Eva Niestrath-Berger(18.05.2017) Das ist schon seltsam, nachdem ich mich seit 1 ½ Jahren mit Papier und Papierkunst beschäftige, begegnen mir plötzlich überall Künstler, die mit Papier arbeiten oder wie Eva Niestrath-Berger gearbeitet haben. Natürlich habe ich schon vor drei Jahren eine Ausstellung mit ihren Werken besucht, aber dennoch war sie bei mir abgespeichert als Bildhauerin, die mit klassischen Bildhauermaterialien arbeitet.

Materialvielfalt von Eva Niestrath-Berger

Am Freitag wird eine Ausstellung mit Werken von Eva Niestrath-Berger in der Ardenku-Galerie eröffnet, die zeigt, dass die Künstlerin ihre Materialien überall gefunden hat. Natürlich hat sie mit Stein gearbeitet, das zeigt die große Skulptur vor dem Allerwelthaus, auch mit Metall, wovon die Gitter um die Bäume vor meinem Fenster noch zeugen. Aber sie hat auch mit alltäglichem Material gearbeitet, ein Bild sieht aus, als wäre es mit Packband oder Sisal gestaltet worden, ein anderes besteht aus Stoff. Da lohnt es sich immer genau hinzusehen.

Papierkunst von Weltruhm

Und Eva Niestrath-Berger hat mit Papier in verschiedenen Formen gearbeitet. Im Büro von Petra Holtmann, die die Werke der Hagener Künstlerin heute im Auftrag der Nachfahren verwaltet, steht während der Ausstellung ein dickes Papp-Metall-Paket, das ich auch gerne in meinem Büro hätte 🙂 An den Wänden im Treppenhaus hängen Bilder, für die Eva Niestrath-Berger Papier geknautscht und genäht, gerollt und geknittert hat. So laden die Bilder sowohl zum Hinsehen als auch zum Nachmachen ein. Papier nähen habe ich schon probiert – klappt 🙂 Sie hat sich von dem Material leiten lassen und immer neue Materialien gesucht. Dabei kam sie auf die Idee, mit Papyrus zu arbeiten, was ihr Bekanntheit in der ganzen Welt einbrachte, weil sich gerade die Länder, aus denen Papyrus stammt, für ihre Werke interessierten und diese auch kauften.

Ausstellung „Idee und Materie“

Eva Niestrath-Berger ist in Hagen keine Unbekannte, viele kennen sie aber als Frau von Karel Niestrath. Dabei war sie eine außergewöhnliche Künstlerin, die ihrer Zeit weit voraus war. Schon Anfang der 60er-Jahre wurde sie in einer Liste der 15 bedeutendsten Bildhauerinnen aufgeführt, obwohl sie erst rund zehn Jahre als Künstlerin aktiv war. Während andere Bildhauer noch bei ihren klassischen Materialien und bei der gegenständlichen Kunst verblieben, hielt sie bereits Ausschau nach neuen Werkstoffen, von denen sie sich zu neuen Werken anregen lassen konnte. Eindrucksvolle Ergebnisse dieses Prozesses finden sich in der Ausstellung „Idee und Materie“, die vom 19. Mai bis 18. Dezember 2017 läuft. Sie zeigt 50 Skulpturen und Bilder der Hagener Künstlerin, die lange oder noch gar nicht öffentlich präsentiert wurden und die größer und wirkungsstärker sind als die schon tollen Bilder, die vor drei Jahren im Roten Haus gezeigt wurden. Ich werde auf jeden Fall am Freitag um 19.00 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung gehen und bin gespannt, welche neuen Facetten Dr. Elisabeth May, die in das Werk einführen wird, entdeckt hat.

Weitere Informationen: www.ardenku-galerie.de, Eduard-Müller-Straße 2, 58097 Hagen.