(08.11.2013) Begonnen hat alles damit, dass ich bei Facebook das nebenstehende Foto hochgeladen habe mit der Bemerkung: „Und als Krimi-Autorin frage ich mich, ob an den Schutzhelmen die Bauarbeiter wohl noch dranhängen.“

Bernd Hoffmann, Administrator der Gruppe „Du bist ein Hagener, wenn …“ hat daraufhin gepostet: „Der Polier betrat den frischen Beton. Viel zu spät bemerkte er, dass der Boden unter ihm nachgab. Unendlich langsam rutschte er tiefer und tiefer. Keiner hörte seine verzweifelten Rufe. Um diese Uhrzeit ist nämlich noch niemand in Hagen unterwegs…“ und fragte, ob ich nicht Lust hätte, in der Facebook-Gruppe mit den Hagenern einen Krimi zu schreiben.

Da ich für Experimente rund ums Schreiben immer zu haben bin, habe ich zugesagt und am 17. März die ersten drei Sätze eingestellt. Dann bin ich gemütlich zu meiner Mutter ins Münsterland gefahren, weil ich dachte, es dauert sicher einige Zeit, bis die ersten Kommentare kommen. Falsch gedacht. Als ich abends zurückkam, gab es bereits um die 100 Kommentare und die ersten fünf Seiten des Krimis. Jeden Tag wuchs der Krimi. Manche Teilnehmer schrieben einen Satz, andere ganze Absätze und wieder andere steuerten Ideen für Orte oder die Weiterentwicklung der Story bei.

Ich habe immer versucht, all die Ideen zu Kapiteln zu verknüpfen und diese in einen Blog gestellt, wo die Teilnehmer den Fortschritt verfolgen konnten.

Irgendwann gingen die Ideen so durch- und vor allem auseinander, dass ich alles sortieren musste. 65 Manuskriptseiten kann keiner so eben mal lesen. Deshalb habe ich die Beiträge entwirrt und einen Täter gefunden, den die anderen nicht auf dem Schirm hatten. Schließlich soll das Buch für alle spannend werden.

Ein bisschen kam mir dann der Zufall zu Hilfe. Während ich an der Überarbeitung saß, veröffentlichte der Wochenkurier eine Liste der 100 Top-Touristenziele in Deutschland. Hagen war nicht dabei, also habe ich die Gruppenmitglieder gefragt, welches ihre Top-Touristenziele in Hagen sind. Mit vereinten Kräften kam eine stattliche Liste von 100 Zielen zusammen. Einige davon habe ich noch in den Roman eingebaut. Nun bin ich gespannt, was die Co-Autoren und die anderen Gruppenmitglieder sagen werden.

Am 9. November stellen wir das Buch der Öffentlichkeit vor – ich glaube, es ist das Buchprojekt, das ich in kürzester Zeit realisiert habe. Wenn ich mir anschaue, dass ich am 17. März die ersten Sätze eingestellt habe und nach acht Monaten das gedruckte Buch vorliegt, dann weiß ich, warum ich am Ende der Sommerferien erschöpft statt erholt war.

Birgit Ebbert/Bernd Hoffmann (Hrsg.)
Mord an der Volme. Auf Tätersuche in Hagen
ISBN 978-3-8375-1031-7, 8,95 €

Mich hat interessiert, ob bereits jemand ein ähnliches Projekt realisiert hat und recherchiert. Es wird noch an einigen Krimis oder Romanen mit Facebook-Freunden gewerkelt. Ich bin gespannt, ob es bereits einen fertigen Krimi aus einer Facebook-Gruppe gibt, die nicht speziell dafür eingerichtet wurde. © Birgit Ebbert

Zum Artikel „Kleine Recherche zum Facebook-Roman“