(10.10.2019) Das kommt davon, wenn man nach der Präsentation eines Projektes direkt zum nächsten Termin und dann sogar an einen anderen Ort zum nächsten Termin eilt. Das Projekt rückt nach hinten, dabei war das ein so tolles Projekt, dass ich es schon für mich hier im Blog festhalten möchte. In den Sommerferien habe ich mich mit elf Kindern und Jugendlichen auf besondere Weise dem Thema „Bauhaus“ genähert. Form & Farbe hieß der Workshop der Stadtbücherei Hagen im Rahmen des Kulturrucksacks und das ist dabei herausgekommen 🙂

Annäherung an Bauhaus

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden die Kinder gleich, ehe wir ein Wort über das Bauhaus gesprochen hatten, mit der Umfrage von Wassilji Kandinsky zur Verbindung von Farbe und Form konfrontiert. Kandinsky hatte am Bauhaus die Studierenden gefragt, welcher Form (Kreis, Quadrat, Dreieck) sie die Grundfarben zuordnen würden. Entsprechend hatte ich ein Arbeitsblatt vorbereitet, auf dem die TeilnehmerInnen die Formen in den drei Grundfarben ausmalen sollten. Bei der Auswertung zeigte sich, dass es deutliche Mehrheiten für den blauen Kreis und das gelbe Dreieck gab, allerdings nur eine kleine Minderheit für das rote Quadrat. Wer weiß, vielleicht hat Kandinsky dem Quadrat auch nur die Restfarbe zugeordnet 🙂 Schon waren wir mitten im Thema Bauhaus. Ich habe allerdings darauf verzichtet, einen Vortrag zu halten oder halten zu lassen. Wir haben die Kinder gebeten, mithilfe von Ipads, dem Programm StickyNotes sowie Büchern und Internetseiten selbst herauszufinden, was es mit dem Bauhaus auf sich hat. Dabei kamen schöne Präsentationen heraus, die teilweise schon den späteren Auftrag im Workshop mit bedacht hatten.

Worken, werken und ein bisschen schreiben

Nun muss ich eine kleine Panne beichten, in der Ausschreibung des Workshops war irgendwie untergegangen, dass die Kinder auch schreiben, stattdessen hatte sich eine erste Projektidee dort eingenistet. So ist das im digitalen Zeitalter. Das bedeutete, dass die TeilnehmerInnen alle Bastelfans, aber nur zum Teil Schreibfans waren. Wir haben daher etwas weniger geschrieben, als ich vorgesehen hatte, und mehr geschnitten, geklebt und gestaltet. Da ich auch gerade auf dem Kreativtrip bin, war das ok und ein paar Texte habe ich ihnen ja doch abgeluchst J Geschichten, in denen Kreis, Dreieck oder Quadrat eine Hauptrolle spielten, Gedichte und experimentelle Texte rund um Form und Farbe und eine Beschreibung ihrer Kunstwerke, die noch immer im Schaufenster der Bücherei zu sehen sind. Die Aufgabe bestand nämlich darin, ein Schaufenster zum Thema Bauhaus zu gestalten.

Aus meiner ersten Idee, die Kinder in einem Schuhkarton ein Muster-Schaufenster erstellen zu lassen und daraus ein gemeinsames Fenster zu entwickeln, war schon vor dem Workshop weggefallen. Stattdessen sind im Schaufenster alle elf Schuhkarton-Schaufenster zu sehen, die zeigen, was die teilnehmenden Kinder mit Bauhaus verbinden. Um ein Gefühl für den Aufbau eines Schaufensters zu bekommen, haben wir uns Hagener Schaufenster angeschaut – das war sehr spannend, ich hätte mir gewünscht, dass die Einzelhändler hätten mithören können. Da wurde kein Blatt vor den Mund genommen: „Das ist zu voll!“, „Worum geht es denn da überhaupt?“ waren ebenso zu hören wie „Das ist schön aufgeräumt!“, „Da weißt man gleich, was der verkauft.“ Ein wirklich spannendes Projekt, bei dem ich wieder viel gelernt habe und an dessen Ende alle endlich eine Vorstellung hatten, was es mit Bauhaus auf sich hat, auch wenn sie manches nicht so toll fanden 🙂 © Birgit Ebbert