Werke aus der Ausstellung von Emil Schumacher(22.02.2015) Ab heute gibt es im Emil Schumacher Museum neue Eindrücke von der Arbeit des Hageners, die auf faszinierende Weise zeigen, wie sich der prägnante Stil entwickelt hat, der ihn zu einem weltweit beachteten Künstler hat werden lassen. Die Ausstellung bildet eine Brücke durch die Zeit und führt die Betrachter 70 Jahre zurück, als wie ganz Deutschland auch Hagen in Trümmern lag, der 33-jährige Emil Schumacher allerdings die Chance zum Neustart und Aufbruch sah. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes kündigte er seine Stelle als technischer Zeichner in der Batteriefabrik, für die er – da kriegsuntauglich – eingeteilt war, um sich fortan der Kunst zu widmen, für die ihm fast ein Jahrzehnt Kraft und Umfeld fehlten.

Aus der Ausstellung Wiedersehen in TrümmernDen Neubeginn der Nation sah Emil Schumacher als Gelegenheit für einen Neustart für sich, nachdem die Nationalsozialisten sein Kunststudium jäh beendet hatten, in dem sie seine jüdischen Professoren entließen und durch regimegetreue Dozenten ersetzten. Im 5. Semester verließ er die Kunstgewerbeschule in Dortmund, weil er sich mit der neuen Kunstauffassung nicht arrangieren konnte und versuchte, als freier Künstler Fuß zu fassen. Was anfangs nicht aussichtslos schien, verlief bald im Sande und bei Ausbruch des Krieges wurde er in der Batteriefabrik für kriegswichtige Arbeiten verpflichtet. Als technischer Zeichner zwar und nicht in der Produktion, dennoch verrichtete er eine Arbeit, die ihm jegliche Freude und Energie für eine künstlerische Betätigung nahm.

DiEmil Schumacher arbeitete mit verschiedenen Materialiene Ausstellung, die nun im Emil Schumacher Museum gezeigt wird, nimmt die Betrachter mit in jene Zeit nach dem Neustart. 60 Werke aus der Nachkriegszeit aus dem Bestand der Stiftung und des Osthausmuseums sowie Privatbesitz dokumentieren den Willen des jungen Künstlers, endlich etwas zu schaffen und sich in der Kunstwelt einen Namen zu machen. Dank einiger Hagener, die sein Potenzial erkannten und ihn förderten, konnte er es sich bald leisten, seinen einen Weg zu suchen. Dabei tauschte er sich mit anderen Künstlern aus, vor allem der Künstlergruppe Junger Westen und ließ sich von Situationen und Materialien leiten. Der Rundgang durch die Ausstellug vermittelt einen Eindruck, wie Emil Schumacher seinen eigenen Kunststil fand. Auch wenn die Bilder völlig anders sind als die Informel-Werke, mit denen sein Name in der Kunstwelt verbunden ist, sind die besonderen Elemente, die ab Mitte der 50er Jahre seine abstrakte Kunst bestimmen, schon hier und da erkennbar.

Ich kann gar nicht sagen, welche Bilder mich am meisten angesprochen haben. Es klingt seltsam, wenn ich sage, dass es die Holzschnitt-Reihe „Bomben“ ist, die aus vier verschiedenen Drucken besteht, die alle auf besondere Weise bearbeitet sind und den Krieg genauso darstellen, wie ich ihn mir vorstellen würde. Die Porträts der alten Männer, die Stilleben und Alltagsszenen aus der Zeit haben ebenfalls etwas, weil sie immer wieder die Brücke in die Vergangenheit schlagen und zugleich in die Zukunft des Künstlers aus damaliger Sicht. Aber auch die Bilder, für die er mit Materialien experimentiert hat, haben mich fasziniert, weil sie Ausdruck seiner Kreativität und Offenheit für Impulse von außen sind. Nachmalen oder abzeichnen kann jeder, fast jeder, ok außer mir. Aber sich von einem Maschendraht ansprechen zu lassen und daraus ein Bild zu entwickeln, das andere fesselt und inspiriert, das ist etwas anderes.

Ich jedenfalls habe einen neuen Schumacher entdeckt, nebenbei viel über die ersten Jahre nach dem Krieg erfahren und eine Art Leitfaden bekommen, der mir hilft, die abstrakten Werke zu verstehen, die er Ende der 50er Jahre schuf. Nun hatte ich das Glück, Nachhilfe in Sachen Emil Schumacher zu bekommen und habe dabei viel mehr erfahren, als ich jetzt hier unterbringen kann; aber der nächste Blogbeitrag kommt bestimmt und das Buch mit den Hagenern will auch gefüllt werden. Erst einmal freue ich mich auf die Eröffnung der Ausstellung, da werde ich mir die Bilder noch einmal ganz in Ruhe und in der Zusammenschau mit einigen neueren Werken anschauen. Vielleicht sehen wir uns – Wiedersehen in den Bildern, quasi! © Birgit Ebbert

Weitere Informationen auf der Seite des Emil Schumacher-Museums

Und fast vergessen: Es gibt im Verlag Kettler einen sehr schönen Katalog mit Fotos aller Werke der Ausstellung zum Nachblättern. Ulrich Schumacher/Rouven Lotz (Hrsg.): Emil Schumacher 1945 – Wiedersehen in den Trümmern. Blätter und Bilder aus den ersten Nachkriegsjahren. Verlag Kettler 2015