(25.04.2015) Nach der Reise in die 50er vor zehn Tagen habe ich mich gestern mit Dario Weberg und 98 anderen Premieren-Besuchern in die 70er Jahre, die Zeit des Flowerpower, begeben und wieder viel Neues erfahren. Es hat mich selbst überrascht, dass ich von den Songs nur wenige kannte, während ich die Schlager aus der Jugend meiner Eltern locker mitpfeifen konnte. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass ich Anfang der 70er Jahre gerade mal sieben Jahre alt war und Ende der 70er Jahre  eher auf Disco-Musik und Liedermacher stand als auf die internationalen Charts.

Aber jetzt bin ich auf dem Laufenden und damit ich die Namen der Sänger, deren Songs Dario Weberg interpretiert hat, richtig schreibe, habe ich mich bei Flowerpower Popopcola gerade eben fix mal durch die Musikgeschichte der 70er Jahre gesurft. Doch fangen wir beim Einstieg in den Abend über Musik und Geschehnisse der 70er Jahre an.

Mit „All you need is love“ kam Dario Weberg in Schlaghose und orangefarbenem Schlabberhemd auf die Bühne. Ende der 70er waren solche Hemden auch im Münsterland in, daran erinnere ich mich. Und natürlich kenne ich „All you need is love“, bei dem das Publikum im voll besetzten Zuschauersaal gleich mitsang, -summte oder zumindest den Takt mitklatschte. So ging es letztlich bis zur letzten Zugabe „Movie star“, bei der selbst ich Kamera und Notizbuch wegpackte und mitschmetterte.

Dazwischen wurden wir durch die Höhen und Tiefen der 70er Jahre geführt, an den Erfolg bei der Fußball-WM 1974 ebenso erinnert wie an die Taten der RAF, aber auch an die autofreien Sonntage während der Ölkrise und andere vergessene Specials jener Zeit. Die größten Lacher in der ersten Hälfte erzielte, glaube ich, der Rückblick auf die Aktion „Sex ist mies“. Da würde mich wirklich interessieren, was die Vertreter dieser Aktion heute so sagen und denken.

Die Highlights aber war natürlich die Songs jener Zeit, die Dario Weberg mit kleinen persönlichen Erinnerungsgeschichten verband. Manche Lieder hatte ich noch niemals gehört, wie gesagt, immer eher ein Fan von Liedermachern als internationalen Hits, andere gehörten in meiner Gitarrenphase zum Repertoire, sodass ich sogar textsicher mit dem restlichen Publikum in den Refrain einstimmen konnte. Das waren Lieder wie „In the Ghetto“ oder „Heart of Gold“, „Knockin‘ on Heaven’s Door“ oder „Movie Star“. Bei „I Shot the Sheriff“, „Rock me Baby“ und den anderen Hits jener Zeit, die ich nicht kannte, habe ich mich zurückgelehnt, zugehört und die Bilder im Hintergrund angeschaut.

Apropos Bilder im Hintergrund – jedes Mal, wenn Fotos aus dem Hagen der 70er gezeigt wurden, setzte um mich herum hektisches Getuschel ein. Für mich erstaunlich, dass selbst ich alles wieder erkannt habe, weil sich zwar vieles geändert hat, aber auch einiges erhalten geblieben ist. Im Interview mit TV58 hat Dario Weberg übrigens aufgerufen, gerne weitere Fotos aus den 70ern zu schicken, wer also noch das eine oder andere in der Schublade hat, kann sich an info@theaterandervolme.de wenden.

Ergänzt wurden Songs und Fotos um Reminiszenzen an das Fernsehprogramm der 70er, bei dem ich dann aber doch mitreden konnte. Sogar an den „7. Sinn“ kann ich mich erinnern und natürlich an Columbo, Kojak, Quincy und die anderen amerikanischen Serien. Nicht zu vergessen „Je später der Abend“, wobei ich mich darüber doch wundere, wie spät war der Abend denn, als Dietmar Schönherr & Co. talkten?

Ein unterhaltsamer und vergnüglicher Abend mit einem schönen Wechsel aus Bekanntem und Unbekanntem, Informationen und Musik, den man sich gönnen sollte. © Birgit Ebbert

Termine, Karten und weitere Informationen www.theaterandervolme.de

Interview mit Dario Weberg und visuelle Eindrücke im YouTube-Channel von www.tv58.de