(25.09.2018) Frieda ist wieder da! Besser gesagt: Die Friedas sind wieder da! Ganz korrekt: Lena-Frieda und Oma Frieda 🙂 Ja, genau, die kleine und die große Frieda aus der Hörgeschichte „Oma Frieda, die Erfinderin“ von Andrea Behnke, die der SWR vor einiger Zeit ausgestrahlt hat. Ich habe mich damals gleich in das Mädchen und die Oma verliebt, weil sie so taff waren und freue mich, dass es nun ein ganzes Buch über sie gibt: Frieda und das Glück der kleinen Dinge, erschienen im Südpol Verlag.

Von Obermagneten und kleinen Fliegen

Bis zum Wechsel in die weiterführende Schule ging es Lena-Frieda gut. Sie hatte eine tolle Freundin, eine coole Oma, Eltern, mit denen man es aushalten kann und wusste genau, was sie einmal werden möchte, wenn sie groß ist: Forscherin. Und dann kommt der erste Tag in der neuen Schule. Ohne ihre beste Freundin, denn die ist in den Ferien weggezogen, so weit weg, dass es fast einen Tag dauert, sie zu besuchen. Natürlich schreiben sich die beiden Briefe, aber in die neue Schule muss Lena-Frieda alleine. Und das ist kein Vergnügen, denn in der Klasse geben drei Mädchen den Ton an, die „Obermagneten“, die Lena-Frieda eigentlich abstoßen, aber auch doch irgendwie anziehen. Deshalb können die drei sie auch mit ihren bösen Lästereien treffen. Lena-Frieda ist nun mal kein Mädchen, das Glitzersachen trägt und sich für Glitzerdinge interessiert, sie zieht sich praktisch an wie eine angehende Forscherin eben, die überall spannende Sachen findet. Zum Glück ist da Lukas, der sich für ähnliche Sachen interessiert. Nach der Schule verbringt Lena-Frieda viel Zeit bei ihrer Oma, die Forscherin war und vermutlich der einzige Mensch ist, der Fruchtfliegen spannend und nicht lästig findet. Bei ihr gibt es immer etwas zu entdecken über die Welt und das Leben der Oma.

Eine spannende Lektüre mit viel Einblick in die Kinderseele

aus: Andrea Behnke: Frieda und das Glück der kleinen Dinge. Südpol 2018, S. 24 – 🙂 Ratet mal, weshalb ich diese Vignette als Beispiel gewählt habe 🙂

Hätte ich mich nicht schon vorher in Lena-Frieda verliebt, hätte ich das Buch auf jeden Fall lesen wollen, weil es eines der schönsten Cover hat, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Ok, mein Blick hat sich verändert, seit ich Papier falte, bin ich aus dem Häuschen, wenn ich kleine Muster sehe 🙂 Aber mit dem Cover hat der Verlag genau den Kern der Geschichte und den Stil von Andrea Behnke getroffen. Sie schafft mit wenigen Worten und kurzen Sätzen Bilder und Szenen und gibt mit ihrer Schreibweise einen Einblick in die Seele ihrer Figuren. Sie lässt die LeserInnen die Zerissenheit von Lena-Frieda miterleben, die eigentlich genau weiß, wo sie steht und was sie will und dann durch den Verlust der Freundin und die Begegnung mit den gehässigen Mädchen ins Wanken gerät. Eine Situation, die sicher viele Kinder erlebt haben, deshalb hoffe ich, dass das Buch endlich mal die immer gleichen Schullektüren ablöst, die seit Jahrzehnten über meinen Lernbegleiterinnen-Tisch gingen. Zumal auch die Sprache viele Anknüpfungen für die Bearbeitung findet, vor allem ihre Wortschöpfungen vom „Obermagneten“ bis zum „Lachchor“. Sehr schön sind auch die Kapitelüberschriften, die durch zauberhafte Vignetten illustriert werden. Das ist ein Buch, das man gerne liest, das Spaß macht und nachdenklich stimmt und „das Glück der kleinen Dinge auch vermittelt“. © Birgit Ebbert

Andrea Behnke: Frieda und das Glück der kleinen Dinge. Südpol 2018

Von Andrea Behnke wollte ich ein bisschen mehr über ihr Buch und ihr Schreiben wissen:

1. Wie entstehen in deinem Kopf Figuren wie Frieda und ihre Oma?
Normalerweise fliegen mich Figuren an. Ich denke sehr visuell. Da kann es passieren, dass ich umhergehe und plötzlich ein Bild im Kopf habe. Daraus entsteht dann eine Idee mit ihren Figuren. Oder aber ich sehe draußen „echte Menschen“, die ich nicht kenne, und die dann in mir lebendig werden.
Bei Lena-Frieda und ihrer Oma war es etwas anders. Ich hatte der damaligen Redakteurin vom SWR-Spielraum geschrieben, dass ich gerne mal eine Dachbodengeschichte schreiben möchte. Mit einer Oma und ihrer Enkelin. Und dass ich an Fundstücken vom Dachboden dann gerne die Geschichte der Oma aufrollen möchte. Die Redakteurin fand eine Generationengeschichte klasse. Plötzlich dachte ich an eine Erfinderoma. Auch das fand Anklang, aber die Redakteurin hatte einen Einwand: „Bitte eine realistische Oma und nicht so eine schräge Erfinderoma, die selbstzubindende Schnürsenkel erfindet.“ Also habe ich recherchiert und bin dann bei der Oma als Biologin gelandet.

2. Welches deiner selbst erfundenen Wörter magst du am liebsten?
Oh, das ist ja eine schwierige Frage. Ich spiele einfach gerne mit Sprache und mag die meisten Wörter 😉 In diesem Buch gefällt mir Ziehharmonikagrinsen besonders.

3. Wie war es, aus einem Hörstück ein ganzes Buch zu schreiben?
Bisher war ich eher die Kurzstrecken-Schreiberin: Ich habe viele Bücher mit Vorlesegeschichten geschrieben, Hörgeschichten fürs Radio und Bilderbücher. Nachdem ich einen Roman in Einfacher Sprache geschrieben habe, war die Frieda mein erster Roman für Kinder. Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte so viele Leerstellen hat, die ich füllen kann. Dennoch hatte ich erst Respekt vor den vielen Seiten, das Buch ist ja 10 x länger als das Hörstück. Doch als ich einmal drin war, hat sich die Geschichte verselbstständigt. In dem Buch sind viele Figuren und Handlungsstränge, die es in dem Hörstück, das ja nur eine Viertelstunde lang war, nicht gab. Lukas, eine sehr wichtige Figur, ist komplett neu, ebenso Rike und die Freundin von Nele, auch die „Ziegen“ wurden im Hörstück nur angerissen. Im Grunde hat das Hörstück nur die Grundidee gegeben.

Eine kleine Nachbemerkung: Eigentlich wollte ich keine Bücher mehr rezensieren, aber bei diesem Buch bin ich meinem Vorsatz untreu geworden, zum einen weil ich Andrea Behnke gut kenne und Frieda mich in Mails seit langem begleitet, zum anderen aber auch, und weil ich finde, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes ist, da es ein Plädoyer dafür ist, man selbst zu sein und sich darin nicht beirren zu lassen. Der Südpol Verlag ist klein und hat nicht die Marketingpower großer Verlage, da ist jede Aktion, die das Buch unterstützt, wichtig.