(05.08.2015) Meine Woche begann gestern mit dem dritten Tag des Workshops „Euer Plakat für Hagen“ und einem Crashkurs in Sachen Manga. Zum Glück hatte die Stadtbücherei eine Manga-Zeichnerin engagiert, die selbst seit ihrer Jugend Mangas liest und heute sowohl Mangas zeichnet als auch vor allem Workshops durchführt: Marina Völker, die am Montag mit einem ganzen Koffer voller Malutensilien angereist ist und – so hörte ich – am Mittwoch noch mehr mitbringen wird.

Dank Marinas Einführung weiß ich nun, dass Mangas keine Erfindung dieses Jahrtausends sind, sondern eine ziemlich alte Tradition haben. Schon im 7. Jahrhundert sprach man in Japan von Mangas, dessen Name sich aus den beiden japanischen Schriftzeichen für zwanglos und Bild entwickelt hat. Die Entwicklung dessen, was wir in der westlichen Welt heute unter Mangas verstehen, begann allerdings erst in den 50er Jahren. Damals zeichnete Osama Tezuka den ersten Manga im heutigen Stil. Zwei Jahre brauchte er, um in einem 400-seitigen Manga den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki zu verarbeiten. Zu der Zeit waren Mangas also keineswegs ein Fun-Medium, wie es heute verstanden wird. Obwohl Osama Tezuka bereits versucht hat, eine gewisse Leichtigkeit und Farbigkeit in seine Zeichnungen zu bringen, die stark an die Figur Walt Disneys angelehnt waren, den Stil aber mit dem klassischen japanischen Zeichenstrich verbunden haben.

Osama Tezuka gilt als „Gründervater“ der modernen Mangas, von denen es heute einen kaum überschaubaren Markt gibt. Gemeinsam ist allen Figuren, dass ihre Proportionen von Kopf, Körper und Bein verzerrt sind, im Vergleich zum Kopf ist der Körper sehr klein, dafür sind aber Arme und Beine ziemlich lang. Vor allem aber an den Augen erkennt man Mangas auf den ersten Blick – sogar ich als Manga-Newbie. Die sind sehr groß und spiegeln die Gefühle der Figuren in der Art der Darstellung, rot für böse, viele Lichtpunkte für Freude oder Beliebheit. In Mangas wird das Sprichwort „Augen sind ein Spiegel der Seele“ sozusagen ganz direkt umgesetzt. Ohnehin spielt der Kopf eine große Rolle, mit Farben, die auch weit von der Wirklichkeit entfernt sein können, werden Charaktere skizziert, Mädchen haben in der Regel lange Haare, die auch schon mal abstehen können, selbst wenn das in der Realität auch mit viel Gel nicht zu realisieren wäre.

Nach dieser Einführung, während der die eine oder der andere sich bereits über Stifte und Vorlagen hermachte, ging es an die Arbeit. In der ersten Runde sollte „nur“ ein Panda gezeichnet werden. Angesichts der begabten Zeichner um mich herum habe ich hier schon aufgegeben und mich aufs Fotografieren beschränkt. Außerdem lagen über all Mangabücher herum, sodass ich die Chance nutzen musste, mir einen Eindruck zu verschaffen. Um gleich festzustellen, dass es auch bei uns Mangas gibt, die man von statt von rechts nach links von links nach rechts blättern muss. Manche Figuren erkannte ich aus anderen Zusammenhängen wieder. „Sailor Moon“ war für mich bis jetzt eine Figur aus einer TV-Serie, nun weiß ich, dass es sich um ein Einsteiger-Manga handelt, das mehrere Neuauflagen durchlaufen hat, um sich den Sehgewohnheiten der Leser anzupassen. „Conan“ kannte ich noch als „Barbar“ und Groschenheft-Held, nun ist er „Detektive Conan“ und für viele Jungen einer der ersten Mangas.

Während ich also guckte, knipste und blätterte, waren die Jugendlichen damit beschäftigt, ihren Panda zu zeichnen, Augen und Schattierungen zu üben. Schließlich soll es am Mittwoch ernst werden mit der Erstellung der Plakate. Die Konzepte für die Bilder stehen, wir haben die letzten – wirklich tollen – Slogans entwickelt, sodass ich voller Spannung auf den nächsten Workshoptag blicke. © Birgit Ebbert

4. & 5. Workshoptag Endspurt
3. Workshoptag Einstieg in das Manga-Zeichnen

2. Workshoptag Plakatslogans für Hagen
1. Workshoptag Hagen kennenlernen