Auf dem Campus der Fernuni(01.10.2015) Bei meiner Entscheidung für den Umzug von Bochum nach Hagen war letztlich ausschlaggebend, dass Hagen der Sitz der FernUniversität ist. Das heißt, Hagen wird über die Stadtgrenzen hinaus mit Bildung in Verbindung gebracht. Als promovierte Erziehungswissenschaftlerin fand ich das angenehm. Heute weiß ich, dass es noch viele weitere außergewöhnliche Dinge sind, die Hagens Einzigartigkeit ausmachen. Wenn ich aber jemandem erklären muss, in welcher Stadt ich wohne, höre ich mich weiterhin oft sagen: „In Hagen, der Stadt der Fernuni.“ Richtig müsste ich sagen, der einzigen staatlichen Fernuniversität in Deutschland und der Hochschule mit den meisten Studenten. 77.000 Studierende waren 2014 an der Fernuni eingeschrieben, das ist fast das Doppelte der Studenten in Münster.

Der Weg zur UnibibliothekIn Hagen merkt man davon nur wenig, denn es sind eben Fern-Studierende, die am heimischen Schreibtisch sitzen – oder im Büro, vielleicht aber auch im Park oder im Wartebereich eines Flughafens, im Zug oder … Das Besondere des Studiums und der Lehre an der Fernuniversität ist nämlich, dass man räumlich und zeitlich unabhängig ist und sehr flexibel sein kann. Übrigens ein Bonuspunkt, den Absolventen der FernUni in Bewerbungen einbringen. Sie müssen nicht mühevoll erklären, dass sie flexibel und engagiert sind. Wer das Studium an der Fernuni geschafft hat, ist das. Immerhin studieren rund 80 % der Absolventen neben ihrem Beruf her.

Grüne Zonen auf dem Fernuni-CampusAm 1. Oktober 2015 blickt die FernUniversität in Hagen auf 40 Jahre Lehrtätigkeit zurück und eine bewegte Geschichte, wie das Jubiläumsjahrbuch verrät. Ich habe es von der ersten bis zur letzten Seite gelesen und war fasziniert, welchen Weitblick sowohl der damalige Wissenschaftsminister Johannes Rau als auch die Hagener Landespolitiker Anfang der 70er Jahre bewiesen haben. Fraktionsübergreifend im Interesse Hagens übrigens! In der Festschrift wird Johannes Rau aus der Ansprache zum 25-jährigen Jubiläum zitiert: „Eskonntefür den Wissenschaftsminister gefährlich sein, morgens nach Düsseldorf zu fahren. Es konnte sein, dass Dieter Haak (MdL SPD) im Eingang stand, und wenn man ihm Gutes gesagt hatte und um die Ecke ging, stand da Willi Weyer (MdL FDP) …“ Aber Johannes Rau scherte sich nicht darum, das sieht man schon daran, dass er – während die anderen noch über die Einführung einer Bundes-Fernuniversität diskutierten – ein Konzept für eine Fernuniversität des Landes entwickelte und Nägel mit Köpfen machte. „Als die Finanzminister der Länder im Mai 1975 aus Kostengründen ’nein‘ zur Bundes-Fernuni sagten, hatte die NRW-Fernuni bereits zehn Professoren berufen.“ Vier Monate später waren bereits die ersten Studienbriefe an 1.330 Studierende verschickt – für die ersten Fachbereiche Erziehungswissenschaft, Mathematik und Wirtschaftswissenschaft. Zum offiziellen Start des Wintersemesters 1975/76 am 1.Oktober 1975 wurde der Betrieb aufgenommen.

Ja, damals wurden noch Briefe verschickt. Bis zu 8.000 Studienbriefe täglich wurden es in den kommenden Jahren. Kein Wunder, dass das Schild „Poststelle“ auf dem Campus noch heute weithin gut zu lesen ist. Auch wenn heute die Kommunikation mit den Studierenden vor allem online erfolgt. Bis dahin war es ein weiter Weg, der nicht immer leicht war. Auch, weil sich das Hochschulwesen samt der Finanzierung grundlegend geändert haben. Die FernUniversität in Hagen hat diesem allen getrotzt und genießt heute einen guten Ruf bei Studierenden, Lehrenden, in der Verwaltung – und in Hagen. Neben allen anderen Aufgaben hat sich der amtierende Rektor gerade dafür eingesetzt, dass Hagen von den Bürgern akzeptiert wird. Ob das die Öffnung der Unibibliothek oder der Mensa ist, das Campus-Fest oder die Reihe von Veranstaltungen – die FernUni gehört für viele Hagener heute selbstverständlich zur kommunalen Identität. So selbstverständlich, dass sie es manchmal nicht einmal merken. © Birgit Ebbert

Das Jubiläumsjahrbuch kann übrigens hier als PDF heruntergeladen werden