(29.05.2015) In meinem Notizbuch habe ich beim Aufräumen einige Seiten über die Eröffnung der Ausstellung „1945 – Wiedersehen in den Trümmern“ im Emil-Schumacher-Museum gefunden. Ich erinnere mich, dass ich mich für den Vortrag von den Briefen Herti Kirchners wegzerren musste und anschließend gleich wieder an den Schreibtisch gegangen bin. Aber ich habe die Einführung in so guter Erinnerung, dass ich trotz der Verspätung noch etwas dazu schreiben muss, soweit ich meine Notizen lesen kann.

Die Ausstellung wurde mit einem hervorragenden Vortrag von Prof. Dr. Ferdinand Ulrich von der Kunsthalle Recklinghausen eröffnet. Er hat es geschafft, die Zuschauer in dem gefüllten Auditorium des Kunstquartiers zu fesseln, obwohl hinter uns durch die geöffneten Türen die Museumsbesucher zu hören waren und die automatische Verdunkelung in seinen Vortrag murmelte. Da haben wir eben die Ohren gespitzt und noch stiller gesessen, um nichts von den Ausführungen zu verpassen.

Zunächst einmal hatte er für alle, die wenig mit der Kunst Emil Schumachers anfangen können, einen Trost: So ging es auch Kunstexperten in den 60er und 70er Jahren. Prof. Ulrich erinnerte daran, dass in den 70er Jahren in einem Fernsehbericht über den vergessenen Hagener Künstler berichtet wurde. Manches braucht eben seine Zeit, aber ich bin sicher, dass ein Besuch in der aktuellen Schumacher-Ausstellung – am besten mit einer Führung – hilft, das Werk besser zu verstehen. Mir ging es zumindest so, das gebe ich zu und der Eröffnungsvortrag hat mir einmal mehr die Augen geöffnet.

Interessant eigentlich, dass die Werke Schumachers heute vielen zu abstrakt sind, während Günter Grass in den 80er Jahren beklagte, sie seien zu dekorativ und zu wenig abstrakt. So ändern sich Zeiten und Denkweisen. Und in den Anfängen, das zeigt die Ausstellung, waren Schumachers Werke teilweise noch gegenständlich, auch wenn es schon erste Verfremdungen und Loslösungen von der damals vorherrschenden Kunstform gab. Das wird an Bildern wie dem Ofenherd deutlich, wo Emil Schumacher seine eigene Perspektive wählt und sich bereits vom herkömmlichen Verhältnis von Realität, Blick und künstlerischem Abbild löst.

Prof. Ulrich warb um Verständnis dafür, dass Emil Schumacher, wie auch seine Altergenossen, in der Nachkriegszeit nicht sofort frei vom Gegenstand gearbeitet hat. Ihnen steckten zwölf Jahre NS-Kunst und NS-Denken in den Köpfen, die auch sie nicht von einer Minute auf die andere abschütteln konnten. Dennoch hat Emil Schumacher in ziemlich kurzer Zeit den Sprung vom Gegenständlichen zum Abstrakten geschafft, vor allem im Austausch mit den Kollegen der Künstlergruppe „Junger Westen“, die in Recklinghausen ansässig war und dessen Vorsitz Emil Schumacher zeitweise innehatte. Damit schließt sich übrigens der Kreis, weshalb Prof. Ulrich genau der richtige Redner für die Eröffnung dieser Schumacher-Ausstellung war. Er leitet die Kunsthalle der Stadt, die für Schumacher in der Nachkriegszeit wichtig war, auch weil der Vorgänger der Kunsthalle damals bereits Werke des Künstlers ankaufte und einige der Bilder aus der derzeitigen Ausstellung vor fast 70 Jahren in Recklinghausen zu sehen waren.

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Juni zu sehen, ich komme also noch gerade rechtzeitig mit meinem Artikel und wünsche viel Freude beim Rundgang.

Weitere Informationen über die Ausstellung: www.eshm.de

Mein Eindruck vom Vorabrundgang