Beim vorösterlichen Aufräumen habe ich diese Ostergeschichte gefunden und da das Wetter schlecht werden soll, ist in diesem Jahr Zeit zum Lesen. Daher wünsche ich eine schöne Lesezeit sowie schöne, erholsame Ostertage und keine Bauchschmerzen von Ostereiern, wer auch immer sie verstecken wird.
Und sollte sich ein kleiner Zeichner oder eine kleine Zeichnerin finden, die Lust hat, Bilder zu der Geschichte zu malen, nur her damit – als Honorar gibt es ein Kinderbuch (solange der Buchvorrat reicht!).
Hier geht es zur Geschichte als PDF.

Ein Fall für Kommissar Schlappohr

Ossi Osterhase steht fassungslos vor einem Osternest. Dort, wo er einen Teil der Eier aus seinem Korb verstecken soll, liegen bereits Ostereier. Und nicht nur das. Die Eier sehen exakt so aus wie seine Eier. Dabei weiß er genau, dass er in diesem Garten bisher nicht war.
„So eine Frechheit!“ Ossi tobt. Am liebsten würde er sofort Kommissar Schlappohr benachrichtigen. Doch zuerst muss er sich die Eier genau ansehen. Er schaut sich um. In der Ferne geht die Sonne gerade auf. Noch hat er Zeit. Die Kinder, die die Eier suchen werden, schlafen. Leise hüpft Ossi an das Osternest heran.
Als Ossi die Ostereier mit seinem Muster von Nahem betrachtet, erkennt er, dass es keine Hühnereier sind, wie er sie bemalt hat. Die ersten Sonnenstrahlen scheinen auf die Eier und blenden ihn. „Silberfolien!“, stöhnt Ossi und tastet mit seiner rechten Vorderpfote nach einem Ei. Er hebt es hoch. Es ist viel leichter als die Hühnereier, die er bemalt hat.
„Die Osterei-Mafia!“, entfährt es Ossi. Entsetzt starrt er auf das Ei. Nun hat die Osterei-Mafia auch ihn ausspioniert. Er muss Kommissar Schlappohr informieren.
Eilig wirft Ossi zwei Eier in das Osternest. Sie tragen genau das gleiche Muster wie die Ostereier in der Silberfolie. Eines der gefälschten Eier nimmt Ossi aus dem Nest. „Das ist ein Beweismittel“, beruhigt er sich und hoppelt schnell weiter.
Auch im nächsten Garten und im übernächsten Garten liegen bereits gefälschte Eier in den Verstecken, die Ossi sich überlegt hat.
Hier ist nicht nur ein Fälscher am Werk, das wird Ossi klar. Jemand hat ihn ausspioniert. Woher kann er sonst wissen, welche Gärten er beliefern muss und wo er die Eier verstecken will?
Nachdem Ossi seine Runde beendet hat, springt er zu Kommissar Schlappohr. Der sitzt in seinem Laubbüro und wartet, falls ein Verbrechen in seinem Revier geschieht.
„Das ist ein schwerer Fall“, murmelt Kommissar Schlappohr, als Ossi ihm alles erzählt hat. Er legt die Ohren nach hinten und denkt nach. „Fangen wir doch vorne an“, sagt er dann. „Wer weiß, welches Muster du auf deine Ostereier malst und wer kennt deine Kunden?“
Ossi überlegt nur kurz. „Das Muster kennt nur die Jury des Malwettbewerbs.“ In jedem Jahr müssen die Osterhasen einen Vorschlag abgeben, wie sie ihre Ostereier bemalen möchten. Die Jury vergleicht die Muster und sorgt dafür, dass jedes Muster nur einmal vorkommt. Erst wenn die Jury zugestimmt hat, dürfen die Osterhasen ihre Farben kaufen und mit dem Bemalen beginnen.
„Hast du denn keine Hilfe?“, will Kommissar Schlappohr wissen. Viele Osterhasen lassen sich von ihren Kindern oder Verwandten helfen.
Ossi schüttelt den Kopf. „Ich arbeite lieber allein. Da weiß ich, dass alles richtig gemacht wird. Sonst gibt es nachher nur Ärger.“ Kommissar Schlappohr weiß, wovon Ossi spricht. In jedem Jahr gibt es nach Ostern Beschwerden von Menschen, dass die Ostereier nicht ordentlich bemalt waren oder Anzeigen von Osterhasen, dass jemand ihnen bemalte Eier gestohlen hat.
„Mmh, dann kann der Fälscher eigentlich nur in der Jury sitzen“, brummt Kommissar Schlappohr. Das behagt ihm überhaupt nicht. Die Hasen in der Jury sind die wichtigsten Hasen in seinem Revier.
„Am besten sprechen wir mit dem Präsidenten der Jury“, schlägt Kommissar Schlappohr vor. Das rechte Ohr hat er wachsam aufgestellt, doch daran, dass das linke Ohr schlaff herunterhängt, erkennt Ossi, dass Kommissar Schlappohr nur ungern mit der Jury sprechen will. Da fällt ihm etwas ein, an das er noch gar nicht gedacht hat.
„Hassi“, ruft er. „Den habe ich ganz vergessen.“ Kommissar Schlappohr sieht ihn überrascht an. „Was hast du mit Hassi zu tun?“, will er wissen. Hassi ist ein Osterhase, der bekannt dafür ist, dass er wenig arbeitet, aber auf großer Pfote lebt.
„Vor ein paar Tagen hat Hassi mich besucht“, sagt Ossi aufgeregt. „Er hat mich gefragt, ob ich ihm rote Farbe leihen kann.“ Ossis Ohren springen nach oben. Er zappelt nervös. „Ich musste die Farbe holen. In der Zeit war er allein in der Werkstatt!“
Auch die Ohren von Kommissar Schlappohr verraten volle Aufmerksamkeit. „Bewahrst du in der Werkstatt die Route und die Verstecke auf?“
Ossi senkt den Kopf und nickt. Die Ohren fallen nach hinten. Er ärgert sich darüber, dass er so unvorsichtig gewesen ist. Aber wer kann ahnen, dass ein Osterhase einen anderen so hintergeht? Der Osterei-Mafia, die Ostereier aus Schokolade in buntes Silberpapier verpackt, der traut er alles zu. Aber seinem Osterhasen-Kollegen!
„Am besten statten wir Hassi einen Besuch ab, bevor wir die Jury verdächtigen!“ Kommissar Schlappohr stülpt sich seinen dunkelgrünen Hut über die Ohren und scheucht Ossi aus seinem Büro.
Schon von weitem hören die beiden ein Knistern in Hassis Werkstatt. Kommissar Schlappohr macht Ossi ein Zeichen, dass er sich verstecken und ruhig sein soll. Er hüpft näher an die Werkstatt heran und sieht in einer Ecke ein grünes Nest voll mit Eiern in Silberfolie, auf denen das gleiche Muster ist wie auf Ossis Eiern. Neben den Eiern liegt ein Stapel Papier. An der Farbe und den Zahlen erkennt Kommissar Schlappohr, dass es Geldscheine aus der Menschenwelt sind.
„Habe ich dich, du Verbrecher!“, ruft Kommissar Schlappohr und springt in die Werkstatt.
Hassi sitzt in einer anderen Ecke und schnauft. Um ihn herum liegen lauter Silberfolien. Wohin der Kommissaar auch schaut, sieht er Silberfolien. „Mir ist so schlecht!“, stöhnt Hassi und hält sich mit beiden Vorderpfoten den Bauch. Ein schokoladenbraunes Ei liegt halb angebissen neben ihm.
„Ossi“, ruft der Kommissar. „Da haben wir den Übelhasen.“ Er zeigt auf Hassi, dessen Ohren schlaff herunterhängen und der ganz bleich um die Schnauze ist. „Ich verhafte dich wegen Zusammenarbeit mit der Osterei-Mafia in Tateinheit mit Ostereier-Fälschung“, sagt Kommissar Schlappohr. „Das wird dich einige Jährchen im Käfig kosten“, fügt er hinzu. „Und deinen Job als Osterhase kannst du wohl für den Rest deines Lebens vergessen.“
Hassi bekommt kaum etwas mit, er hält sich noch immer den Bauch und stöhnt. © Birgit Ebbert