(30.01.2015) Mein erster Gedanke, als ich den ersten Ausstellungsraum mit Hundertwasser-Bildern betrat war: „Das ist genau das richtige in diesem trüben Januar.“ Von allen Wänden und aus den Bildern und Exponaten springen einem die Farben förmlich entgegen. Wer da noch schlecht gelaunt ist, ist wirklich selbst schuld. Und irgendwie entführt Hundertwasser uns mit seinen teils märchenhaft anmutenden Werken ja auch in die Welt der Kinder, in der das Leben noch bunt und lebenswert erscheint. Nicht immer, ich weiß. Aber manche Erwachsenensorgen drücken eben nicht und Kinder stehen sich noch nicht selbst im Weg. Für sie ist es logisch, dass die Natur wichtig ist und geschützt werden muss. Weil es eben Natur und Lebensraum ist. Punkt. Alles andere ist ihnen egal.

Farbe und Natur sind es denn auch die die Hundertwasser-Ausstellung bestimmen, die am Samstag im Osthausmuseum eröffnet wird. Dabei beschränkt sich die Farbe nicht auf die Bilder des Künstlers, jeder Ausstellungsraum hat eine neue Farbe bekommen. Begrüßt werden die Besucher mit einem Blau, das sie in die Bilder hineinzieht und bis in grün gestrichene Räume geleitet, in denen die Natur einen besonderen Schwerpunkt bildet. Da findet sich dann das legendäre Kompost-WC, dessen Pendant laut Kurator Dr. Tayfun Belgin in Hundertwassers Wohnzimmer stand und es ist das Modell einer Pflanzenkläranlage aufgebaut, deren Vorbild verunreinigtes Wasser durch einen Ablaufprozess auf natürliche Weise reinigte. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen aber die über 100 Bilder, Wandteppiche und Grafiken Hundertwassers, auch wenn in einigen Räumen die bezaubernden Modelle seiner Architektur ihnen die Schau stehlen.

Doch fangen wir noch mal kurz vorne an – immerhin spiegelt die Ausstellung das gesamte Werk Hundertwassers von seinen ersten Gemälden an der Kunstakademie bis zu seinen Gebäudeentwürfen wider. Im unteren Bereich der Ausstellung sind Gemälde, Teppiche und Grafiken zu sehen – vom „Porträt meiner Mutter“ des 20-jährigen Künstlers bis zu „La Giudecca Colorata“ einem Portfolio mit fünf Seriagrafien aus dem Jahr 2011, auf denen die typischen Zwiebeltürme ebenso wiederzufinden sind wie die Fenster. Apropos Fenster, eines der kleinen Highlights für mich ist das „SOS Fensterrecht“, in dem die Betrachter aufgefordert werden, Hundertwasser zu schreiben, wenn sie unzufrieden sind mit ihrer „dritten Haut“. Ich habe gleich eine Geschichte im Kopf, mal sehen, ob ich sie noch schreiben werde. Auf jeden Fall werde ich noch mindestens ein weiteres Mal die Ausstellung besuchen, die bis zum 10. Mai zu sehen sein wird. Wegen des Fensterrechts, der Bilder aber auch der Modelle und Exponate in den oberen Etagen.

Nun muss ich gestehen, ich liebe sowohl Spiegelungen. Deshalb könnte ich mich allein bei den Modellen der Hundertwasser-Gebäude stundenlang aufhalten. Dank der ausgeklügelten Lichttechnik und der dunklen Wände spiegeln sich die Zwiebeltürme und farbigen Fassaden der Modelle in den Scheiben auf vielfältige Weise. Falls ich also in den nächsten Monaten verschollen sein sollte, lohnt es sich mal im Osthausmuseum nachzuschauen. Auf dem Kompost-Klo werde ich wohl eher nicht verweilen, aber bei der Pflanzenkläranlage könnte ich auch sein – oder vor einem der Bilder mit oder ohne die Hundertwasser-Spiralen, je nach Stimmung eher knallbunt oder gedeckt, aber trotzdem meditativ und entspannend, weil man immer neue Kleinigkeiten entdeckt.

Eine Ausstellung, deren Besuch man nicht verpassen sollte. Als Erinnerung gibt es einen wunderschönen Katalog mit den meisten Exponaten und interessanten Artikeln, dem Hundertwasser wie mit den farbigen Wänden in der Ausstellung und dem Naturbewusstsein in der Welt mit schwarzen Seiten seinen Stempel aufgedrückt hat.

Weitere Informationen: www.osthausmuseum.de

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