(11.12.2013) Dieses Buch hätte ich definitiv verpasst, wäre ich nicht Albschreiberin geworden. Es ist der Beweis dafür, dass es sich lohnt, auch außerhalb der Buchhandlungen – ob offline oder online – nach interessanten Büchern Ausschau zu halten. Dabei liebe ich Romane, die auf historischen Tatsachen beruhen und Graf Zeppelin begleitet mich, seit mich in Echterdingen mein Spaziergang über die Felder mindestens einmal in der Woche am Absturzort des legendären LZ 4 vorbeiführte.

Kein Wunder, dass ich mich vom ersten Satz an in dem Buch heimisch fühlte: „Die Felderebene bei Echterdingen unweit von Stuttgart“. Sofort sah ich die Felder vor mir und das Denkmal, mit dem zwischen Echterdingen, Stetten und Bernhausen ganz in der Nähe der B 27 an den Absturz gedacht wird. Ja, das Buch beginnt am Ende oder Fast-Ende der Ära der Zeppeline. Die ersten Seiten lassen den 5. August 1908 wieder auferstehen, als das Luftschiff wenige Stunden nach glücklich erfolgter Landung durch einen Sturm (auf dem Boden, wohlgemerkt) nahezu vollständig zerstört wurde.

Ferdinand Graf Zeppelin schien am Ende. Dabei hatte er jahrzehntelang für seinen Lebenstraum gekämpft und seine sämtlichen finanziellen Mittel in das Projekt eingebracht. Diese Geschichte wird im Hauptteil des Buches erzählt. Wie er schon als junger Mann die Idee zu einem lenkbaren Luftschiff hatte, wie er sich eine Abfuhr nach der anderen holte, wie er immer wieder zu scheitern drohte und dennoch nach kurzem Wanken weitermachte.

Wir wissen heute, dass er mit seiner Vision die Grundlage für ein Weltunternehmen schuf. Schon für diesen unerschütterlichen Glauben an seine Idee und das Vorbild, trotz aller Unbill weiterzumachen, gebührt Ferdinand Graf Zeppelin ein Platz in der Geschichte der Menschheit. Von diesem Kampf erzählt Gunter Haug in diesem Buch, er hat dafür unzählige Quellen ausgewertet, nicht zuletzt Tagebuch und Briefe von Graf Zeppelin und konnte so eine Geschichte entwickeln, die nah an der Realität ist. Da ist es unwichtig, ob Dialoge wirklich genauso stattfanden, die innere Botschaft ist wichtig.

Nun konnte der Autor sein Buch aus heutiger Sicht schreiben, er weiß, wer sich einen Platz in der Geschichte gesichert hat. Das macht den „Tatsachenroman“ zusätzlich interessant, begegnen einem doch am Rande Persönlichkeiten, deren Unternehmen uns heute geläufig sind, allen voran Gottlieb Daimler und Robert Bosch, an deren persönlichem Zwist Zeppelins Mission fast gescheitert wäre, zumindest wurde sie dadurch verzögert. Auch unter den Förderern bzw. Gegnern findet sich so mancher Name, der uns aufhorchen lässt. Dass sich für Technik-Interessierte die Lektüre lohnt, versteht sich von selbst, werden doch immer wieder die technischen Finessen und Probleme dargestellt, über die ich manchmal, das gebe ich zu, hinweggelesen habe. Mich hat vor allem der Mensch interessiert. Und die Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. So habe ich mit Überraschung gelesen, dass es der Bruder von Graf Zeppelin war, der das Insel-Hotel in Konstanz gegründet hat. Ich mag nun einmal „Geschichten mit Info-Tüpfelchen“ und von solchen Info-Schnipseln gibt es unzählige in diesem Roman, der in diesem Jahr im Landhege Verlag (www.landhege-verlag.de) erschienen ist.

Wie viel Wahrheit und wie viel Fiktion steckt in dem Buch über Graf Zeppelin?
Alle Daten, Namen und Ereignisse sind „wasserdicht“ in den Archiven recherchiert – das garantiere ich meinen LeserInnen als Historiker auch grundsätzlich – fiktiv sind nur die Gespräche, die es dennoch (nach meiner Überzeugung) so gegeben hat – wenngleich auch in einem anderen Sprachduktus natürlich

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?
Das dauert immer ein Jahr – ein halbes Jahr Recherche, ein halbes Jahr Schreiben – wissen muss ich schon drei Jahre vorher, was da kommen wird.

Was ist Ihnen beim Schreiben des Buches am schwersten gefallen?
Eigentlich – wie immer – die Technik zu begreifen. Denn ich bin ja kein Techniker, muss aber über die Dinge doch einigermaßen sicher Bescheid wissen, sonst kann ich diese nicht schildern. Und ich kann meinen LeserInnen ein umständliches Technikkauderwelsch auch nur dann ersparen, wenn ich die Dinge andersrum beschreiben kann – dazu aber muss ich zunächst einigermaßen darüber Bescheid wissen. Mir geht es ja viel mehr um die Menschen und ihre Geschichten, die dann diese faszinierende Technikgeschichte geschrieben haben