(12.05.2014) Bei der Vorbereitung auf meine Lesung zum Thema „Lebenstraum“ in der Kooperative K am kommenden Sonntag habe ich endlich wieder einmal in den Unterlagen meines Projekts Kindheitstraum gestöbert. Dabei habe ich mich an die E-Mails erinnert, die ich vor fast drei Jahren mit Melanie Waelde gewechselt habe. Ich hatte damals ihren Kurzfilm „Kindheitstraum“ entdeckt und wollte wissen, was und wer dahinter steckte. Ich landete bei Melanie Waelde, die nicht nur den Film über den Kindheitstraum eines Vaters vom Fliegen und eines Kindes von der Zuwendung des Vaters gedreht hat, sondern selbst dabei ist, ihren Kindheitstraum zu erfüllen.

Ich war neugierig, ob ihr Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist oder ob sie ihn ad acta gelegt hat und heute Zahnmedizin oder BWL studiert. Dem ist nicht so – schon die erste Google-Suche zeigt, dass Melanie Waelde weiter an ihrem Kindheitstraum arbeitet, ach was, sie hat ihn sich in kleinen Teilen schon erfüllt. Im wahrsten Sinne des Wortes in kleinen Teilen, denn ihre Kurzfilme finden sich unter den Preisträgern von Wettbewerben, in den Nominierungslisten von Kurzfilmtagen und die Liste der Kunden, für die sie Filme dreht, ist auch stattlich.

Melanie Waelde (Foto: Samuel Hölscher)

Ehe sie erklärt, wie es dazu kam, ein kurzer Blick zurück: Melanie Waelde kommt aus einem kleinen Ort in der Nähe von München. Als Schülerin hat sie entschieden, dass sie Filme machen möchte, um mit Bildern zu sagen, was ihr wichtig ist und was man mit Worten vielleicht gar nicht ausdrücken kann. Sie begann kleine Filme mit der Videokamera zu drehen und zog, um ihr Ziel zu erreichen, mit 17 von München nach Berlin, um am Babelsberger Filmgymnasium das Abitur zu machen. Das Besondere an dieser Schule ist, dass neben den herkömmlichen Fächern alles, was mit Filme machen zu tun hat, auf dem Stundenplan steht. Es gibt Wettbewerbe, Projekte und AGs für die angehenden Filmemacher. Die Schule und Melanies Geschichte haben mich übrigens zu einem Jugendroman inspiriert, den ich leider noch nicht realisieren konnte, aber irgendwann wird auch dafür die Zeit reif sein. Zurück zu Melanie und ihrem Kindheitstraum.

Nach einem sehr guten Abitur durfte Melanie an der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen ein Gastsemester absolvieren, was eine besondere Auszeichnung ist, weil man dort regulär nur nach einer Aufnahmeprüfung studieren darf. Dabei stellte sie fest, dass sie nicht nur fremde Geschichten umsetzen, sondern eigenen Geschichten Leben geben wollte und bewarb sich um einen Studienplatz im Bereich „Drehbuch“, den sie auch erhalten hat. Seit dem Herbst 2013 studiert sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.

Melanies Filmfamilie
v. l. n. r. Jessica Schneller, Sebastian Muxeneder,
Melanie Waelde, Marcel Bonewald, Svenya Cheyenne

Doch wie das so ist, wenn man einem Lebenstraum folgt, sitzt man nie herum und dreht Däumchen oder wartet, dass etwas geschieht. Auch Melanie Waelde hat freie Zeiten genutzt, um möglichst viel von der Filmwelt mitzubekommen – sie hat als Set-Runner bei einem ZDF-Film gearbeitet und war Praktikantin in einer Casting-Agentur. Jede Aufgabe hat ihr wertvolle Eindrücke von den Abläufen bei der Filmproduktion vermittelt. Kein Wunder, dass es sie irgendwann danach drängte, selbst wieder aktiv zu werden. Zum Glück hatte sie im Rahmen eines Jugendförderprogramms Fördermittel für einen Kurzfilm erhalten und konnte sich an die Arbeit machen. So entstand der Film „Irrdisch“, mit dem sie bei vielen Festivals vertreten war und für den sie einige Auszeichnungen bekommen hat.

Schon beeindruckend, was sich da in zweieinhalb Jahren getan hat – ich werde auf jeden Fall verfolgen, wie es mit Melanie weitergeht und vielleicht treffen wir uns sogar einmal beim Hagener Kurzfilmfestival EatmyShorts, das – nebenbei bemerkt – am 21. November 2014 in die zweite Runde gehen wird. © Birgit Ebbert

Zwei Fragen haben mich besonders interessiert, zu denen lasse ich Melanie Waelde am besten selbst zu Wort kommen:

Wie kommt es, dass du heute nicht mehr Regie führst, sondern auch Drehbücher schreibst?
Bei unseren bisherigen Kurzfilmprojekten habe ich auch die Drehbücher geschrieben, aber immer in Rücksprache mit dem restlichen Team. Da war ich also weder wirklich Drehbuchautor, noch Regisseur oder Produzent oder irgendetwas. Wir waren alle einfach nur Filmemacher und haben zusammen angepackt, um am Ende einen Film zu erschaffen. Ich glaube, dass Filme nur gemeinsam entstehen können und dass auch ein Drehbuch nicht nur aus einer Feder stammen kann.
Am Schönsten ist es, wenn mehrere Menschen die gleiche Vision teilen und das am besten von Anfang an. In welcher Position ich dabei bin, ist mir nicht so wichtig. Das Ergebnis, also der Film, steht an erster Stelle, der Rest kommt danach.

In einem Interview hast du gesagt, du wolltest nicht Buchautorin sein – aber was ist der Unterschied zwischen Drehbuch und Buch?
Ein Drehbuch verschwindet hoffentlich irgendwann und bleibt als Film zurück. Ein Buch steht immer für sich.
Romane sind eine ganz andere Ausdrucksform. Ich denke nicht wirklich in Texten, sondern viel mehr in Bildern. Prosa zu schreiben ist für mich richtig schwer.
Bei Drehbüchern kann ich sehr beschreibend arbeiten. Ich kann Situationen und Handlungen setzen und muss kein Wortakrobat sein. Meist mache ich mir keine allzu großen Gedanken über Formulierungen. Sicher ist es wichtig, dass sich auch ein Drehbuch gut liest und nicht langweilt, aber eben auf eine andere Art. Sehr reduziert.
Und außerdem stelle ich mir Bücherschreiben irgendwie einsam vor. Drehbücher schreibe ich nie alleine. Ideen habe ich auch nicht alleine. Das kommt immer im Dialog mit Anderen.

Weitere Informationen über Melanie Waelde und ihre Filmprojekte
Zum Kindheitstraum-Statement von Melanie Waelde
Melanie Waelde im Interview auf Youtube (Dezember 2012)