Frieda (Ariane Raspe) im Gespräch
mit Victor Wolke (Stefan Peters)

(22.03.2024) Eines war am Ende der gestrigen Uraufführung im Theater an der Volme klar: Frieda alias Dr. Friederike Schulz würde ich ganz sicher nicht wählen. Applaudieren für die gelungene Premiere – ja, den Autor beneiden, dass sein Stück aufgeführt wurde – ja, aber eine Politikerin oder einen Politiker wie Frieda wählen – nein danke!

Dabei ist Frieda zwar eine erfundene Figur, von der Realität aber soooo weit nicht entfernt. Gab es da nicht den Politiker, dessen Seitensprung in großen Lettern auf der Titelseite der Zeitung stand? Und haben wir nicht schon von Politikern gehört, die sich ihr Eigenheim haben sponsern lassen, nachdem sie bei Entscheidungen für den Sponsor gevotet haben? Wurde nicht erst gestern wieder daran erinnert, dass beim Erwerb des Doktortitels einer Politikerin Schummeleien nicht ausgeschlossen waren?

Elmar Eisenstein (Stefan Schroeder) im Gespräch
mit Bürgermeisterin Dr. Friederike Schulz (Ariane Raspe)

Gut, dass im Programmheft ausdrücklich erwähnt wurde, dass Ähnlichkeiten purer Zufall wären. Sonst könnte man glatt auf Gedanken kommen. Auf die kommt man allerdings ohnehin, auch wenn Stefan Schroeder die Verfehlungen der Politikerin Frieda Schulz überzeichnet, damit das Stück nicht in eine Tragödie ausartet. Auch der Schluss, an dem er lange getüftelt hat, ist pfiffig und weist in einem Nebensatz daraufhin, dass sich auch hinter einer weißen Weste ein dunkler Fleck verbergen kann.

Das Publikum jedenfalls war begeistert von der Persiflage auf Politiker, die alles tun, um ihre Posten zu behalten. Dabei kann es passieren, dass sie sich unversehens in einem Netz aus Verpflichtungen wiederfinden, das sie dazu bringt, sich die politischen Gedanken des Wahlgegners zu eigen zu machen.

v.l.n.r. Egon Sinnheimer (Dario Weberg), Loretta von Kusel (Claudia Schmidt), Frieda (Ariane Raspe) und Tamara Komanchek (Sarah Pennisi)

Eine unterhaltsame Kömödie, die das Theater in der Volme als Uraufführung auf die Bühne brachte. Auch wenn ich mir Frieda als Person größer und wirkungsvoller gewünscht hätte, hat Ariane Raspe sie doch überzeugend dargestellt, eher als kleines bissiges Mäuschen denn als Walküre, wie ich sie besetzt hätte. Bewundernswert ihre Monologe, bei denen sie zwischen Politikergeschwafel und tiefgründigen Gedanken wechseln musste. Die anderen Rollen waren mit Schauspielern besetzt, die für mich genau zum Typ passten, den sie darstellten:

  • Stefan Peters als Viktor Wolke, Friedas Liebhaber und persönlicher Referent des Gegenkandidaten, der am Ende …, ach das verrate ich lieber nicht,
  • Carola Schmidt als Schwester der Bürgermeisterin und Geisel, die am Ende …, upps, fast hätte ich schon wieder eine hübsche Wendung verraten,
  • Stefan Schroeder, der als Autor überzeugend in die Rolle des persönlichen Referenten Elmar Eisenstein geschlüpft ist und überzeugend,
  • Sarah Pennisi als Rundfunkjournalistin, die im rechten Moment für die richtigen Meldungen sorgt
  • Daro Weberg, der als Friedas Bruder und schwarzes Schaf der Familie für eine besondere Note in dem Stück sorgte.
v.l.n.r. Viktor Wolke (Stefan Peters), Frieda (Ariane Raspe), Franziska Sinnheimer (Carola Schmidt)

Kurzum: Wieder einmal ein kurzweiliger Abend im Theater an der Volme, die kleinen Pannen, die es angeblich gegeben hat, habe ich zumindest nicht bemerkt, sie motivieren mich aber, das Stück vielleicht doch noch einmal anzusehen. Gelegenheit wäre am 5. und 27. April. © Birgit Ebbert

Informationen zum Theater an der Volme samt Spielplan und Stückübersicht: www.theaterandervolme.de

Informationen über den Autor Stefan Schroeder: www.stefan-schroeder-theater.de