Friedrich Fröbel als Vorläufer der Reformpädagogik(18.03.2016) Na? Wer von euch kann auf Anhieb sagen, wer Friedrich Fröbel war? Ich bin natürlich im Vorteil, weil eines meiner Themen in der Pädagogik-Prüfung lautete: „Die Bedeutung von Maria Montessori und Friedrich Fröbel heute“. Das ist fast 30 Jahre her und inzwischen hat sich viel getan. Es ist erstaunlich, dass jeder etwas mit Montessori anfangen kann, aber viele nicht wissen, wer Fröbel war, obwohl sie Fröbelsterne basteln, mit Fröbelstäbchen arbeiten, eine Fröbelschule besucht haben oder in einer Fröbelstraße wohnen. Deshalb habe ich mit besonders gefreut, als ich im Rahmen des Programms Creativa Professional auf der Creativa einen Vortrag über Friedrich Fröbel entdeckt habe. „Moderner Rebell“ hat Referentin Nadine Romankiewicz ihn genannt und in ihrem 30-minütigen Vortrag erklärt, warum er bzw. sein pädagogischer Ansatz heute mindestens so aktuell ist wie vor rund 170 Jahren.

Man ahnte es schon, Friedrich Fröbel war Pädagoge aus Überzeugung, obwohl er zunächst eine Landvermesser-Lehre gemacht hat und sich seine pädagogischen Ansichten eher autodidaktisch bzw. durch Erleben an der Pestalozzischule und Begegnungen mit Pestalozzi angeeignet hat. Johann Heinrich Pestalozzi war ein Schweizer Pädagoge, er gilt als einer der Vorläufer der Reformpädagogik. Er hatte bereits Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts die Vision, dass Erziehung und Bildung dafür Sorge tragen müssen, dass Kinder selbstbewusst und selbstständig werden. Dieser Gedanke fiel bei Friedrich Fröbel, der 1782 in Oberweißach geboren wurde, und am 21. Juni 1852 in Marienthal starb, auf fruchtbaren Boden. Er hatte selbst als Kind erlebt, dass die Erwachsenen in seiner Umgebung nicht auf ihn eingingen und ihn streckenweise sich selbst überließen. Ein Schicksal, das er anderen Kindern ersparen wollte und das ihn zum „Vater“ des „Kindergartens“ machte.

Friedrich Fröbel ist der „Vater“ des Kindergartens

Das Entwicklungskonzept von FröbelJa! Friedrich Fröbel hat die Idee des Kindergartens entwickelt und auch den Begriff geprägt. Er hat die Entwicklung eines Kindes mit dem eines Samenkorns verglichen, damit kannte er sich auch praktisch aus, weil er als Kind viel Zeit in der Natur verbracht hatte. Nadine Romankiewicz hat seine Idee in einer Folie sehr schön dargestellt. Da ist die Familie, die die Basis des Samenkorns bestimmt und da ist die Umgebung, die dafür sorgt, dass es sich zu einem Pflänzchen und später zu einer schönen Blume entwickeln kann. Wie eine Pflanze Wasser und Nährstoffe braucht, benötigt ein Kind Anregungen. Diese kann es nur von den Eltern oder von anderen Personen bekommen. Da er selbst erlebt hat, dass seine Eltern bzw. sein Vater und seine Stiefmutter an Anregungen gespart haben, schien ihm eine „Anstalt“, in der Kinder eben diese Anregungen erhalten, ein nötiger Weg. Die Idee des Kindergartens war geboren und machte sich langsam, aber stetig auf, die Welt zu erorbern – im wahrsten Sinne des Wortes. Auch heute noch orientiert sich die frühkindliche Pädagogik in den USA und in China eng an Fröbels Ansätzen, viel mehr als hierzulande. Damit sich das wieder ändert, haben Die Sachemacher daran gemacht, Fröbels Ansätze auf die heutige Zeit zu übertragen. Ein Thema, das mich auch gerade beschäftigt, es scheint wohl in der Luft zu liegen – falls also ein Verlag gerade eine Autorin zu dem Thema sucht, ich bin vorbereitet 🙂

Die Sachenmacher setzen Ideen von Friedrich Fröbel für heute um

Aus meiner Kindergartenmappe
Aus meiner Kindergartenmappe – selbst geprickelt 🙂

Die Umsetzung der Sachenmacher sieht vor allem so aus, dass sie zu Ansätzen Fröbels Materialpakete zusammenstellen, die mit Anregungen für den Einsatz in Kita, Schule und Elternhaus verknüpft sind. Dabei greifen sie vor allem den Aspekt des sprachbegleitenden Handelns bei Fröbel auf, der heute in Kitas eine immer wichtigere Rolle spielt. Fröbel legte Wert darauf, dass die Anleitungen zu den Bastelarbeiten sprachlich begleitet wird und zwar so, dass die Kinder sich die Anleitungen merken können. Zu dem Stoffball, der bei ihm die erste Spielgabe war, hat er zum Beispiel den Spruch vorgeschlagen: „Zu dir – zu mir. Jetzt rollt das Bällchen zu dir. Jetzt rollt es wieder zu mir. Zu dir, zu mir, zu dir, zu mir, zu dir, zu mir, zu dir.“ In Anlehnung an diesen Spruch haben die Sachenmacher passend zu Materialpaketen eigene Anregungen zur Sprachbegleitung entwickelt wie „Schau genau, triff den Punkt, piks das Loch – Nadel hoch!“ für den Umgang mit der Prickelnadel. 🙂 Ich merke schon, wie es bei manchem von euch im Kopf rattert. Prickeln, das hat man doch schon mal gehört. Genau, auf jeden Fall im Kindergarten, wo das Stechen kleiner Löcher mit einer Nadel in Karton früher zum Standardrepertoire gehörte. Weil man – zumindest zu meiner Kindergartenzeit – noch sehr eng nach Fröbel arbeitete. Da wurde geprickelt, mit Papier gewebt und gefädelt. Alles Dinge, die Fröbel schon vor 170 Jahren als förderlich für die Entwicklung eines Kindes beschrieben hat. Wer eines meiner Bücher über die Förderung von Vorschulkindern gelesen hat, dem kommt manches bekannt vor. Seine Ideen haben nämlich an Aktualität nichts verloren, da hat Nadine Romankiewicz ganz recht. Und wenn ich mir anschaue, was Kinder heute alles lernen sollen und was sie nicht lernen, dann scheint es mir fast so, als müsse man heute ein Rebell sein , um Fröbels Ansätze wieder mehr Geltung zu verschaffen. Ich habe mir das vorgenommen und ich wollte schon immer gerne eine Rebellin sein, seit ich als Kind den Shirley Temple-Film „Der kleine Rebell“ gesehen habe 🙂

Papier flechten für die Feinmotorik
Noch mehr aus meiner Kindergartenmappe – selbst gewebt 🙂

„Die Sachenmacher“ gehört übrigens zum Kindergartenausstatter Wehrfritz. Seit fast 20 Jahren entwickeln sie Konzepte für die kreative Arbeit vor allem in pädagogischen Einrichtungen. Der Stand war mir schon vor dem Vortrag dadurch aufgefallen, dass es dort einige sehr moderne Bastelmodelle gab, zu denen man – das habe ich erst auf dem zweiten Blick gesehen – Bastelpakete mit den nötigen Materialien und den Anleitungen bestellen kann. Ich habe einen Katalog mitgenommen und schon eine lange Liste, was ich alles bestellen möchte, und Anregungen, was man noch machen könnte. 🙂 Vielleicht bewerbe ich mich als „Sachenmacherin“, der Job würde mir auch gefallen 🙂 © Birgit Ebbert

Weitere Informationen zum Vortrag auf der Seite von Die Sachenmacher