(23.05.2015) Als ich gestern Abend die Karibik vor meinem Fenster hinter mir ließ, um zur Premiere ins Theater an der Volme zu gehen, war ich nicht sicher, was mich erwartete. „Bis ans Ende meiner Lieder“ lautete der Titel der Udo Jürgens Revue,die angekündigt war und ich war gespannt auf das Publikum und vor allem darauf, welche Lieder Dario Weberg für seine Interpretation von Udo Jürgens ausgewählt hatte.

Umso mehr war ich überrascht, als es nicht gleich mit einem Song losging, sondern erst einmal die Kandidaten für den Udo Jürgens-Double-Wettbewerb im Publikum gesucht wurden. War ich froh, dass ich in der letzten Reihe saß und mich hinter der Kamera verschanzen konnte. Zum Glück meldete sich jemand. Martin Brödemann, oder Bröselmann oder Blödemann – der Moderator des Double-Wettbewerbs Dario Weberg zeigte schon durch die bösen Spiele mit dem Namen, dass er Herrn Brödemann nicht für ein geeignetes Double hielt. Auf diese Weise neckten sich die beiden Herren den ganzen Abend und lösten melancholische, romantische und fast schon kitschige Momente, die bei manchen Liedern entstanden, in Schmunzeln und Gelächter auf.

Wobei die fast kitschigen Momente kaum vorkamen, dank einer gelungenen Auswahl der Songs. Und wenn es bei mir so ankam, dann wohl nur, weil ich mich in meine Kindheit und Jugend zurückversetzt fühlte, als ich von den Udo Jürgens-Auftritten in TV-Shows furchtbar genervt war. Noch heute kann ich „Aber bitte mit Sahne“ und „Merci cherie“ nicht hören, ohne dass die Bilder aus den 70ern wieder erscheinen. Dabei weiß ich, seit ich den Text von „Aber bitte mit Sahne“ mit Verstand gehört habe, dass die Performance der 70er und der Text-Inhalt nicht immer stimmig waren.

Doch zurück zur Udo Jürgens-Revue im Theater an der Volme. Dario Weberg und Martin Brödemann haben einen schönen Querschnitt durch die Songs des Musikers dargeboten. Bekannte Lieder zum Mitsingen wie „Griechischer Wein“ und „Vielen Dank für die Blumen“ wechselten mit – mir – weniger bekannten ab wie „Warum nur warum“, mit dem Udo Jürgens schon Mitte der 60er Jahre am Grand Prix d’Eurovision teilgenommen hat. Ich betone, dass mir die Lieder nicht bekannt waren, deshalb, weil wohl auch ein Udo Jürgens-Fanclub im Theater war – zumindest hatte ich den Eindruck. Die Herrschaften konnten jede Zeile mitsingen und waren – zur Erheiterung von Darsteller und Publikum – teilweise textsicherer als Dario Weberg, was Herrn Brödemann veranlasste, konsterniert zu fragen, ob für den Double-Wettbewerb etwa auch Chöre zugelassen wären. Wirklich herrlich dieses Spiel zwischen den beiden Herren und die trockenen Sprüche von Martin Brödemann.

Ein gelungenes Zusammenspiel sowohl musikalisch als auch hinsichtlich der Pointen nicht zuletzt bei den Überleitungen, die man sich am besten selbst anhört. Natürlich richtet sich der Abend vor allem an Fans von Udo Jürgens und seiner Musik. Wer die nicht mag oder damit die schrecklichsten Assoziationen verbindet, sollte zu Hause bleiben. Aber wer sich gerne einen Abend lang entspannen, ein wenig in Erinnerungen schwelgen und den einen oder anderen Lieblingssong anhören möchte, der sollte sich die Revue gönnen. © Birgit Ebbert

Die nächsten Termine: 28. Juni und 22. August.

Filmeindrücke von TV58

Weitere Informationen: www.theaterandervolme.de