Freiburger Studentinnen

(09.03.2014) Zum gestrigen Frauentag habe ich mich im Haus der Geschichte Baden-Württembergs über die „Frauen im Südwesten“informiert. Im Haus der Geschichte war nicht nur anlässlich des Frauentages der Eintritt frei, es gab auch eine Führung, deren Teilnahme sich wirklich lohnt. Zusammen mit sechs anderen Frauen bin ich einigen Baden-Württembergerinnen begegnet, die die Geschichte des Landes und die Frauengeschichte beeinflusst haben.

Am Frauentag in Stuttgart zu sein, passt übrigens gut, hat doch Clara Zetkin, die den Internationalen Frauentag 1910 ins Gespräch gebracht hat, viele Jahre in Stuttgart gelebt. 1919 und 1920 war sie sogar eine von 13 weiblichen Abgeordneten der Verfassungsgebenden Landesversammlung Württemberg, damals schon KPD-Mitglied, während sie vorher viele Jahre in der SPD aktiv war.

Die Führung begann mit einer kleinen Reise zurück in das Jahr 1790, als Baden-Württemberg noch in rund 200 Staaten aufgeteilt war, von denen die meisten von Männern gelenkt wurden. Ausnahmen bildeten allenfalls Frauenklöster wie das in Bad Buchau, das von einer Äbtissin, zuletzt Maria Maximiliana von Stadion, geleitet wurde, die zu jener Zeit in ihrem Sprengel das Sagen hatte.

Amalie-Zepheryne von Salm-Kyrburg

Vor allem aber haben wir Amalie Zepheryne Salm-Kyrburg kennengelernt, die mit dem Erbprinzen von Hohenzollern-Sigmarinen verheiratet war. Bei ihrer Heirat hatte sie erstritten, dass sie nicht ständig im Schloss Sigmarinen leben musste, sondern viel Zeit in Paris verbringen durfte, wo sie aufgewachsen war. Nach der Geburt ihres Sohnes änderten ihr Mann und seine Familie ihre Meinung. Fortan sollte sie in Sigmaringen Leben, mit Paris in keiner Weise zu vergleichen. Für Amalie Zepheryne undenkbar. Sobald es ging, ergriff sie die Flucht. Als Mann verkleidet, mit einem gestohlenen Pferd ihres Schwiegervaters. Ihr Glück war, dass die Staaten damals klein waren und sie nicht weit reiten musste, um vor der Verfolgung durch ihren Mann sicher zu sein. Sie schlug sich nach Paris durch, wo ihr Bruder lebte und geriet als Bürgerliche alsbald in die Wirren der Französischen Revolution. Und sie freundete sich in Paris mit einer der späteren Frauen Napoleons an. Diese Freundschaft sollte für das Fürstentum ihres Mannes von existenzieller Bedeutung werden. Durch ihre Kontakte gelangt es Amalie-Zepheryne bei der Aushandlung der Rheinbundakte 1806, die als Folge der verlorenen Koaltionskriege ausgehandelt wurde, die Unabhängigkeit des Staates Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen zu retten. Wenn man bedenkt, dass von den 200 Einzelstaaten neben Württemberg und Baden im Südwesten nur diese beiden Staaten übrig blieben, ist das eine große Leistung. Das Haus der Geschichte würdigt sie noch heute, indem es Amalie-Zepheryne und nicht ihren Ehemann mit einem Bild in der Ausstellung zeigt.

Von Öhringer Frauen bestickte Fahne

Auch in späteren Jahren gab es in Baden Württemberg rauen, die – oft mit kleinen Zeichen des Aufruhrs – dazu beitrugen, dass sich die Welt zum Besseren wendete. Ob das die Frauen Mitte des 19. Jahrhunderts waren, die Revolutionsfahnen stickten, oder Maria von Linden, die als erste Frau in Baden-Württemberg 1892 ein naturwissenschaftliches Studium durchsetzte. Kein leichtes Unterfangn, wie sich schon daran zeigt, dass die Herren der Uni Tübingen sich unter anderem Gedanken darüber machten, wann und wie die junge Studenten den Hörsaal betreten sollte – vor den männlichen Studenten oder nachher? Sicherheitshalber wurde sie noch aufgefordert, sich auch außerhalb der Universität sittsam zu verhalten, um das Image der Uni nicht zu beschädigen!

Auch in Sachen Schulbildung für Frauen hatte Baden-Württemberg die Nase vor. In Karlsruhe wurde das erste Mädchengymnasium in Deutschland gegründet, dem wenige Jahre später eine ähnliche Einrichtung in Stuttgart folgte, für die sich besonders Königin Charlotte engagiert. Leider kam Königín Charlotte in der Führung etwas zu kurz, aber dafür habe ich viele andere interessante Frauen kennengelernt, auch wenn ich nicht alles mitbekommen habe. Als wir den Raum durchquerten, der die NS-Zeit dokumentierte, blieb ich bei den Dokumenten zum Leben der Jüdinnen Hildegart Reinhardt und Elisabeth Steiner hängen, die das Konzentrationslager überlebt haben und deren Dokumente im Haus der Geschichte ausgestellt werden.

Ausweis von Elisabeth Steiner
mit Zwangszusatz „Sara“

Am Ende der knapp zweistündigen Führung hatte ich eine lange Liste von Frauen, über deren Leben ich mehr wissen möchte, viele Fotos – nicht nur von Frauen – und einige Ideen für Projekte. Nun bin ich gespannt, was mich heute erwartet. Am Nachmittag werde ich den Vortrag eines Zeitzeugen besuchen, der James Stirling, den Erbauer der Staatsgalerie erlebt hat. Ob ich den Vormittag auf Schloss Solitude oder auf dem Rotenberg verbringen werde, weiß ich noch nicht. In jedem Fall werde ich die Sonne genießen! © Birgit Ebbert

Haus der Geschichte Baden-Württemberg