einfach so versickert sind und für die ich größtenteils nie eine abschließende Absage erhalten habe – und auch nie ein Honorar, um das noch zu erwähnen, obwohl alle erwähnten Konzepte auf Anforderung von Verlagen entwickelt wurden! Dazu gesellen sich mindestens ebensoviele Konzepte, die ich einfach für mich entwickelt habe, weil ich eine Idee hatte, die ich – irgendwann – verfolgen will. Immerhin konnte ich manche Ideen umsetzen wie den TaschenGuide „Selbstmarketing“ oder den Lernratgeber „Effektiver Lernen für Dummies“, das Kinderbuch „Miekes ultimativer Anti-Schüchternheitsplan“, der dann nur noch genial statt ultimativ war, und den Roman „Brandbücher“, auch wenn der bei mir immer „Katharinas Karten“ hieß.

Eigentlich schade, finde ich und habe entschieden, mich im neuen Jahr jede Woche eine Stunde dem SUI zu widmen und bei den Verlagen nachzuhaken, zu versuchen, andere Verlage für die Ideen zu gewinnen oder einfach drauflos zu schreiben. © Birgit Ebbert