Ich gebe ja zu, als ich den Titel dieses Buches las, bin ich erst einmal blass geworden. Ich dachte, Birgid Hanke hätte auch über die Bücherverbrennung geschrieben. Erleichtert las ich, dass ihr Roman in einer anderen Zeit spielt, vor 200 Jahren nämlich. Das klang spannend, zumal ich mich kurz vor den Ferien mit einem Schüler den napoleonischen Koalitionskriegen und der Zeit in Deutschland genähert hatte. Also habe ich es gelesen, ach was, verschlungen, weil ich wissen wollte, wie die Geschichte endet. Ja, ich weiß, im Klappentext steht, was aus dem realen Vorbild der Hauptfigur, Eleonora Prohaska, wurde. Aber wie, wann, warum und vor allem unter welchen Umständen, das war nicht klar. Auch nicht, als ich zwischendurch nach ihr gegoogelt habe, um herauszufinden, wie viel von der Geschichte wahr ist.
Doch zur Story: Eleonara ist eine junge Frau, die durch ihre wunderbare Stimme die Aufmerksamkeit einer Adelsfamilie auf sich zieht. Die Gräfin nimmt sie in ihre Familie auf, sehr zum Missfallen ihrer Schwiegertochter, und sorgt dafür, dass Eleonoras Stimme ausgebildet wird und sie auch sonst die gleiche Bildung genießt wie ihre Enkelinnen. Für Eleonora, die in ihrer Kindheit mehr Missachtung als Liebe erlebt hat, ein Traum, der ein jähes Ende nimmt, als ihre Gönnerin stirbt. Auch, wenn Eleonora danach fast das Vertrauen in die Menschen verliert, glaubt sie weiter an die Kraft der Liebe, die ihr schließlich zum Verhängnis wird.
Eine mitreißende Geschichte, gespickt mit vielen historischen Details, durch die es Birgid Hanke gelingt, mit ihrem Roman quasi ein „Sittenbild“ der Adelsgesellschaft am Anfang des 19. Jahrhunderts zu zeichnen. Unbedingt lesenswert.
Für mich der einzige Wermutstropfen, dass es am Ende des Buches keine Nachschau gibt, in ich erfahre, welcher Teil der Geschichte historisch belegt ist und wo die Autorin ihre Fantasie walten lassen durfte.
Zum Ausgleich dafür hat Birgid Hanke mir meine drei drängendsten Fragen zum Buch beantwortet. Mit diesem Roman hat sie sich übrigens einen lang gehegten Wunsch erfüllt, nämlich ihre Schreib-Arbeit als erfolgreiche Sachbuchautorin mit ihrer zweiten Schreibleidenschaft, dem Erfinden von Herzschmerz-geschichten, zu verbinden.

1. Was hat dich veranlasst über Eleonore Prohaska zu schreiben?
Das Thema wurde von meinem Agenten an mich herangetragen. Ich hatte den ganzen Kontakt schon längst ad acta gelegt, als er sich völlig unerwartet bei mir meldete, mich auf den Wikieintrag von Eleonora P. hinwies und mir die verhängnisvolle, für mich immer total gefährliche Frage stellte:
“Können Sie sich vorstellen, über diese Frau einen Roman zu schreiben?”
Ich antwortete: „Ich kann, da ich aufgrund meiner Recherchen für mein Schinkelbuch mit dieser Zeitepoche und Preußen doch recht vertraut bin.“

2. Wie viel von dem Leben der Eleonora Prohaska ist Fiktion und wie viel war Realität?
Realität sind nur die Eckdaten von Geburts-und Todestag und das wenige, was in Berlin und in Potsdam in den Archiven vorhanden vorhanden ist.
Echt ist das Briefzitat, denn diesen Brief, den sie an ihren Bruder schrieb, gibt es wirklich, ich habe den jedoch aus dramaturgischen Gründen etwas umgebogen, mehr verrate ich nicht. Und natürlich stimmen alle geschichtlichen Hintergründe, von denen ich erzähle.
Alles andere ist erstunken und erlogen, die Familie Prewitz zu Kirchhagen ist eine Erfindung von mir, ein Mischmasch der verschiedenen Adelsfamilien, dass der Alexander so schwach geworden ist, liegt an seinem Vorbild, dem jungen Graf Finkenstein, auf den die liebe Rahel so lange vergeblich hoffte.
Die Finkensteins waren eine sehr musikalische Familie mit zwei tollen gesanglich hochbegabten Komtessen, die mich inspiriert haben.
Mit Abstand die schwächste Figur ist Alexander, er ist eben ein Ashley. Aber Scarlett hatte sich in ihn verrannt, und gerade habe ich in Isabel Allendes (die ich nach 30 Jahren ganz überraschend neu für mich entdecke) Roman “Fortunas Töchter” eine noch schwächere Männerfigur entdeckt, der die Heldin jahrelang nachreist, um schließlich festzustellen, dass sie einem blutlosen Phantom folgte.
Die Gräfin Voss hat es gegeben, ihre Briefe sind eine Offenbarung, und die junge Luise hat wirklich hessisch gesprochen und war die Unpünktlichkeit in Person.

3. Wo und wie hast du für den Roman recherchiert?
Recherchiert habe ich ganz traditionell und wie ich es liebe mit Lesen, Lesen, Lesen, mir noch echte Bücher in den Bibliotheken holen, aber auch ganz viel im Internet, vor Ort in der Göhrde, in Dahlenburg, Nahrendorf, in Berlin und in Potsdam.

Weitere Informationen über die Autorin gibt es auf www.birgidhanke.de